ordnet und mit Vorgärten versehen sind. Die je
nach ihrem Umfang mit leichten Abweichun-
gen gestalteten Häuser sind von größter Ein-
fachheit und Schmucklosigkeit, ihre glatten
Fassaden lediglich belebt durch leicht zurück-
gezogene Betoneinfassungen der Fenster.
Mit ihrer künstlerischen, von den Vorstellun-
gen des Neuen Bauens beeinflußten Haltung
stehen sie in deutlichem Gegensatz zur
gleichzeitig entstandenen, noch ganz in tradi-
tionellen Architekturformen entworfenen
Westerberg-Siedlung des Heimstätten-Ver-
eins und anderer Osnabrücker Siedlungen
der zwanziger Jahre.
STADTERWEITERUNGSGEBIET
ZWISCHEN LOTTER STRASSE UND
MARTINISTRASSE
Im 18. Jh. befand sich westlich des Stadtgra-
bens vor dem Heger Tor ein ausgedehntes,
zur Martinianer Leischaft gehörendes vor-
städtisches Gartengebiet, das sich entlang
der Lotter Straße weit nach Westen bis über
den Blumenhaller Weg (heute Am Kirchen-
kamp) hinauszog. Seine südliche, zur Wüste
weisende Grenze zeichnet sich im heutigen
Stadtgrundriß noch durch den Verlauf der Au-
gustenburger Straße ab, weiter südöstlich
setzten sich die Gärten bis vor das Martinitor
fort. Das Gartengebiet durchquerte, vom He-
ger Tor ausgehend, ein alter Fahrweg, der
nach Süden zur Wüste und zum ehemaligen
Mühlenanwesen Moskau führte. Er ist mit dem
leicht gekrümmten Verlauf der heutigen Arndt-
straße überliefert, die aus dem sonst geradlini-
gen Straßensystem der Vorstadt herausfällt.
Unter der Überbauung des 19. und 20. Jh. ist
die ältere Struktur des Gebiets weitgehend zu-
grundegegangen, wenn auch das Gartenland
selbst innerhalb der geräumigen Baublöcke
des heutigen Stadtgebiets in Gestalt der
Hausgärten erhalten blieb. Ein letztes authen-
tisches Zeugnis der Gartenregion ist ein alter
Gartenweg, der, dem Verlauf des ehemaligen
Stadtgrabens folgend, westlich des Heger
Torhauses von der Lotter Straße abgeht und
durch Gartengrundstücke zur Alten Synago-
genstraße führt, ein Fußweg, der streckenwei-
se von alten Bruchsteinmauern und Gartento-
ren mit Sandsteinpfeilern aus der Zeit um
1800 begleitet wird. Am Wege befindet sich
noch ein schlichtes Gartenhaus aus dem An-
fang des 19. Jh. (zu Arndtstraße 46).
Arndtstraße 11 -5 mit Wohnhaus Katharinenstraße 26 (links), 1871 -75
1869 wurde für das Gartengebiet ein erster
Bebauungsplan aufgestellt. In Zusammen-
hang mit den Bebauungsplänen, die in den
Jahren um 1870 für den gesamten Bereich der
westlichen Stadterweiterungen zwischen
Westerberg und Wüste ausgearbeitet wur-
den, entstand auf den alten Gärten zwischen
Lotter Straße im Norden, Am Kirchenkamp im
Westen und der vor dem Martinitor neu ange-
legten Martinistraße ein Straßennetz mit nach
Möglichkeit regelmäßigen Baublöcken, wobei
die Straßenführung zu einem großen Teil den
Erschließungswegen und den Konturen des
Gartengebietes folgte. Hauptachse des Vier-
tels ist die Katharinenstraße, die zugleich mit
ihrem geraden, auf den Turm der Katharinen-
kirche zugeführten Verlauf eine städtebauli-
che Anbindung an die Innenstadt herstellte.
