heblich umgebautes Steinwerk wohl des 16.
Jh.
Eines der ältesten und bedeutensten Stein-
werke der Stadt aus noch vorgotischer Zeit
blieb im rückwärtigen Teil des Grundstückes
Bierstraße 7 erhalten. Ursprünglich freiste-
hend in der Tiefe des Grundstücks erbaut,
bezeichnet es eine Entwicklungsstufe des
Steinwerks, da dieses noch selbständiger Be-
standteil einer reichen Osnabrücker Hofanla-
ge war, während es erst in späterer Zeit die für
das Osnabrücker Bürgerhaus charakteristi-
sche Verbindung mit einem zugehörigen
Wohn- und Vorderhaus einging. Der rechtek-
kige, mit beträchtlichen Mauerstärken errich-
tete Bruchsteinbau ist mit seiner nördlichen
Traufe parallel zur Straße angeordnet und hier
zugänglich über getrennt angeordnete, rund-
bogige Eingänge zu Keller und Erdgeschoß.
Über dem gewölbten Keller befinden sich zwei
flachgedeckte Geschosse, darüber ein ab-
schließendes, bis unter die Dachhaut des Sat-
teldaches aufragendes spitzbogiges Gewöl-
be. Der in spätgotischer Zeit durch große Fen-
stereinbauten veränderte Westgiebel des
Steinwerks wurde nach dem Kriege durch den
Einbau gekuppelter, durch Säulchen geteilter
Rundbogenfenster dem ursprünglichen Er-
scheinungsbild entsprechend rekonstruiert.
KRAHNSTRASSE
Mit ihrer leichten Krümmung folgt die Straße
dem einstigen Verlauf der Befestigungslinie
der Domburg des 11. Jh. zwischen ihrem
Westtor an der Westseite des Marktes und
dem Südtor am Nikolaiort. Gleich der Bierstra-
ße entwickelte sie sich entlang der Befesti-
gungslinie und in der Nähe des Marktes zu ei-
ner von Handel und Gewerbe geprägten
Marktstraße, an der sich große und reiche Bür-
ger- und Handelshäuser befanden. Entspre-
chend der Bedeutung der Straße waren hier
wie auch an der Bierstraße die Häuser zum
Teil zweigeschossig, das heißt über ihrem
Dielengeschoß befand sich noch ein zusätz-
liches Speichergeschoß. Während der süd-
östliche Straßenabschnitt im Kriege fast völlig
zerstört wurde, blieben zwischen Bier- und
Dielingerstraße eine Anzahl von zum Teil sehr
ansehnlichen Gebäuden des 16.-18. Jh. er-
halten und bilden heute einen Teil der um He-
ger und Marienstraße bewahrten zusammen-
Dominikanerkirche von Südwesten
Krahnstraße von der Dielingerstraße nach Nordwesten, links Nr. 9/10-1/2, rechts Nr. 53 49
hängenden Altstadtpartie. Ältestes datiertes
Fachwerk-Giebelhaus der Stadt in typischer
Ausbildung ist Krahnstraße 4 von 1533 mit
zweigeschossigem Giebelaufbau und breiten
seitlichen Brandmauern, die mit ihrer in Sand-
steinquadern ausgeführten Vorderkante der
Giebelvorkragung folgen. Das Haus ist am
Giebel stark verändert und oberhalb des Die-
lengeschosses erneuert, besitzt im übrigen in
seiner Vorkragung das älteste Beispiel für die
Taustabknagge der Renaissance in Osna-
brück. Der grundsätzlichen Disposition des
Osnabrücker Hauses folgend, befindet sich in
seinem rückwärtigen, an der Marienstraße ge-
legenem Teil das heute stark umgebaute ehe-
malige Steinwerk des Hauses. Aufwendiger
als Nr. 4 ist das stattliche Haus Krahnstraße 7,
das heute stellvertretend stehen muß für den
Typus des reichen Osnabrücker Fachwerk-
Bürgerhauses der Renaissance. Der Giebel
des 1586 errichteten Hauses, seitlich gefaßt
von kräftigen, die Giebelvorkragungen beglei-
tenden Brandmauern, wird durch sein reiches
Schnitzwerk im Sinne der Renaissance zu ei-
ner großen Einheit zusammengefaßt. Das
Hauptmotiv des über Taustabknaggen drei-
mal vorkragenden Giebels ist die - von Stock-
Bierstraße 24, 1690
Bierstraße 7, Steinwerk, 13. Jh.
