Plan der Butenburg (Hausbesitzaufnahme), Zeichnung von C.L. Reinhold, 1790
(Nieders. Staatsarchiv Osnabrück, K 62a Nr. 108H BI. 2)
folgte vor der Domburg die Heger Straße,
während eine zweite von Lingen-Natrup her-
anführende Straße ihren Weg über die Bier-
straße nahm. Nachdem die Butenburg Teil der
ummauerten Altstadt geworden war, besaß
sie mit Natruper und Heger Tor zwei wichtige
Stadttore, über die der Fernverkehr nach We-
sten abgewickelt wurde. Neben der Markt-
siedlung war sie der gewerbereichste Teil der
Stadt mit einer besonders dichten Bebauung,
die lediglich im Süden, wo sich um die Haken-
straße geräumige Adelshöfe ansiedelten,
stärker aufgelockert war. Zum Stadtteil zähl-
ten Bier- und Krahnstraße, ein kleiner Teil der
Lohstraße, Große und Kleine Gildewart, He-
ger, Marien- und Dielingerstraße sowie Ha-
kenstraße im Süden. Die Zerstörungen des
Luftkrieges vernichteten die Bebauung der
Butenburg im nördlichen und südlichen Be-
reich nahezu vollständig, hier blieben nur we-
nige Einzelgebäude erhalten. Im Kernbereich
dagegen um Heger und Marienstraße hat sich
- als einziger Fall in der Osnabrücker Innen-
stadt - ein zusammenhängender Altstadtbe-
reich mit noch relativ intakter Bausubstanz be-
wahrt, der einen, wenn auch unvollständigen
Eindruck vom Bild der gewachsenen Bürger-
stadt mit charakteristischen Bürgerhäusern
des 16. bis 19. Jh. zu geben vermag. Aller-
dings besteht auch hier ein nicht unerhebli-
cher Teil der Gebäude in mehr oder weniger
stark veränderten Wiederaufbauten und Re-
konstruktionen. Der Wiederaufbau des Stadt-
teils erfolgte im wesentlichen über dem über-
kommenen Stadtgrundriß. Einen schweren
Eingriff bedeutete in den siebziger Jahren die
Aufweitung der Dielingerstraße auf mehr als
das Doppelte ihrer ursprünglichen Breite, eine
Maßnahme, mit der die Straße dem Verkehr
zuliebe die letzte ältere Bausubstanz einbüß-
te. Eine Auflösung des historischen Stadt-
grundrisses brachten in jüngster Zeit auch
Baumaßnahmen im angrenzenden Bereich
zwischen Dielinger-, Hakenstraße und Kamp.
Ehemaliges Dominikanerkloster
1283 erfolgte die Gründung einer Niederlas-
sung der Dominikaner am Westrand der Alt-
stadt in unmittelbarer Nachbarschaft zur
Stadtmauer. Der Neubau der Klosterkirche
bezog offenbar die Baulichkeiten eines älte-
ren, an der Stadtmauer gelegenen Spitalge-
bäudes mit ein, aus dessen Lage sich die nicht
genaue Ausrichtung der Kirche nach Osten
erklären ließe. Die Fortschritte des Baus er-
möglichten bereits 1295 die förmliche Einrich-
tung des Klosters. 1297 scheint der Chor ge-
weiht worden zu sein. Bald nach 1300 geriet
der Bau jedoch ins Stocken, über die Errich-
tung des Chors, der offenbar bis zu den Chor-
eckpfeilern und den anschließenden Lang-
hauswänden stand, kamen die Arbeiten zu-
nächst nicht hinaus. Erst in der ersten Hälfte
des 15. Jh. wurde die Kirche durch die Errich-
tung des Langhauses vollendet. Die ursprüng-
liche Planung hatte hier wohl eine große drei-
schiffige Hallenkirche mit langgezogenem
Chor vorgesehen. Die Ausführung erfolgte
nun in einer gegenüber dem ursprünglichen
Plan erheblich reduzierten Form. An den Chor
fügte man ein dreischiffiges Hallenjoch an und
baute daran anschließend, vermutlich unter
Verwendung der Bausubstanz des ehemali-
gen Spitalgebäudes, ein zweischiffiges basili-
kales Langhaus von zwei Jochen, dessen
Westfront mit ihrer Abschrägung am Neben-
schiff den Verlauf der Stadtmauer berücksich-
tigte. Unmittelbar nördlich an die Kirche
schlossen sich die mittelalterlichen Klosterge-
bäude an, die in der ersten Hälfte des 18. Jh.
durch die heutige Anlage ersetzt wurden.
