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Kämmerer, Christian [Editor]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 32): Stadt Osnabrück — Braunschweig, 1988

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https://doi.org/10.11588/diglit.44440#0081
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1816 erbaut bzw. weitgehend umgebaut und
ist ein typisches zweigeschossiges Fünfach-
senhaus der giebelständigen Form des Klas-
sizismus. Mit Sandstein-Ecklisenen, schönem
Portal mit profilierter Laibung und darüber an-
geordnetem Sandsteinrelief hebt sich die Fas-
sade vom Durchschnitt des gleichzeitig Ge-
bauten ab.
In der Marienstraße befand sich schon in älte-
rer Zeit ein Pfarrhaus zu St. Marien. 1889 wur-
de auf dem relativ geräumigen Grundstück et-
wa in der Mitte des Straßenzugs das heutige
Pfarrhaus als Wohnhaus für drei Prediger
durch den Architekten Schultze erbaut, der
zuvor auch die durchgreifende Renovierung
der Marienkirche selbst ausgeführt hatte (Nr.
13/14). Nicht zur älteren Bebauung der Ma-
rienstraße gehört Nr. 18, ein Haus, das erst
1975/76 aus Bramsche an seinen gegenwärti-
gen Standort versetzt wurde. Das Ackerbür-
gerhaus des 17./18. Jh. bleibt mit seiner Ei-
genart in einer Straße der Osnabrücker Alt-
stadt ein Fremdkörper.
DIELINGERSTRASSE
Die weiter südlich, etwa parallel zu Marien-
und Heger Straße verlaufende Dielingerstra-
ße besitzt heute, nach ihrer radikalen Verbrei-
terung für den Autoverkehr, auf den ersten
Blick keinen Hinweis mehr darauf, daß sie
einst zu den bedeutenderen Straßen der Alt-
stadt gehörte. Im Hof des Grundstücks Nr. 13
blieb jedoch eines der ältesten, noch vorgoti-
schen Steinwerke der Stadt erhalten. Seine
an der westlichen Traufseite gelegenen Ein-
gänge weisen zur Rolandsmauer, wo auch
das ihm ehemals zugehörige Anwesen ver-
mutet werden kann. Der wohl in der ersten
Hälfte des 13. Jh. errichtete Bruchsteinbau,
dessen Mauern bis zu 2,40 m dick sind, wurde
über einem dem Quadrat sich nähernden
Grundriß erbaut und umfaßt neben einem
flachgedeckten Keller- und Erdgeschoß ein
hochelliptisch gewölbtes Dachgeschoß, das
sehr hoch bis dicht unter das Satteldach des
Gebäudes aufragt. In der beträchtlichen Mau-
erstärke seiner Westwand liegt die zwischen
Erd- und Dachgeschoß vermittelnde Treppen-
anlage. Am Südgiebel blieb noch eines der al-
ten gekuppelten Kleeblattbogenfenster mit
eingestelltem Säulchen erhalten, in den Gie-
belfeldern kleine Öffnungen in der Form von
Vier- bzw. Sechspässen. Die übrigen Fenster
sind spätere Einbauten.
Von der älteren Bebauung der Straße hat sich
darüberhinaus nichts erhalten. Ein Beispiel für
die Wiederbelebung des Osnabrücker Fach-
werk-Giebelhauses zu Anfang des 20. Jh. ist
das Wohn- und Geschäftshaus Dielingerstra-
ße 43,1913 durch Fritz Ossenbühl erbaut, mit
reichem, im Sinne der zweiten Hälfte des 16.
Jh. gestalteten Fachwerkgiebel.
GROSSE UND KLEINE GILDEWART
Die Große Gildewart folgte mit ihrer Straßen-
führung vermutlich einem sehr alten Wege-
verlauf, auf welchem in der Frühzeit der Dom-
burg der von Westen heranführende Fernver-
kehr westlich des Bischofshofes zum Hase-
übergang geleitet wurde. Wohl schon vor der
Ausbildung der Butenburg befanden sich an
der Straße eine Anzahl alter Höfe des städti-

schen Patriziats. Dem Ziel, von diesen Höfen
aus Markt und Dombezirk auf einem direkten
Wege zu erreichen, verdankte wahrscheinlich
die Kleine Gildewart ihre Entstehung, ihr zwei-
mal geknickter Verlauf führt zu dem ehemals
an der Westseite des Marktes befindlichen
Tor der Domburg. Große und Kleine Gildewart
wurden im Zweiten Weltkrieg weitgehend zer-
stört, erhalten blieben wenige Gebäude, die
sich den Altstadtpartien um Heger und Ma-
rienstraße anschließen. In seiner äußeren Ge-
stalt stark verändert und erneuert ist Große
Gildewart 13, ehemals ein stattliches steiner-
nes Bürgerhaus wohl des 16. Jh. mit angebun-
denem, noch gut erhaltenem gotischen Stein-
werk. Während der Giebel des Hauses heute
nur noch in großen Zügen der ursprünglichen
Gestalt folgt, hat sich im Inneren die typische
Anlage des älteren Osnabrücker Hauses zum
Teil mit Innenausbauten der Zeit um 1800
noch erhalten. An der Rückwand des Dielen-
raums befinden sich in Verbindung mit einer
Treppenanlage des Klassizismus die Zugän-
ge zum Erdgeschoß und Keller des Stein-
werks, welches beträchtliche Abmessungen
besitzt und dessen Keller- und Dachgeschoß
überwölbt sind. Höchst bescheidene, aber für

das ärmere Altstadthaus in Osnabrück cha-
rakteristische Häuser des 16. und 17. Jh., die
gegen die Mitte des 19. Jh. umgebaut wurden,
sind Nr. 15-18 (Nr. 18 umgebaut 1859). Ih-
nen wurde jeweils durch Entfernen der alten
Giebelvorkragungen und Abwalmung des
Giebels ein im Sinn der Zeit moderneres Aus-
sehen gegeben. Zu den reicher gestalteten
Bürgerhäusern des Klassizismus gehört Nr.
21, ein traufenständiger Bau von fünf Achsen
und drei Geschossen, dessen verputzte, mit
Sandsteingliederungen und -einfassungen
gestaltete Fassade gegen 1820 entstand. Der
gedrängt wirkende Fassadenaufbau, der von
einem Gebälk abgeschlossen wird, erfährt,
wie bei Häusern der Zeit üblich, in der Mittel-
achse seine Betonung und Steigerung. Hier
weist das sehr breite, schön ornamentierte
Portal noch zurück auf das Dielentor und da-
mit die räumliche Organisation des älteren
Osnabrücker Hauses.
In der Kleinen Gildewart blieb vom alten Be-
stand lediglich das im Inneren erneuerte Haus
Kleine Gildewart 11 von 1616, ein für das klei-
nere Osnabrücker Haus der Zeit charakteristi-
scher eingeschossiger Bau, dessen von ver-
putzten Brandmauern eingefaßter Fachwerk-

Dielingerstraße 13A, Steinwerk, 13. Jh.


Große Gildewart 21, um 1820


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