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Kämmerer, Christian [Editor]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 32): Stadt Osnabrück — Braunschweig, 1988

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https://doi.org/10.11588/diglit.44440#0111
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Sandstein vorgeblendet sind. Die meisten von
ihnen sind Unternehmerbauten, an deren Er-
richtung der Maurermeister B. Wolff einen be-
sonders großen Anteil hatte.
Zur frühesten Bebauung gehört die Häuser-
zeile Bramscher Straße 6-16, eine Reihe von
sechs in den Jahren 1860/61 erbauten trau-
fenständigen Wohnhäusern, deren Sand-
steinfassaden sich durch eine individuelle
Gestaltung von der weiter nördlich anschlie-
ßenden, etwas späteren Bebauung abheben,
die nach einheitlichem spätklassizistischem
Muster gebildet ist. Durch eine im Rundbo-
genstil gestaltete Fassade fällt Nr. 14 auf
(1861, Maurermeister Bäumker). Gutgeglie-
derte Häuser des Spätklassizismus sind Nr.
10 (zu dem ehemals als rechte Haushälfte Nr.
8 gehörte) und - stattlicher - Nr. 16, beide
durch Wolff erbaut, der auch das schlichte
Haus Nr. 12 entwarf, das 1912 um einen
Zwerchgiebel bereichert wurde. Nr. 6 und 8
sind heute aufgestockt und überformt, die ur-
sprünglichen Fassaden jedoch in der Sub-
stanz erhalten.
Nördlich der Wittkopstraße schließt sich die
einheitlich wirkende Häuserzeile Bramscher
Straße Nr. 22-34 an, die in den Jahren
1865-69 entstand, zweigeschossige Trau-
fenhäuser von jeweils vier Achsen mit spät-
klassizistischen Putz- bzw. Werksteinfassa-
den und breiten Vorgärten. Die sechs Häuser
wurden jeweils paarweise durch verschiede-
ne Baumeister errichtet, wobei die gute Quali-
tät der durchschnittlichen Maurermeister-
Architektur der Zeit auffällt.
Etwas später folgte die Bebauung der westli-
chen Straßenseite. Erhalten blieb hier Nr. 19,
1869 durch Wolff erbaut, ein Haus, das mit
seiner nach spätklassizistischem Schema ge-
stalteten Fassade den gutbürgerlichen Stra-
ßencharakter bekräftigt. Vorzügliche Leistun-
gen des Osnabrücker Spätklassizismus sind
auch weiter nördlich die drei Wohnhäuser Nr.
27-31, die in den Jahren 1870/71 der Bau-
unternehmer Roop durch den Architekten H.
Dreyer erbauen ließ, zweigeschossige und
durch Bauwiche getrennte Bauten der geho-
benen Kategorie mit sorgfältig in Sandstein-
quadern vorgeblendeten Fassaden.
Weiter nördlich nach der Abzweigung der
Süntelstraße weist die Bebauung einen eher
kleinbürgerlich-bescheidenen Charakter auf.
Nr. 44 und 46 (erbaut 1868 bzw. 1866) setzen
zwar die Zeile der zweigeschossigen Traufen-
häuser auf der östlichen Straßenseite fort,
sind jedoch bereits anspruchsloser gestaltete
Putzbauten. Häufiger ist hier, im stadtferneren
Bereich der Vorstadt, das schlichte giebel-
ständige Haus für geringere Wohnansprüche
(z.B. Süntelstraße 49, erbaut 1865). Größere,
meist mehrere Kleinwohnungen enthaltende
Giebelhäuser der Art, wie sie gegen Ende des
Jahrhunderts in den bescheideneren Wohnla-
gen allenthalben vor der Stadt entstanden und
die an der Schwelle des Übergangs zum
Mietshaus stehen, sind Lindenstraße 19, 21
und Süntelstraße 39, gleichgestaltete zweige-
schossige Ziegelbauten mit Ziegelgliederun-
gen (erbaut 1892/93, Maurermeister Heme-
sath). Aus dem Schema der gebräuchlichen
Haustypen heraus fällt das Eckhaus Süntel-
straße 41, ein geschickt in die Straßenecke

eingefügtes Haus mit noch spätklassizistisch
geprägter Putz- und Stuckfassade (erbaut
1891).

ZIEGELSTRASSE
Die ursprünglich vom Hasetor ausgehende
Straße wurde bei der Anlage der Bahn in ih-
rem stadtnahen Abschnitt etwas nach Norden
verlegt und in die Bramscher Straße einge-
führt. Sie war ehemals von alten Bürgergärten
gesäumt (vgl. S. 106f.). Aufgrund ihrer land-
schaftlich schönen Lage auf dem Südhang
des Gertrudenberges entwickelte sie sich in
der zweiten Hälfte des 19. Jh. zu einer vorwie-
gend mit Villen und gutbürgerlichen Wohn-
häusern locker bebauten Straße. Auf den rela-
tiv großen ansteigenden Gartengrundstücken
der nördlichen Straßenseite entstanden
schon seit den fünfziger Jahren die ersten Vil-
len. Zu ihnen gehört Nr. 8 (erbaut 1864, Mau-
rermeister Wolff), eine zweigeschossige Kauf-
mannsvilla, deren vornehme klassizistische
Fassade durch Einfassungen und Gesimse in
Sandstein einfach gegliedert ist. Ein grund-
sätzlich gleiches klassizistisches Aufrißsche-
ma zeigt die Villa Ziegelstraße 2 (erbaut um

Lindenstraße 19,21,1892,
Maurermeister R. Hemesath


Ziegelstraße 8,1864, Maurermeister B. Wolff


1867). Der sehr hohe zweigeschossige Bau
besitzt eine Straßenfassade von vier Achsen,
deren zwei mittlere in einem Risalit zusam-
mengefaßt und von einem Dreiecksgiebel be-
krönt sind. Nicht dem klassizistischen Muster
folgt das Wohnhaus des Baurats Söhlke am
Ostende der Ziegelstraße (Nr. 21, 1868). Das
große Eckhaus, ein unverputzter Bruchstein-
bau mit Sandsteineinfassungen, weist in den
Giebelfeldern seiner Risalite gotisierende Ge-
staltungselemente auf. Die lebendige Material-
wirkung des unverputzten Bruchsteinmauer-
werks, das bewußt als gestalterisches Mittel
eingesetzt wird, prägt ganz ähnlich auch das
spätklassizistische Nachbarhaus Ziegelstra-
ße 22(1872).
Qualitativ herausragend aus der jüngeren Be-
bauung der Ziegelstraße ist die Dreihäuser-
gruppe Nr. 11 -13, die 1922 durch das nahe-
gelegene Osnabrücker Kupfer- und Draht-
werk für die Direktoren des Werks erbaut
wurde. Der Architekt Gürtler wandte für die in
traditionsgebundenen Formen errichtete Bau-
gruppe die gleichen Gestaltungsprinzipien an,
die auch seine für das Werk an der Liebig- und
Krelingstraße errichteten Reihenhauszeilen
kennzeichnet (vgl. S. 138). Trotz der Zusam-

Süntelstraße 41,1891


Ziegelstraße 2, um 1867


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