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Albrecht, Heike [Hrsg.]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 26,1): Landkreis Stade: ohne die Städte Stade und Buxtehude — Braunschweig, 1997

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https://doi.org/10.11588/diglit.44441#0239
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NOTTENSDORF

Das 16 Kilometer südlich von Stade gelegene
Nottensdorf zeichnet sich durch eine reizvolle
Lage am östlichen Geestabhang aus und bietet
eindrucksvolle Blicke über die weite Marsch-
landschaft.
Für das Haufendorf, das zunächst nach Blie-
dersdorf, dann nach Apensen und seit 1857
nach Horneburg eingepfarrt ist, wurden 1762
elf Hofstellen, darunter fünf Vollhöfe genannt,
die sich um ein von der Alten Dorfstraße gebil-
detes unregelmäßiges Vieleck auf abfallendem
Gelände gruppierten.
Heute hat sich Nottensdorf aufgrund der ruhi-
gen, aber zugleich verkehrsgünstigen Lage zwi-
schen der Landesstraße 130, die von Horne-
burg nach Apensen führt und zugleich die
westliche Bebauungsgrenze darstellt und der
im Nordosten vorüberführenden Bundesstraße
73 zu einem Wohnort mit knapp 1000 Einwoh-
nern entwickelt. Dieses findet seinen Ausdruck
einerseits in einer Vielzahl neuerer Einfamilien-
häuser am südlichen und nördlichen Dorfrand,
wo sich die Bebauung mit einem Freizeitzen-
trum mittlerweile sogar den Geestabhang hin-
unter bis an die Bundesstraße 73 ausgedehnt
hat und andererseits in der Umnutzung und
dem Ausbau von großen Teilen der ehemals
landwirtschaftlich genutzten Gebäude zu
Wohnzwecken.
Nennenswerte Beispiele hierfür sind ein unmit-
telbar an der Straße stehender ehemaliger
Schafstall aus der 2. Hälfte des 18.Jh (Alte
Dorfstraße 15, heute Werkstatt) und das 1787
errichtete Hallenhaus Alte Dorfstraße 28, in
dem früher eine Gaststätte untergebracht war.
Beide Gebäude haben unter dem reetgedeck-
ten Vollwalm im Wirtschaftsgiebel die bestim-
menden Elemente der frühen Bauzeit bewahrt;
neben den kräftigen, durch je ein Innenkopf-
band ausgesteiften Hauptständern sowie den
sichtbaren Rähmköpfen gehören hierzu auch
die breiten, liegenden Gefache, als Hinweis auf
eine ursprüngliche Lehmausfachung.


Nottensdorf, Königl. Preuß. Landesaufnahme, 1897 (Landesvermessung und Geobasisinformation Niedersachsen)

Nottensdorf, Alte Dorfstraße 15, ehern. Schafstall, wohl 2. Hälfte 18.Jh.


Benachbart liegt ein jüngst sanierter, ehemaliger
Kübbungsschafstall, der seine hofnahe Lage
behalten hat und nicht wie üblicherweise ge-
schehen, nach der Verkopplung in die Feldmark
umgesetzt worden ist. Die Besonderheit liegt
hier in der Konstruktionsweise mit einem Anker-
balkengefüge, das in die Zeit um 1790
zurückreicht (Alte Dorfstraße 36).
Ebenfalls selten ist die Giebelausbildung mit ei-
ner Vorderkübbung unter dem tief herabgezo-
genen Schleppwalm, wie sie der kleine Zwei-
ständerbau Fischerhof 2 zeigt. Das im rück-
wärtigen Teil massiv erneuerte Gebäude dürfte
gleichermaßen in das 18.Jh. zu datieren sein.
Weiter nördlich bildet der in die Marsch ab-
fließende Dorfbach ein kleines baumbestande-
nes Tal, in dem das Anwesen des „Fischmei-
sters“ lag, der für die ausgedehnte Teichwirt-
schaft des Gutes verantwortlich war. Als
schützenswert ist sein Wohnhaus, ein in der
2. Hälfte des 19.Jh. erbauter Fachwerkbau mit
schmalen Kübbungen unter einem als Halb-
walm ausgebildeten Reetdach eingestuft (Fi-
scherhof 14).


Nottensdorf, Alte Dorfstraße 28, Wohnwirtschaftsgebäude, 1787

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