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Böker, Doris [Editor]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 31): Stadt Oldenburg (Oldenburg) — Braunschweig, 1993

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https://doi.org/10.11588/diglit.44439#0254
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Um 1900 findet in die Oldenburger Region
das Wohn- und Wirtschaftsgebäude vom Typ
des Gulfhauses vereinzelt Eingang. Als Bei-
spiel eines solchen Hauses, das kurz nach
der Jahrhundertwende entstanden sein
dürfte, sei Butjadinger Straße 114 genannt,
dessen fünfachsiger Wohnteil mit Drempel
unter Krüppelwalmdach giebelständig zur
Straße orientiert ist, während der breitere
Wirtschaftsteil in Rohziegelbauweise nach
Osten gerichtet ist.

GROSS BORNHORST
Kurz nach der Biegung der Elsflether Straße
in östliche Richtung zweigt, zunächst nach
Norden und dann in einem weiten Bogen
nach Osten führend, die Groß-Bornhorster-
Straße ab. In diesem Bereich liegt das heutige
Groß Bornhorst (hervorgegangen aus der
1837 erfolgten Teilung der Bauerschaft Born-
horst), das auf eine 1381 erstmals erwähnte
Siedlung von Kötern zurückgeht. Außer
Landwirtschaft wurde hier, so ist aus dem La-

gerbuch des gräflichen Drosten 1428 zu
schließen, auch Töpferei betrieben. Scher-
benfunde aus der Zeit um 1400 an Elsflether
Straße und Groß-Bornhorster-Straße lassen
u.a. auf Handelsbeziehungen bis in die Re-
gion des Niederrheins schließen. Entlang der
Elsflether- und der Groß-Bornhorster-Straße
siedelten die 1581 erstmals in einer vollstän-
digen Höfeliste aufgeführten elf Altköterin der
für die Geest charakteristischen verstreuten
Lage. Während die Siedlungsstruktur auf der
Nordseite der Groß-Bornhorster-Straße noch
annähernd nachzuvollziehen ist, sind an der
Elsflether Straße, wo vier Altköter ansässig
waren, weitere Grundstücke bebaut worden.
Insgesamt ist die Bausubstanz durch spätere
An- und Umbauten bzw. Abrisse so stark be-
einträchtigt, daß als denkmalwerte Hofanlage
an der Groß-Bornhorster-Straße nur noch der
ehemalige Altköterhof Nr. 69 betrachtet wer-
den kann. Sie besteht aus einem traufständi-
gen, in Ziegel errichteten Wohnwirtschafts-
gebäude in Zweiständerbauweise unter
Krüppelwalmdach und einer Querdurchfahrt-
scheune nordöstlich des Haupthauses unter
reetgedecktem Vollwalm in einer Fachwerk-

konstruktion mit eingehälsten Ankerbalken.
Einer der jüngeren, im 18. Jh. angesetzten
Köterhöfe befindet sich am Nedderlandsweg
(Nr. 45) und ist über eine alleeartige Zufahrt
zu erreichen. Das im Kern wahrscheinlich
vom Ende des 18. Jh. stammende Haus mit
einem Zweiständergerüst in Unterrähmkon-
struktion wurde wohl gegen Ende des 19. Jh.
massiv ummantelt; dabei erhielt der Wirt-
schaftsteil einen Stallanbau nach Osten.

KLEIN BORNHORST
Um 1600 entstand östlich der Altkötersied-
lung auf den Dwokuhlen am Rande der Arn-
steder Eschflur eine Neukötersiedlung. Die
ersten Ansiedler waren z.T. Handwerker, die
hier unter Graf Anton Günther ansässig wur-
den. Bis 1645 hatten sich neun Köter ange-
siedelt, bis 1681 stieg ihre Zahl auf 15, 1734
wurden 20 und 1823 schließlich 41 Köter ge-
zählt. Es entwickelte sich ein Siedlungsbild,
das an der Elsflether Straße durch eine lok-
kere Bebauung, beiderseits der nach Süden
abzweigenden Klein-Bornhorster-Straße je-


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