Nachdem ein erstes Rathaus vermutlich bei
dem Stadtbrand von 1315 zerstört wurde, er-
richtete man 1347 ein neues Gebäude. Nur
noch eine Reihe spitzbogiger Fenster an der
Nordseite gibt einen schwachen Hinweis auf
das ursprüngliche Aussehen des Rathauses.
Der Merianstich zeigt es als stattlichen Mas-
sivbau mit Staffelgiebel und großem mittigen
Haupteingang an der Nordgiebelseite. 1789/
90 wurde das Gebäude, das den Brand von
1646 überstanden hatte, grundlegend umge-
baut. Es wurde aufgestockt und zur Veerßer
Straße mit einer dem spätbarocken Zeitge-
schmack folgenden, breitgelagerten, verputz-
ten Fassade versehen. Ein Walmdach mit ba-
rocken Dachhäuschen, einem breiten ge-
schwungenen Uhrenzwerchgiebel und einem
Aufzugszwerchhaus ersetzte das frühere Sat-
teldach. Um 1825 erhielt der neue Eingang
sein geschnitztes klassizistisches Portal, aus
dieser Zeit dürften auch die erhaltenen Fen-
ster stammen. Der Bogengang an der Nord-
seite wurde 1932 als Fortsetzung des Bürger-
steiges der Bahnhofstraße angelegt.
Wohl schon im 15. Jh. wurde die Ansicht der
Kirche zur Veerßer Straße hin durch eine Rei-
Apostelkapelle, Innenraum nach Osten
Bahnhofstraße 42, „Neues Haus“, von Südwesten
he von Marktbuden neben dem Rathaus ver-
stellt. Diese Gruppe kleiner Fachwerkhäuser,
„Fünf Propheten“ genannt, wurde 1945 zer-
stört.
In der Diskussion über den Wiederaufbau
setzte sich der Wille zur historischen Kontinui-
tät durch. Die Möglichkeit, die Ostansicht der
Kirche frei zu stellen, wurde verworfen und
schon 1949 begann der Bau der Zeile von
zweigeschossigen bescheidenen verputzten
Wohn- und Geschäftshäusern, die weiterhin
als „Fünf Propheten“ bezeichnet werden
(Veerßer Straße 4-12).
Neues Haus und Bahnhofstraße
Mit dem Neuen Haus begann die Bebauung
der Häuserzeile auf dem früheren Kirchhofge-
lände. Die neuen Hausstellen an der Bahnhof-
straße, die damals noch Rosenstraße genannt
wurde, erhielten Parzellen, die lediglich fürdie
Grundflächen der Häuser ausreichten.
Das Neue Haus (Bahnhofstraße 42) wurde
Anfang des 15. Jh. neben dem Rathaus als
dessen Erweiterung gebaut und als Tanz- und
Hochzeitshaus sowie Versammlungsstätte
der Ämter und Gilden genutzt. Auf seine enge
Beziehung zum Rathaus weist auch der Die-
leneingang an seiner östlichen Traufseite hin.
In dem heute noch erhaltenen Gewölbekeller
lagerten die Bier- und Weinvorräte des Rates.
Bei dem Brand von 1646 blieben die Erdge-
schoßwände sowie der zum Kirchhof gerichte-
te Giebel mit gekuppelten Blendfenstern und
Luken in Spitzbogennischen stehen. Nach
dem Brand wurde der Bau durch ein Fachwerk-
obergeschoß in Stockwerkszimmerung auf-
gestockt, dessen zweifach vorkragender Stra-
ßengiebel reichhaltig mit Renaissance-
Schnitzereien verziert wurde. Diese wurden
auch bei der geschoßübergreifenden Verbrei-
terung des Hauses um 1800 fortgeführt. 1848
und 1959 erfolgten weitere Umbauten. Seit
1865 ist das Haus die sogenannte Ratswein-
handlung.
Üppiges Schnitzwerk als Ranken- und Be-
schlagwerkornamentik sowie Spruchinschrif-
ten überziehen auch die Hölzer in den Fassa-
den des Nachbarhauses (Nr. 40, 1647), das
sowohl zur Bahnhofstraße als auch zum
Kirchhof orientiert ist. Beide Giebelseiten sind
gut erhalten und neu restauriert. Die Straßen-
Bahnhofstraße 40, Fassade zum Kirchhof, 1647
Bahnhofstraße 42, 40, 38
Veerßer Straße 2, Rathaus, 1347, umgebaut 1789/90
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dem Stadtbrand von 1315 zerstört wurde, er-
richtete man 1347 ein neues Gebäude. Nur
noch eine Reihe spitzbogiger Fenster an der
Nordseite gibt einen schwachen Hinweis auf
das ursprüngliche Aussehen des Rathauses.