Im Zentrum des Straßensystems entstand im
spitzen, kaum zu bebauenden Winkel zwi-
schen Katharinen- und Augustenburger Stra-
ße der Augustenburger Platz (heute Gustav-
Heinemann-Platz), dessen langgezogenes
Dreieck mit Baumpflanzungen versehen wur-
de. Deutlich scheidet sich das Viertel in einen
nördlichen, zum Westerberg gewandten Teil,
in dem die geräumigen Parzellen der alten
Bürgergärten überwiegen, und einen südli-
chen, in die Wüste übergehenden Abschnitt
mit schematischer Parzellierung in schmalen
Streifen, wie sie für die Bebauung der Wüste
charakteristisch ist.
Die Bebauung begann 1869 und war bis zum
Ersten Weltkrieg weitgehend abgeschlossen.
In diesen Jahrzehnten lag ein Hauptgewicht
der Osnabrücker Bautätigkeit auf dem gutbür-
gerlichen Stadtbereich vor dem Heger und
Martinitor, der nach nur geringen Zerstörun-
gen im Luftkrieg heute das größte noch intakte
planmäßige Erweiterungsgebiet der Stadt aus
dem letzten Drittel des 19. Jh. darstellt. In ihm
sind die typischen und gebräuchlichsten
Hausformen dieser für die Stadtentwicklung
bedeutsamen Phase in einer sonst nicht vor-
handenen Geschlossenheit vertreten. Vom
Wohnhaus für eine Familie bis zum mehrge-
schossigen Mietshaus und in einer sozialen
Spannweite vom bescheidenen Arbeiter- und
Handwerkerhaus bis zur herrschaftlichen Villa
findet sich hier die Breite des Osnabrücker
Wohnhausbaus der Jahrzehnte zwischen
1870 und 1910/20 in enger zeitlicher und
räumlicher Abfolge.
Die lebhafte Bautätigkeit der siebziger Jahre
konzentrierte sich an der Arndtstraße zwi-
schen Lotter Straße und Arndtplatz, an der
östlichen Katharinenstraße zwischen Heger-
Tor-Wall und Herderstraße und vor dem ehe-
maligen Martinitor; vereinzelte Häuser ent-
standen aber bereits auch weiter stadtaus-
wärts an Herder-, Adolf- und Maschstraße.
ARNDTSTRASSE ZWISCHEN
LOTTER SRASSE UND ARNDTPLATZ
An dem alten Fahrweg, aus dem die Straße
hervorging, entstand bereits vor der Aufstel-
lung eines Bebauungsplans 1868 das erste
Haus. Für den Straßencharakter bestimmend
wurde die Bebauung der siebziger Jahre, in
denen die Gruppen und Reihen gleichartiger
zweigeschossiger Traufenhäuser des Spät-
klassizismus entstanden, die, voneinander
124
nach ihrem Umfang mit leichten Abweichun-
gen gestalteten Häuser sind von größter Ein-
fachheit und Schmucklosigkeit, ihre glatten
Fassaden lediglich belebt durch leicht zurück-
gezogene Betoneinfassungen der Fenster.
Mit ihrer künstlerischen, von den Vorstellun-
gen des Neuen Bauens beeinflußten Haltung
stehen sie in deutlichem Gegensatz zur
gleichzeitig entstandenen, noch ganz in tradi-
tionellen Architekturformen entworfenen
Westerberg-Siedlung des Heimstätten-Ver-
eins und anderer Osnabrücker Siedlungen
der zwanziger Jahre.
STADTERWEITERUNGSGEBIET
ZWISCHEN LOTTER STRASSE UND
MARTINISTRASSE
Im 18. Jh. befand sich westlich des Stadtgra-
bens vor dem Heger Tor ein ausgedehntes,
zur Martinianer Leischaft gehörendes vor-
städtisches Gartengebiet, das sich entlang
der Lotter Straße weit nach Westen bis über
den Blumenhaller Weg (heute Am Kirchen-
kamp) hinauszog. Seine südliche, zur Wüste
weisende Grenze zeichnet sich im heutigen
Stadtgrundriß noch durch den Verlauf der Au-
gustenburger Straße ab, weiter südöstlich
setzten sich die Gärten bis vor das Martinitor
fort. Das Gartengebiet durchquerte, vom He-
ger Tor ausgehend, ein alter Fahrweg, der
nach Süden zur Wüste und zum ehemaligen
Mühlenanwesen Moskau führte. Er ist mit dem
leicht gekrümmten Verlauf der heutigen Arndt-
straße überliefert, die aus dem sonst geradlini-
gen Straßensystem der Vorstadt herausfällt.
