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Albrecht, Heike [Editor]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 26,1): Landkreis Stade: ohne die Städte Stade und Buxtehude — Braunschweig, 1997

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https://doi.org/10.11588/diglit.44441#0114
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DEINSTE-HELMSTE

Helmste Große Straße 10, Wohnwirtschaftsgebäude, 1883



Dollern, Dorfstraße 11, Hofanlage, 1793

Das Haufendorf Helmste ist durch seine Lage
im spitzen Winkel zwischen der Landstraße 124
und der Kreisstraße von Horneburg nach Fre-
denbeck weitgehend vom Durchgangsverkehr
unberührt. Als Verbindungsstraße zwischen die-
sen beiden vielbefahrenen Straßen fungieren im
Dorf die „Böberstroot“ und ihre rechtwinkelig
abknickende Verlängerung „Achtern Höhen“.
Beide sind Mitte des 19.Jh. angelegt worden
und stellten bis vor kurzem weitgehend die
südliche Bebauungsgrenze dar. Zahlreiche
Neubauten haben zu einer Verdichtung der ur-
sprünglich sehr weitläufigen Dorfanlage geführt;
ein jüngeres Wohngebiet ist zudem im Süd-
osten entstanden.
Auf dem Westufer des Dorfgrabens, der in den
nördlich am Ort vorbeifließenden Steinbeck
mündet, sind die Hofanlagen halbkreisförmig
am Nordende eines unregelmäßig geformten
langgestreckten Rechtecks angeordnet, das
von der „Großen Straße“ und der „Drift“ gebil-
det wird. Nach einem Ortsbrand 1883 entstan-
den hier auf sechs Hofanlagen neue Wohnwirt-
schaftsgebäude, die ebenso wie die wenigen
anderen Bauten des 19. und frühen 20.Jh. in
ihrem Bestand stark überformt sind.
Als denkmalwürdig kann daher aufgrund seiner
ortsbildprägenden Dominanz lediglich das in
Backstein ausgeführte Vierständerhallenhaus
Große Straße 10 trotz einiger Veränderungen
angesehen werden. Bemerkenswert ist die
Ausführung des Wohngiebels mit einer von Li-
senen eingefaßten und rundbogig abgeschlos-
senen Mittelachse, die durch ebenfalls rundbo-
gige Fenster mit Begleitprofilen sowie Ziermau-
erwerk weiter hervorgehoben ist. Sie bewirkt
eine ausgeprägt vertikale Betonung im Unter-
schied zu der im Wirtschaftsgiebel gewählten
klassischen Horizontalgliederung durch Ge-
simsbänder.
Von ortsgeschichtlicher Bedeutung ist das am
südlichen Dorfrand gelegene frühere Schulge-
bäude Böberstroot 2, das neben der Schulstu-
be auch einen Wohn- und Wirtschaftsteil für
den Lehrer besaß (erb. 2. Hälfte des 19.Jh.).


Dollern, Dorfstraße 6 und 8, ehern. Schule mit Kapellenanbau von 1961

Weiterhin sind zwei Kübbungsschafställe aus
der Zeit zwischen 1750 umd 1800 in das Denk-
malverzeichnis aufgenommen worden.
Während sich der am östlichen Dorfrand gele-
gene und mittlerweile von Neubauten einge-
rahmte Stall in der Rüstjer Straße mit K-förmi-
gen Verstrebungen und breiten Gefachen in ei-
nem verhältnismäßig guten Zustand befindet,
ist der zweite in der Feldmark südwestlich des
Dorfes gelegene Stall dem Verfall preisgegeben
(Auf dem Kamp). In ein kleines Waldstück ein-
gebettet, weist er typische Merkmale einer
Schafstallnutzung mit unterschiedlich hohen To-
ren in beiden Giebeln auf. Für die Schafherde
und den leeren Wagen reichte das niedrige Tor
im Rückgiebel, für den vollbeladenen Wagen
wurde die hohe Öffnung im Vordergiebel be-
nutzt.
Diese Ställe sind die einzigen Relikte einer ehe-
mals intensiv betriebenen Schaftierhaltung in
der Deinster Feldmark, wo der offensichtlich
karge Boden keine andere Bewirtschaftung zu-
ließ. Noch in der Preußischen Landesaufnahme
von 1880 ist dieser Gebäudetyp in einer auffal-
lend großen Anzahl verzeichnet.

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