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Böker, Doris [Editor]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 31): Stadt Oldenburg (Oldenburg) — Braunschweig, 1993

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https://doi.org/10.11588/diglit.44439#0147
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steht (Nr. 43; Nr. 45, erb. 1875, Walm- durch
Mansarddach ersetzt; Nr. 47, wohl 1880; Nr.
49, erb. 1876). Das älteste, gut erhaltene
Haus, Nr. 43 von 1869, vertritt die fünfachsige
Variante mit mittigem Eingang. Bei der Aus-
gestaltung setzte der Architekt H. Früstück
nur wenige Akzente (Pilasterrahmung des
Eingangs, abschließender Anthemionfries),
die dem Gebäude einen vornehm zurückhal-
tenden Charakter verleihen. Dagegen wählte
er für die Dekoration der rundbogigen Ober-
geschoßzone des jüngeren Hauses Nr. 49
bereits üppigere Neurenaissanceformen. Ein
weiteres Beispiel des vierachsigen Walm-
dachhauses stellte ursprünglich das zweige-
schossige Gebäude Nr. 89 (erb. 1885/86,
Arch. J. Wempe) dar, das 1921 durch Fichtner
und Sandeck beidseitig durch leicht zurück-
gesetzte Trakte erweitert und mit ihnen unter
einem Satteldach vereinigt wurde. Obwohl
sich der nördliche Eingangstrakt sowohl im
Aufriß über die vorgegebene Geschoßeintei-
lung als auch formal durch das Aufgreifen ba-
rocker Motive über die originale Neurenais-
sancegestaltung hinwegsetzt, wirkt er als ein-
fühlsame Ergänzung.

Während sich in diesem Fall die jüngere Ar-
chitektur dem Ursprungsbau unterordnete,
läßt der um 1900 vorgenommene Umbau des
Hauses Nr. 79 nichts mehr von dem 1871 er-
richteten Giebelhaus mit Drempel zu vier
Achsen erkennen. Das zweigeschossige,
mansardgedeckte Gebäude wird an der Fas-
sade zur Donnerschweer Straße hin durch
zwei zwerchhausbekrönte Seitenrisalite ge-
gliedert, wovon sich der westliche im Oberge-
schoß in einem großen Korbbogen zu einer
Loggia öffnet. In der an die deutsche Renais-
sanceangelehnten Neugestaltung einschließ-
lich der noch vorhandenen aufwendigen In-
nenausstattung schlägt sich deutlich das von
nationalistisch geprägtem Selbstbewußtsein
hervorgerufene Repräsentationsbedürfnis
des wilhelminischen Bürgertums nieder.
Als herausragendes Wohn-/Geschäftshaus
des späten Historismus stellt sich Donner-
schweer Straße 90 (erb. 1906, Arch. K. A.
Wempe) dar. Das Erdgeschoß des dreige-
schossigen Baus unter einem Mansarddach
ist als Ladenzone durch große Glasflächen
zwischen Stützen weitgehend aufgelöst (Ver-

kaufsraum mit vier Säulen, deren Flechtband-
kapitelle wohl vorgefertigte Elemente des
Hofbildhauers H. Boschen sind). Den beiden
leicht vorgezogenen Außenachsen der Ober-
geschosse sind polygonale Erker vorgelegt,
deren Fenster in der Beletage mit reichhalti-
gem Jugendstildekor geschmückt sind.
Im Abschnitt zwischen Schäfer- und Willers-
straße reihen sich einige kleinbürgerliche,
aus dem letzten Drittel des 19. Jh. stam-
mende Wohnhäuser vom Typ des giebelstän-
digen Hauses mit Drempel unter Satteldach
aneinander, die außerdem fünfachsigen Ge-
bäude Nr. 75allevierachsigangelegtsind und
die charakteristischen Neurenaissanceele-
mente zeigen (Nr. 65, 67, 69, 71, 73, 75).
Durch einen der Südwestecke angefügten
Turm, dessen Fachwerkobergeschoß kratz-
putzgeschmückte Felder zieren, wurde das
Haus Nr. 71 in ungewöhnlicher weise indivi-
duell aufgewertet.
Für den späthistoristischen Wohnbau geho-
benen Anspruchs finden sich weiterstadtaus-
wärts auf der Südseite drei Beispiele mit der

Donnerschweer Str. 12,10, 8


Donnerschweer Str. 49, 47, 45, 43


Donnerschweer Str. 23,1861/62



Donnerschweer Str. 89,1885/86, Architekt J. Wempe

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