Cloppenburger Str. 57, aus: Sandeck, Alte Baukunst in der Stadt Oldenburg, 1980
zweigende Charlottenstraße, die nach We-
sten zur Hermann-Ehlers-Straße abknickt,
und die Altburgstraße, die eine gerade Ost-
West-Verbindung zwischen Cloppenburger
und Hermann-Ehlers-Straße herstellt. Die
Westseite der Charlottenstraße wurde um
1900 mit Wohnhäusern bebaut, die abgese-
hen von dem großzügiger konzipierten Eck-
bau Nr. 6 vollständig in der spätklassizisti-
schen Tradition der zweigeschossigen Walm-
dachquaderbauten und giebelständigen Ge-
bäuden mit Drempel unter Satteldach stehen
(Charlottenstraße 1-6).
Die zur Erstbebauung der Altburgstraße ge-
hörenden zweigeschossigen Wohnhäuser,
entstanden im ersten und zu Anfang des
zweiten Jahrzehnts unseres Jahrhunderts
(Nr. 2, 4, 6-10), vertreten jene für den bür-
gerlichen Wohnbau vordem Ersten Weltkrieg
charakteristische Auffassung, die in Abgren-
zung zu dem voraufgegangenen Historismus
eine schlichte und geradlinige Formenspra-
che bevorzugt, den räumlich differenzierten
Baukörper aber durch die Verwendung her-
kömmlicher Dachformen wie Walm-, Halb-
walm- und Mansarddach in einen betonttradi-
tionsbezogenen Rahmen stellt. Aus diesem
architektonischen Zusammenhang ragt auf
der Südseite der Altburgstraße ein für die
fünfziger Jahre typisches Bürogebäude her-
aus, das nach einem Entwurf von H. Fricke
1954/55 für den Bauunternehmer L. Freytag
errichtet wurde. Der dreigeschossige Flach-
dachbau wird seiner markanten Ecklage am
Ufer des Küstenkanals durch das an der
Nordwestecke halbrund vortretende Trep-
penhaus gerecht, ein bereits im Neuen Bauen
der zwanziger Jahre vorformuliertes Motiv.
Seine Verglasung läßt den Schwung der ge-
wendelten Treppe sichtbar. Dieser Leichtig-
keit suggerierende Eindruck wird durch die
zwischen Wandscheiben gespannte, weitge-
hend in Glasflächen aufgelöste und durch Be-
tonstützen gerasterte Westfassade sowie das
Einziehen des zweiten Obergeschosses un-
terstützt, vor dem eine schmale Galerie mit
dünnstäbigem Geländer verläuft (/Vr. 17).
DER RAUM ZWISCHEN BREMER
UND STEDINGER STRASSE
Im nördlichen Bereich der Bremer Straße, die
mit der in der 2. Hälfte des 19. Jh. einsetzen-
den regen Bautätigkeit städtischen Charakter
annahm, haben sich in der noch von ländli-
cher Umgebung nach Niederlegung der Wälle
angesiedelten Bebauung drei bedeutende
Bauwerke klassizistischer Provenienz erhal-
ten. Bremer Straße 5 entspricht dem Typ der
fünfachsigen, walmgedeckten Gebäude am
Theaterwall, entstand in seiner heutigen
zweigeschossigen Form jedoch erst in den
fünfziger Jahren des 19. Jh. unter Einbezie-
hung eines älteren eingeschossigen Hauses.
Umbauender Architekt, derdem Gebäude mit
der Lisenenrahmung der drei Mittelachsen,
den drei rundbogigen Obergeschoßfenstern
und dem abschließenden, stilisierten Anthe-
mionfries eine klassizistischen Prinzipien fol-
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