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Böker, Doris [Editor]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 31): Stadt Oldenburg (Oldenburg) — Braunschweig, 1993

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https://doi.org/10.11588/diglit.44439#0082
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Als parzellenübergreifender traufständiger
Baukomplex dominiert auf der Westseite die
ehemalige Nationalbank, die nach Plänen der
Bremer Architekten August Abbehusen und
Otto Blendermann 1909 errichtet wurde
(Lange Str. 8/9). Der über hohem rustizierten
Sockel zweigeschossig aufgeführten Fas-
sade in Werksteinverblendung zu sieben
Achsen wird durch die mittige Vorlage von
vier kolossalen Halbsäulen ein monumentaler
Akzent verliehen. Er gipfelt in der abschlie-
ßenden Attika, deren figürliche Ausgestal-
tung Industrie und Schiffahrt thematisiert,
überragt von Viktoria mit den Wappen der
Städte Bremen und Oldenburg. Die Reliefta-
feln im unteren Säulenbereich, die Tätigkei-
ten im Prozeß der Münzprägung abbilden
(Prüfen, Wägen, Schmelzen, Prägen), dienen
der idealisierten Darstellung des menschli-
chen Körpers in zeittypischem Pathos.
Zur Einmündung in die Achternstraße leitet
eine Häusergruppe (Lange Str. 14, 15, 16)
über, die die historische, auf dem Hüner-
schen Plan 1792 verzeichnete Parzellen-
größe nachvollzieht. Während die beiden

Backsteingebäude Nr. 15 (erb. 1863, Umbau
durch G. Schnitger 1873) und Nr. 16 (erb.
1891, Arch. J. D. Schelling) mitihren gründer-
zeitlichen Fassaden im Neurenaissance-Stil
den Wunsch nach Repräsentation widerspie-
geln, verbirgt sich hinter der bescheideneren
massiven Blendfassade des Hauses Nr. 14
einer der in Oldenburg seltenen zweige-
schossigen Wandständerbauten aus derzeit
nach dem Brand von 1676.
Seine Funktion als Point de vue erfüllte der
1896 an der Straßengabelung Achternstraße/
Lange Straße entstandene, dreigeschossige
Blendziegelbau (Achternstr. 69) durch eine
reiche, inzwischen purifizierte Ausstattung
mit Elementen der Renaissance und des Ba-
rock. Über den zweigeschossigen mittigen
Erkern auf den drei Schauseiten waren ur-
sprünglich haubenbekrönte Zwerchhäuser
angeordnet. Bei dem dreigeschossigen
Nachbarhaus Lange Str. 18 (erb. 1881) wur-
den hingegen die aufwendigen renaissanci-
stischen Schmuckformen, wie die von Her-
menpilastern getragenen, segmentbogigen
Fensterverdachungen und die reich reliefier-


Achternstr. 69,1896


ten Geschoßfriese, beibehalten. Ebenfalls
stark plastischen Dekor zeigt der dreige-
schossige walmgedeckte Putzbau Nr. 78
(Teilneubau 1870). Als Fensterrahmung der
Beletage treten mit Beschlagwerk und Mas-
ken geschmückte korinthische Halbsäulen
vor die Wand, die über ihrem Gebälk eine
Dreiecksgiebelverdachung tragen. Über den
auf Konsolen ruhenden horizontalen Verda-
chungen der Fenster im zweiten Oberge-
schoß schließt ein breiter Rankenfries die
Fassade ab.
Die aus der 2. Hälfte des 19. Jh. hervorgegan-
gene, aufgrund unterschiedlicher Geschoß-
höhen und Stilausprägungen bewegte und
abwechslungsreiche Fassadenabwicklung
veranschaulichen außerderGruppevon Bau-
denkmalen Nr. 23-26adrei\ weitere Gruppen
von Wohn-/Geschäftshäusern (Nr. 33-39
und 57—62; Nr. 41 und 53-55; Nr. 49, 50).
Sie begleiten den schmaleren Altstadtab-
schnitt der Langen Straße, deren Biegung fol-
gend, von der Einmündung am Markt bis
nördlich der Schüttingstraße, wo mit dem
Rücksprung des Hauses Nr. 28-30 die Ver¬

hänge Str. 18, 1881


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