1803 wurde das Kloster aufgehoben, sein In-
ventar auf andere Kirchen der Diözese ver-
teilt. Kirche und Kloster wurden 1819 zu Ma-
gazin und Infanteriekaserne umgebaut. Der
sich ehemals nördlich anschließende Kloster-
garten hat sich in dem unbebauten Areal
zwischen Neuer Straße, Klingensberg und
Hasemauer erhalten. Erst nach dem Zweiten
Weltkrieg erfolgte die Wiederherstellung der
Kirche, die jedoch nicht mehr kirchlichen
Zwecken dient. Die Klostergebäude wurden
für den Gebrauch der Stadtverwaltung einge-
richtet (Bierstraße 39).
In der großen, einheitlich in Bruchstein errich-
teten Kirche sind zwei von Entstehungszeit
und künstlerischer Ausprägung unterschied-
liche Bauteile zusammengefaßt. Der Chor,
ungefähr zeitgleich mit den Hallen von St. Jo-
hann und St. Marien, umfaßt drei querrechtek-
kige Joche und ist mit fünf Seiten eines regel-
mäßigen Achtecks geschlossen. Sein Äuße-
res gliedern einfache Strebepfeiler, die bis
zum Hauptgesims emporgezogen sind, zwi-
schen den Pfeilern lösen auf der Südseite und
am Chorpolygon breite und hohe Fenster mit
ansteigendem Maßwerk die Mauerflächen
auf. Gegenüber dem feingliedrigen Chorbau
besitzen das im 15. Jh. fertiggestellte Lang-
haus und der südliche Querarm mit ihren gro-
ßen, wenig gegliederten Mauerflächen und
maßwerklosen Fenstern eine vergleichsweise
schwere Erscheinung. Das Kircheninnere ist
im Sinne der Bettelordenskirchen von Ein-
fachheit, Schmucklosigkeit und einem äußerst
zurückhaltenden Relief weniger gliedernder
Elemente bestimmt. Die Flügel der Klosterge-
bäude, die einen rechteckigen Hof umfangen,
sind ungestaltete dreigeschossige Bruch-
steinbauten mit Sandsteineinfassungen, die
in den ersten Jahrzehnten des 18. Jh. erbaut
wurden (Süd- und Westflügel 1705ff., Nordflü-
gel 1738).
BIERSTRASSE
Die am einstigen Westtor der Domburg ihren
Anfang nehmende Straße folgt zunächst in ih-
rem südöstlichen Teil dem Verlauf des ehe-
maligen Befestigungsrings der Domburg, um
darauf nach Nordwesten zum Natruper Tor
abzuschwenken, durch das die alte Straße
von Lingen in die Stadt hineinführte. Bier- und
südlich anschließende Krahnstraße bildeten
sich etwa gleichzeitig im Schutze des Mauer-
rings vor der Domburg als Marktstraßen her-
aus, nachdem der Raum um den Markt inner-
halb der „Burg“ als Zentrum des Handels und
Gewerbes für die wachsende Stadt nicht mehr
ausreichte. Die einst an großen und stattlichen
Bürgerhäusern reiche Straße, in der das zwei-
geschossige Giebelhaus vorherrschte, wurde
im Zweiten Weltkrieg fast vollkommen zer-
stört. Es blieb Bierstraße 24 (Gasthof Walhal-
la), eines der wenigen erhaltenen Fachwerk-
giebelhäuser der Barockzeit in Osnabrück
und unter diesen das reichste. Der vierfach
vorkragende Giebel, seitlich begleitet von ver-
putzten Brandmauern, weist an der ersten
Vorkragung figürliche Knaggen mit den Dar-
stellungen von Christus und den vier Evange-
listen, im übrigen Volutenkonsolen unter den
mit Rosetten verzierten Balkenköpfen auf.