75
Jh.
Eines der ältesten und bedeutensten Stein-
werke der Stadt aus noch vorgotischer Zeit
blieb im rückwärtigen Teil des Grundstückes
Bierstraße 7 erhalten. Ursprünglich freiste-
hend in der Tiefe des Grundstücks erbaut,
bezeichnet es eine Entwicklungsstufe des
Steinwerks, da dieses noch selbständiger Be-
standteil einer reichen Osnabrücker Hofanla-
ge war, während es erst in späterer Zeit die für
das Osnabrücker Bürgerhaus charakteristi-
sche Verbindung mit einem zugehörigen
Wohn- und Vorderhaus einging. Der rechtek-
kige, mit beträchtlichen Mauerstärken errich-
tete Bruchsteinbau ist mit seiner nördlichen
Traufe parallel zur Straße angeordnet und hier
zugänglich über getrennt angeordnete, rund-
bogige Eingänge zu Keller und Erdgeschoß.
Über dem gewölbten Keller befinden sich zwei
flachgedeckte Geschosse, darüber ein ab-
schließendes, bis unter die Dachhaut des Sat-
teldaches aufragendes spitzbogiges Gewöl-
be. Der in spätgotischer Zeit durch große Fen-
stereinbauten veränderte Westgiebel des
Steinwerks wurde nach dem Kriege durch den
Einbau gekuppelter, durch Säulchen geteilter
Rundbogenfenster dem ursprünglichen Er-
scheinungsbild entsprechend rekonstruiert.
KRAHNSTRASSE
Mit ihrer leichten Krümmung folgt die Straße
dem einstigen Verlauf der Befestigungslinie
der Domburg des 11. Jh. zwischen ihrem
Westtor an der Westseite des Marktes und
dem Südtor am Nikolaiort. Gleich der Bierstra-
ße entwickelte sie sich entlang der Befesti-
gungslinie und in der Nähe des Marktes zu ei-
ner von Handel und Gewerbe geprägten
Marktstraße, an der sich große und reiche Bür-
ger- und Handelshäuser befanden. Entspre-
chend der Bedeutung der Straße waren hier
wie auch an der Bierstraße die Häuser zum
Teil zweigeschossig, das heißt über ihrem
Dielengeschoß befand sich noch ein zusätz-
liches Speichergeschoß. Während der süd-
östliche Straßenabschnitt im Kriege fast völlig
zerstört wurde, blieben zwischen Bier- und
Dielingerstraße eine Anzahl von zum Teil sehr
ansehnlichen Gebäuden des 16.-18. Jh. er-
halten und bilden heute einen Teil der um He-
ger und Marienstraße bewahrten zusammen-
Dominikanerkirche von Südwesten
Krahnstraße von der Dielingerstraße nach Nordwesten, links Nr. 9/10-1/2, rechts Nr. 53 49
hängenden Altstadtpartie. Ältestes datiertes
Fachwerk-Giebelhaus der Stadt in typischer
Ausbildung ist Krahnstraße 4 von 1533 mit
zweigeschossigem Giebelaufbau und breiten
seitlichen Brandmauern, die mit ihrer in Sand-
steinquadern ausgeführten Vorderkante der
Giebelvorkragung folgen. Das Haus ist am
Giebel stark verändert und oberhalb des Die-
lengeschosses erneuert, besitzt im übrigen in
seiner Vorkragung das älteste Beispiel für die
Taustabknagge der Renaissance in Osna-
brück. Der grundsätzlichen Disposition des
Osnabrücker Hauses folgend, befindet sich in
seinem rückwärtigen, an der Marienstraße ge-
legenem Teil das heute stark umgebaute ehe-
malige Steinwerk des Hauses. Aufwendiger
als Nr. 4 ist das stattliche Haus Krahnstraße 7,
das heute stellvertretend stehen muß für den
Typus des reichen Osnabrücker Fachwerk-
Bürgerhauses der Renaissance. Der Giebel
des 1586 errichteten Hauses, seitlich gefaßt
von kräftigen, die Giebelvorkragungen beglei-
tenden Brandmauern, wird durch sein reiches
Schnitzwerk im Sinne der Renaissance zu ei-
ner großen Einheit zusammengefaßt. Das
Hauptmotiv des über Taustabknaggen drei-
mal vorkragenden Giebels ist die - von Stock-
Bierstraße 24, 1690
Bierstraße 7, Steinwerk, 13. Jh.
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