Lucka, Wilhelm [Hrsg.]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 27): Landkreis Uelzen — Braunschweig, 1984

Seite: 71
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Die Stadtmauer wurde nach und nach bis auf
kleinere Reste an der Mühlenstraße, Turm-
straße und Rosenmauer abgetragen. Das
größte Teilstück der alten Stadtmauer ist an
der Mühlenstraße unweit des Herzogenplat-
zes zu finden. Die Mauer dient hier als Einfrie-
dung des dahinterliegenden Gartens des
Grundstücks Mühlenstraße 27a.
In die Flucht der Mauer wurde die Fassade ei-
nes großen freistehenden villenartigen Wohn-
hauses eingefügt, das 1925 von den Uelzener
Architekten Wendthut und Wolff für die Besit-
zerin der nahe gelegenen Stadtmühle entwor-
fen wurde. Der aus dunkel gebrannten Ziegeln
errichtete Bau zeigt zur Straße hin eine ver-
schlossene, nur im Mittelrisalit von flachrecht-
eckigen Fensteröffnungen und der Eingangs-
tür durchbrochene Fassade, während er sich
zum Grundstück und zur Ilmenau hin öffnet
und allseitig durch Vorbauten in den Garten
hineingreift. Teile der originalen Innenausstat-
tung, wie die Treppenanlage und ein gemau-
erter Kamin in der Eingangshalle sind erhal-
ten. Der repräsentative Bau wird von der Stadt
Uelzen als Standesamt genutzt.

Gudesstraße 33, um 1827, Umbau 1919


Lüneburger Straße 36, ehern. Clubhaus, 1846


Bahnhofstraße 22, Kaufhaus, 1909


Die Bahnhofstraße hatte zunächst keinen
Ausgang nach Westen hin, der hier die Stadt-
mauer verstärkende Fangenturm blieb bis zur
Anlage des Bahnhofs und der darauf hin er-
folgten Weiterführung der Straße stehen. Das
heutige Stadtbauamt (Nr. 33) ist ein zweige-
schossiger Fachwerkbau in der Tradition der
klassizistischen Häuser der Innenstadt. 1852
wurde es als Gebäude der dritten Stadtschule
eingeweiht. Ihm gegenüber eröffnete die Fir-
ma Ramelow 1909 ihr Kaufhaus. Der dreige-
schossige Putzbau hat eine stark vertikal
betonte Fassade, die durch ein umlaufendes
Gesims mit Ornamenttafeln abgeschlossen
wird (Bahnhofstraße 22).
Auf den sich nördlich des Stadtbauamts an-
schließenden Gartengrundstücken wurden ab
ca. 1895 villenartige Wohnhäuser gebaut, die
durch kleine Brücken über den Stadtgraben
von der Ringstraße her zugänglich waren. Als
eine der ersten wurde 1899 das Wohnhaus
des Fabrikanten Bültemann (Eisengießerei an
der Bahnhofstraße) erstellt, ein gut erhaltener
1 V^-geschossiger Ziegeibau mit Mittelrisalit
zur Ringstraße. Die Fassade wird durch Stuck-

Ringstraße 38,1901


Bahnhofstraße 33, ehern. Schule, um 1852


Ornamente und einen Fries aus gemusterten
keramischen Platten unterhalb des überste-
henden Daches geziert (Ringstraße 28). 1901
folgte Nr. 38, ein Putzbau, dessen mit roten
Ziegelschindeln eingedecktes Mansardge-
schoß durch ein Erkertürmchen und Zwerch-
haus in Fachwerk belebt wird.
Nach einem Brand in der Achterstraße wurde
um 1860 die auf das erste Bahnhofsemp-
fangsgebäude ausgerichtete Hoefftstraße
über das Gelände der Befestigung hinweg mit
der Lüneburger Straße verbunden.
DER STADTTEIL VOR DEM GUDESTOR
Der Stadtteil vor dem Gudestor umfaßte das
östlich der Ilmenau gelegene Stadtgebiet. Das
erste Gebäude vor dem östlichen Stadttor war
die Gertrudenkapelle. 1511-13 stiftete der
Uelzener Bürger Hans Holsteke die Kapelle,
einen einschiffigen Backsteinbau unter steil
geneigtem Satteldach mit dreiseitigem Chor-
schluß, der im 16. Jh. Reisenden als Unter-
kunft diente. Im 19. Jh. wurde sie zeitweise
auch von der katholischen Gemeinde Uelzens
genutzt. Die heutige Grünfläche war Friedhof

Ringstraße 28, 1899


Gudesstraße, Gertrudenkapelle, 1511-13


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