Das rundbogige Dielentor in der Mitte des
Hauses wird von einem aus Lorbeerblättern
geformten Wulst gerahmt, der die ältere Form
des Taustabes ersetzt, während in den Bo-
genzwickeln, eingefügt in stark plastische
Akanthusranken, Putten mit Spruchbändern
schweben. Das laut Datierung auf der rechten
Brandmauer 1690 erbaute Haus besitzt zur
Kleinen Gildewart als Rückgebäude ein er-
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(Nieders. Staatsarchiv Osnabrück, K 62a Nr. 108H BI. 2)
folgte vor der Domburg die Heger Straße,
während eine zweite von Lingen-Natrup her-
anführende Straße ihren Weg über die Bier-
straße nahm. Nachdem die Butenburg Teil der
ummauerten Altstadt geworden war, besaß
sie mit Natruper und Heger Tor zwei wichtige
Stadttore, über die der Fernverkehr nach We-
sten abgewickelt wurde. Neben der Markt-
siedlung war sie der gewerbereichste Teil der
Stadt mit einer besonders dichten Bebauung,
die lediglich im Süden, wo sich um die Haken-
straße geräumige Adelshöfe ansiedelten,
stärker aufgelockert war. Zum Stadtteil zähl-
ten Bier- und Krahnstraße, ein kleiner Teil der
Lohstraße, Große und Kleine Gildewart, He-
ger, Marien- und Dielingerstraße sowie Ha-
kenstraße im Süden. Die Zerstörungen des
Luftkrieges vernichteten die Bebauung der
Butenburg im nördlichen und südlichen Be-
reich nahezu vollständig, hier blieben nur we-
nige Einzelgebäude erhalten. Im Kernbereich
dagegen um Heger und Marienstraße hat sich
- als einziger Fall in der Osnabrücker Innen-
stadt - ein zusammenhängender Altstadtbe-
reich mit noch relativ intakter Bausubstanz be-
wahrt, der einen, wenn auch unvollständigen
Eindruck vom Bild der gewachsenen Bürger-
stadt mit charakteristischen Bürgerhäusern
des 16. bis 19. Jh. zu geben vermag. Aller-
dings besteht auch hier ein nicht unerhebli-
cher Teil der Gebäude in mehr oder weniger
stark veränderten Wiederaufbauten und Re-
konstruktionen. Der Wiederaufbau des Stadt-
teils erfolgte im wesentlichen über dem über-
kommenen Stadtgrundriß. Einen schweren
Eingriff bedeutete in den siebziger Jahren die
Aufweitung der Dielingerstraße auf mehr als
das Doppelte ihrer ursprünglichen Breite, eine
Maßnahme, mit der die Straße dem Verkehr
zuliebe die letzte ältere Bausubstanz einbüß-
te. Eine Auflösung des historischen Stadt-
grundrisses brachten in jüngster Zeit auch
Baumaßnahmen im angrenzenden Bereich
zwischen Dielinger-, Hakenstraße und Kamp.
Ehemaliges Dominikanerkloster
1283 erfolgte die Gründung einer Niederlas-
sung der Dominikaner am Westrand der Alt-
stadt in unmittelbarer Nachbarschaft zur
Stadtmauer. Der Neubau der Klosterkirche
bezog offenbar die Baulichkeiten eines älte-
ren, an der Stadtmauer gelegenen Spitalge-
bäudes mit ein, aus dessen Lage sich die nicht
genaue Ausrichtung der Kirche nach Osten
erklären ließe. Die Fortschritte des Baus er-
möglichten bereits 1295 die förmliche Einrich-
tung des Klosters. 1297 scheint der Chor ge-
weiht worden zu sein. Bald nach 1300 geriet
der Bau jedoch ins Stocken, über die Errich-
tung des Chors, der offenbar bis zu den Chor-
eckpfeilern und den anschließenden Lang-
hauswänden stand, kamen die Arbeiten zu-
nächst nicht hinaus. Erst in der ersten Hälfte
des 15. Jh. wurde die Kirche durch die Errich-
tung des Langhauses vollendet. Die ursprüng-
liche Planung hatte hier wohl eine große drei-
schiffige Hallenkirche mit langgezogenem
Chor vorgesehen. Die Ausführung erfolgte
nun in einer gegenüber dem ursprünglichen
Plan erheblich reduzierten Form. An den Chor
fügte man ein dreischiffiges Hallenjoch an und
baute daran anschließend, vermutlich unter
Verwendung der Bausubstanz des ehemali-
gen Spitalgebäudes, ein zweischiffiges basili-
kales Langhaus von zwei Jochen, dessen
Westfront mit ihrer Abschrägung am Neben-
schiff den Verlauf der Stadtmauer berücksich-
tigte. Unmittelbar nördlich an die Kirche
schlossen sich die mittelalterlichen Klosterge-
bäude an, die in der ersten Hälfte des 18. Jh.
durch die heutige Anlage ersetzt wurden.