Der Merianstich zeigt es als stattlichen Mas-
sivbau mit Staffelgiebel und großem mittigen
Haupteingang an der Nordgiebelseite. 1789/
90 wurde das Gebäude, das den Brand von
1646 überstanden hatte, grundlegend umge-
baut. Es wurde aufgestockt und zur Veerßer
Straße mit einer dem spätbarocken Zeitge-
schmack folgenden, breitgelagerten, verputz-
ten Fassade versehen. Ein Walmdach mit ba-
rocken Dachhäuschen, einem breiten ge-
schwungenen Uhrenzwerchgiebel und einem
Aufzugszwerchhaus ersetzte das frühere Sat-
teldach. Um 1825 erhielt der neue Eingang
sein geschnitztes klassizistisches Portal, aus
dieser Zeit dürften auch die erhaltenen Fen-
ster stammen. Der Bogengang an der Nord-
seite wurde 1932 als Fortsetzung des Bürger-
steiges der Bahnhofstraße angelegt.
Wohl schon im 15. Jh. wurde die Ansicht der
Kirche zur Veerßer Straße hin durch eine Rei-
Apostelkapelle, Innenraum nach Osten
Bahnhofstraße 42, „Neues Haus“, von Südwesten
he von Marktbuden neben dem Rathaus ver-
stellt. Diese Gruppe kleiner Fachwerkhäuser,
„Fünf Propheten“ genannt, wurde 1945 zer-
stört.
In der Diskussion über den Wiederaufbau
setzte sich der Wille zur historischen Kontinui-
tät durch. Die Möglichkeit, die Ostansicht der
Kirche frei zu stellen, wurde verworfen und
schon 1949 begann der Bau der Zeile von
zweigeschossigen bescheidenen verputzten
Wohn- und Geschäftshäusern, die weiterhin
als „Fünf Propheten“ bezeichnet werden
(Veerßer Straße 4-12).
Neues Haus und Bahnhofstraße
Mit dem Neuen Haus begann die Bebauung
der Häuserzeile auf dem früheren Kirchhofge-
lände. Die neuen Hausstellen an der Bahnhof-
straße, die damals noch Rosenstraße genannt
wurde, erhielten Parzellen, die lediglich fürdie
Grundflächen der Häuser ausreichten.
Das Neue Haus (Bahnhofstraße 42) wurde
Anfang des 15. Jh. neben dem Rathaus als
dessen Erweiterung gebaut und als Tanz- und
Hochzeitshaus sowie Versammlungsstätte
der Ämter und Gilden genutzt. Auf seine enge
Beziehung zum Rathaus weist auch der Die-
leneingang an seiner östlichen Traufseite hin.
In dem heute noch erhaltenen Gewölbekeller
lagerten die Bier- und Weinvorräte des Rates.
Bei dem Brand von 1646 blieben die Erdge-
schoßwände sowie der zum Kirchhof gerichte-
te Giebel mit gekuppelten Blendfenstern und
Luken in Spitzbogennischen stehen. Nach
dem Brand wurde der Bau durch ein Fachwerk-
obergeschoß in Stockwerkszimmerung auf-
gestockt, dessen zweifach vorkragender Stra-
ßengiebel reichhaltig mit Renaissance-
Schnitzereien verziert wurde. Diese wurden
auch bei der geschoßübergreifenden Verbrei-
terung des Hauses um 1800 fortgeführt. 1848
und 1959 erfolgten weitere Umbauten. Seit
1865 ist das Haus die sogenannte Ratswein-
handlung.
Üppiges Schnitzwerk als Ranken- und Be-
schlagwerkornamentik sowie Spruchinschrif-
ten überziehen auch die Hölzer in den Fassa-
den des Nachbarhauses (Nr. 40, 1647), das
sowohl zur Bahnhofstraße als auch zum
Kirchhof orientiert ist. Beide Giebelseiten sind
gut erhalten und neu restauriert. Die Straßen-
Bahnhofstraße 40, Fassade zum Kirchhof, 1647
Bahnhofstraße 42, 40, 38
Veerßer Straße 2, Rathaus, 1347, umgebaut 1789/90
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