Universitätsbibliothek HeidelbergUniversitätsbibliothek Heidelberg
Metadaten

Böker, Doris [Editor]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 31): Stadt Oldenburg (Oldenburg) — Braunschweig, 1993

DOI Page / Citation link:
https://doi.org/10.11588/diglit.44439#0209
Overview
Facsimile
0.5
1 cm
facsimile
Scroll
OCR fulltext
tionskunst aufleben lassen. Ein vereinheitli-
chendes Motiv an Alt- und Neubau sind die
Fenster mit ihrem kleinteilig versproßten
Oberlicht. Seit Ende 1979 ist das über eine
bedeutende Innenausstattung verfügende
Haus Sitz der Oldenburgischen Landschaft.
Eine vergleichbare Baukörperformation
schufen Gildemeister und Sunkel 1907 beim
Neubau des Hauses Gartenstraße 5. Mit der
formalen Behandlung, u.a. dergeschoßüber-
greifenden Putzrahmung, welche die Fas-
sade in vier Felder gliedert, dem von Urnen
flankierten Dachausbau mit korbbogigem
Giebel und dem Mansardwalmdach, knüpfen
die Architekten an die Baukunst „um 1800“
an. Der ebenfalls unter einem Mansardwalm-
dach 1905 durch C. F. Rauchheld errichtete
Putzbau Gartenstraße 12, der 1984 unter Be-
rücksichtigung denkmalpflegerischer Ge-
sichtspunkte instandgesetzt wurde, zeigt sich
dagegen von einer anderen Strömung beein-
flußt. Die Detaillierung mit Wellenbändern
und einem stilisierten Blattornament als Rah-
mung von Fenstern und Türen greift eine der
Wiener Sezession nahestehende Jugendstil-
ornamentik auf, die sich in der Architektur zur
1905 veranstalteten Landesausstellung nie-
dergeschlagen hatte und in diesem Gebäude
eine in Oldenburg einmalige Ausprägung
fand. Die feststehenden, kleinteilig versproß-
ten Oberlichter der Fenster besitzen z.T. far-
bige Ornamente.

DIE WOHNHAUSBEBAUUNG DES
DOBBENVIERTELS
Sowohl durch die geschlossene städtebauli-
che Konzeption als auch die besondere Dich-
te erhaltener gründerzeitlicher Wohnhaus-
bebauung einer bürgerlichen bzw. großbür-
gerlichen Gesellschaftsschicht unterscheidet
sich das Dobbenviertel von anderen Olden-
burger Stadterweiterungsgebieten mit ihren
soziologisch und architektonisch heteroge-
neren Strukturen. Das z.B. in der Nordstadt
und im Haareneschviertel verbreitete trauf-
ständige Doppelwohnhaus mit Drempel er-
scheint im Dobbenviertel als Ausnahme
(Dobbenstr. 18, erb. 1880).
Die genannten Kriterien weisen das Dobben-
viertel trotz Einbußen an originaler Bausub-
stanz seit der Nachkriegszeit als ein stadtbau-
geschichtliches Dokument von seltener Ein-
heitlichkeit aus, in dem sich freilich Gebäude
vom Rang eines Einzeldenkmals mit schlich-
teren und deshalb durch Veränderungen be-
sonders gefährdeten Bauten abwechseln,
deren Denkmalqualität aus ihrer typologi-
schen Reihung erwächst. Gleichermaßen
zum denkmalwerten Bestand des östlichen
Dobbenviertels gehören als Teil der städte-
baulichen Konzeption die rückwärtigen Haus-
und die Vorgärten.
Bei der Entstehung der Bebauung spielte in
zeitspezifischer Charakteristik die spekula-
tive Vorgehensweise der Architekten, die teil-
weise, wie z.B. C. Spieske sowie Vater und
Sohn Früstück, gleichzeitig auch Unterneh-
mer waren, eine wichtige Rolle. Sie errichte-



207
 
Annotationen