1803 wurde das Kloster aufgehoben, sein In-
ventar auf andere Kirchen der Diözese ver-
teilt. Kirche und Kloster wurden 1819 zu Ma-
gazin und Infanteriekaserne umgebaut. Der
sich ehemals nördlich anschließende Kloster-
garten hat sich in dem unbebauten Areal
zwischen Neuer Straße, Klingensberg und
Hasemauer erhalten. Erst nach dem Zweiten
Weltkrieg erfolgte die Wiederherstellung der
Kirche, die jedoch nicht mehr kirchlichen
Zwecken dient. Die Klostergebäude wurden
für den Gebrauch der Stadtverwaltung einge-
richtet (Bierstraße 39).
In der großen, einheitlich in Bruchstein errich-
teten Kirche sind zwei von Entstehungszeit
und künstlerischer Ausprägung unterschied-
liche Bauteile zusammengefaßt. Der Chor,
ungefähr zeitgleich mit den Hallen von St. Jo-
hann und St. Marien, umfaßt drei querrechtek-
kige Joche und ist mit fünf Seiten eines regel-
mäßigen Achtecks geschlossen. Sein Äuße-
res gliedern einfache Strebepfeiler, die bis
zum Hauptgesims emporgezogen sind, zwi-
schen den Pfeilern lösen auf der Südseite und
am Chorpolygon breite und hohe Fenster mit
ansteigendem Maßwerk die Mauerflächen
auf. Gegenüber dem feingliedrigen Chorbau
besitzen das im 15. Jh. fertiggestellte Lang-
haus und der südliche Querarm mit ihren gro-
ßen, wenig gegliederten Mauerflächen und
maßwerklosen Fenstern eine vergleichsweise
schwere Erscheinung. Das Kircheninnere ist
im Sinne der Bettelordenskirchen von Ein-
fachheit, Schmucklosigkeit und einem äußerst
zurückhaltenden Relief weniger gliedernder
Elemente bestimmt. Die Flügel der Klosterge-
bäude, die einen rechteckigen Hof umfangen,
sind ungestaltete dreigeschossige Bruch-
steinbauten mit Sandsteineinfassungen, die
in den ersten Jahrzehnten des 18. Jh. erbaut
wurden (Süd- und Westflügel 1705ff., Nordflü-
gel 1738).
BIERSTRASSE
Die am einstigen Westtor der Domburg ihren
Anfang nehmende Straße folgt zunächst in ih-
rem südöstlichen Teil dem Verlauf des ehe-
maligen Befestigungsrings der Domburg, um
darauf nach Nordwesten zum Natruper Tor
abzuschwenken, durch das die alte Straße
von Lingen in die Stadt hineinführte. Bier- und
südlich anschließende Krahnstraße bildeten
sich etwa gleichzeitig im Schutze des Mauer-
rings vor der Domburg als Marktstraßen her-
aus, nachdem der Raum um den Markt inner-
halb der „Burg“ als Zentrum des Handels und
Gewerbes für die wachsende Stadt nicht mehr
ausreichte. Die einst an großen und stattlichen
Bürgerhäusern reiche Straße, in der das zwei-
geschossige Giebelhaus vorherrschte, wurde
im Zweiten Weltkrieg fast vollkommen zer-
stört. Es blieb Bierstraße 24 (Gasthof Walhal-
la), eines der wenigen erhaltenen Fachwerk-
giebelhäuser der Barockzeit in Osnabrück
und unter diesen das reichste. Der vierfach
vorkragende Giebel, seitlich begleitet von ver-
putzten Brandmauern, weist an der ersten
Vorkragung figürliche Knaggen mit den Dar-
stellungen von Christus und den vier Evange-
listen, im übrigen Volutenkonsolen unter den
mit Rosetten verzierten Balkenköpfen auf.
Das rundbogige Dielentor in der Mitte des
Hauses wird von einem aus Lorbeerblättern
geformten Wulst gerahmt, der die ältere Form
des Taustabes ersetzt, während in den Bo-
genzwickeln, eingefügt in stark plastische
Akanthusranken, Putten mit Spruchbändern
schweben. Das laut Datierung auf der rechten
Brandmauer 1690 erbaute Haus besitzt zur
Kleinen Gildewart als Rückgebäude ein er-
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