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Kämmerer, Christian [Editor]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 32): Stadt Osnabrück — Braunschweig, 1988

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https://doi.org/10.11588/diglit.44440#0079
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neren Osnabrücker Bürgerhauses, das seine
äußere Gestalt in einer überaus großen Zahl
der Fälle modernisierenden Umbauten vor al-
lem des 19. Jh. verdankte, ist die Häuserzeile
auf der gegenüberliegenden Straßenseite
charakteristisch, die an dieser Stelle die le-
bendige Vielfalt des altstädtischen Straßenbil-
des stützt. Nr. 49 und 50 stellen Umbauten äl-
terer Fachwerk-Giebelhäuser dar, wie sie vor
allem in der ersten Hälfte des 19. Jh. in der
Stadt zahlreich vorgenommen wurden, um
den Häusern ein moderneres Gesicht zu ge-
ben und sie für die gestiegenen Wohnansprü-
che herrichten zu können. Zu diesem Zweck
wurden die Giebelvorkragungen beseitigt (Nr.
49), die Giebel abgewalmt und Fachwerkgie-
bel z.T. massiv ersetzt (Nr. 50, umgebaut
1861). In der Zeit gelegentlicher Wiederbele-
bung des Alt-Osnabrücker Fachwerkgiebels
zu Beginn des 20. Jh. wurde 1916 dem Haus
Krahnstraße 53 ein neuer Giebel mit reicher
ornamentaler und figürlicher Reliefschnitzerei
vorgesetzt.
HEGER STRASSE
An der Straße, die mit ihrem Verlauf einer der
ältesten Verkehrsadern der Stadt folgt, befan-
den sich in der Nachbarschaft des Marktes
schon früh bedeutende Niederlassungen von
Handel und Gewerbe. Nach der Erbauung der
Befestigung der Altstadt im 12./13. Jh. bildete
das Heger Tor das Ziel der Straße. Durch das
Tor verlief der Hauptteil des in westlicher Rich-
tung gehenden Fernverkehrs. Mit dem Aus-
bau der Befestigungsanlagen in 16. und 17.
Jh. erfuhr es beträchtliche Verstärkungen,
wurde in den westlichen Wallgürtel einbezo-
gen und durch eine vorgelagerte Bastion und
einen Ravelin gesichert. Nachdem 1815/16
die Heger-Tor-Bastion abgebrochen worden
war, erbaute man 1817 an der Stelle des alten
Torgewölbes das Waterloo-Tor, Stiftung eines
wohlhabenden Bürgers zur Erinnerung an die
Tapferkeit des Osnabrücker Landwehrbatail-
lons in der Schlacht bei Waterloo. Mit dem
ganz in Sandsteinquadern ausgeführten
Triumphbogen, einem Werk des Wegeinspek-
tors Johann Christian Sickmann, blieb der
Stadt das einzige Beispiel einer historischen
Torsituation, wenn auch in einer Umwidmung
des Klassizismus, erhalten (vgl. S. 59).
Infolge der überaus lebhaften Umbautätigkeit
der Zeit um 1800 wandelte die bis dahin mittel-
alterlich geprägte Heger Straße ihr Gesicht.
Noch in der zweiten Hälfte des 19. Jh. entstan-
den vereinzelt neue Fassaden, doch blieben
der Straße aufgrund ihrer Lage abseits der
neuen, in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts
sich ausbildenden Geschäftszentren der
Stadt ausgesprochene Geschäftshausbauten
des Jahrhundertausgangs erspart. Der Zweite
Weltkrieg hinterließ an Heger und benachbar-
ter Marienstraße ein noch weitgehend zusam-
menhängendes und relativ intaktes Altstad-
tensemble. Die hier anzutreffende Bebauung
vermag einen Überblick über den Durch-
schnitt der Osnabrücker Bürgerhausarchitek-
tur von der Spätgotik bis zum Spätklassizis-
mus zu geben, wobei allerdings die Um- und
Neubautätigkeit der ersten Hälfte des 19. Jh.
das Erscheinungsbild der Straße in besonde-
rem Maße prägt.

Ein in seiner ursprünglichen Gesamtanlage
charakteristisches Beispiel für das reiche Os-
nabrücker Bürgerhaus spätgotischer Zeit war
das 1575 erbaute steinerne Haus Heger Stra-
ße 15, dem ehemals ein mächtiges, zur Ma-
rienstraße blickendes Steinwerk angebunden
war. Heute ist nach Abbruch des Steinwerks
und Umbau des Hauses (1935) nur noch die
untere Giebelpartie mit ihrer gotisch-spitzbo-
gigen Dieleneinfahrt aus dem ältesten Be-
stand erhalten. Die seitlichen Ausluchten des
Dielengeschosses gehen in ihrer Anlage auf
den Ausbau der Einraumdiele des Hauses im
18. Jh. zurück. Zu den ältesten erhaltenen
Häusern der Straße gehört auch das gegen-
überliegende, um 1600 erbaute Haus Heger
Straße 20, ein zweigeschossiges Fachwerk-
haus, dessen über Taustabknaggen vorkra-
gender Giebel in üblicher Weise seitlich von
breiten verputzten Brandmauern eingefaßt
wird. Die typische Anlage des älteren Osna-
brücker Hauses läßt trotz Umbaus auch noch
Nr. 34 beim HegerTor erkennen. Während die
Giebelvorkragungen hier im Zuge einer Um-
gestaltung des 19. Jh. beseitigt wurden, wo-
durch das Haus ein dem Zeitgeschmack ge-
mäßeres Gesicht erhielt, blieb die zur Bocks-

mauer weisende ungestaltete Brandmauer
und das hier angebundene - stark umgebau-
te - gotische Steinwerk aus dem älteren Be-
stand erhalten.
Die weitaus überwiegende Zahl aller Häuser
bzw. Fassaden der Heger Straße entstammt
der besonders baufreudigen Epoche zwi-
schen ca. 1790 und 1825, in der die Vorkra-
gungen der alten Fachwerkgiebel beseitigt,
Fachwerk massiv ersetzt oder auch vereinzelt
völlige Neubauten errichtet wurden. Zur letz-
ten Kategorie gehört das 1790 erbaute Kauf-
mannshaus Heger Straße 27/28, das reichste
Haus des Klassizismus in der Straße, welches
mit seinen breiten, jeweils siebenachsigen
Fassaden die Ecke zur Großen Gildewart ein-
nimmt. Der geräumige zweigeschossige Bau
wendet der Heger Straße seine Hauptfassade
zu, an welcher sich die Gestaltung auf den in
Sandsteinquadern ausgeführten schmalen
Mittelrisalit mit schönem klassizistischen Por-
tal und abschließendem Dreiecksgiebel kon-
zentriert. Sonst ist der Bau verputzt und
schlicht durch Sandsteingesimse, Einfassun-
gen und Eckquaderungen gegliedert. An die
Fassade der Großen Gildewart schließt sich
ein kurzer Bauteil mit dem Torbogen der Bei-

Heger Straße vom Heger Tor nach Osten


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