Unter der Überbauung des 19. und 20. Jh. ist
die ältere Struktur des Gebiets weitgehend zu-
grundegegangen, wenn auch das Gartenland
selbst innerhalb der geräumigen Baublöcke
des heutigen Stadtgebiets in Gestalt der
Hausgärten erhalten blieb. Ein letztes authen-
tisches Zeugnis der Gartenregion ist ein alter
Gartenweg, der, dem Verlauf des ehemaligen
Stadtgrabens folgend, westlich des Heger
Torhauses von der Lotter Straße abgeht und
durch Gartengrundstücke zur Alten Synago-
genstraße führt, ein Fußweg, der streckenwei-
se von alten Bruchsteinmauern und Gartento-
ren mit Sandsteinpfeilern aus der Zeit um
1800 begleitet wird. Am Wege befindet sich
noch ein schlichtes Gartenhaus aus dem An-
fang des 19. Jh. (zu Arndtstraße 46).
Arndtstraße 11 -5 mit Wohnhaus Katharinenstraße 26 (links), 1871 -75
1869 wurde für das Gartengebiet ein erster
Bebauungsplan aufgestellt. In Zusammen-
hang mit den Bebauungsplänen, die in den
Jahren um 1870 für den gesamten Bereich der
westlichen Stadterweiterungen zwischen
Westerberg und Wüste ausgearbeitet wur-
den, entstand auf den alten Gärten zwischen
Lotter Straße im Norden, Am Kirchenkamp im
Westen und der vor dem Martinitor neu ange-
legten Martinistraße ein Straßennetz mit nach
Möglichkeit regelmäßigen Baublöcken, wobei
die Straßenführung zu einem großen Teil den
Erschließungswegen und den Konturen des
Gartengebietes folgte. Hauptachse des Vier-
tels ist die Katharinenstraße, die zugleich mit
ihrem geraden, auf den Turm der Katharinen-
kirche zugeführten Verlauf eine städtebauli-
che Anbindung an die Innenstadt herstellte.
Im Zentrum des Straßensystems entstand im
spitzen, kaum zu bebauenden Winkel zwi-
schen Katharinen- und Augustenburger Stra-
ße der Augustenburger Platz (heute Gustav-
Heinemann-Platz), dessen langgezogenes
Dreieck mit Baumpflanzungen versehen wur-
de. Deutlich scheidet sich das Viertel in einen
nördlichen, zum Westerberg gewandten Teil,
in dem die geräumigen Parzellen der alten
Bürgergärten überwiegen, und einen südli-
chen, in die Wüste übergehenden Abschnitt
mit schematischer Parzellierung in schmalen
Streifen, wie sie für die Bebauung der Wüste
charakteristisch ist.
Die Bebauung begann 1869 und war bis zum
Ersten Weltkrieg weitgehend abgeschlossen.
In diesen Jahrzehnten lag ein Hauptgewicht
der Osnabrücker Bautätigkeit auf dem gutbür-
gerlichen Stadtbereich vor dem Heger und
Martinitor, der nach nur geringen Zerstörun-
gen im Luftkrieg heute das größte noch intakte
planmäßige Erweiterungsgebiet der Stadt aus
dem letzten Drittel des 19. Jh. darstellt. In ihm
sind die typischen und gebräuchlichsten
Hausformen dieser für die Stadtentwicklung
bedeutsamen Phase in einer sonst nicht vor-
handenen Geschlossenheit vertreten. Vom
Wohnhaus für eine Familie bis zum mehrge-
schossigen Mietshaus und in einer sozialen
Spannweite vom bescheidenen Arbeiter- und
Handwerkerhaus bis zur herrschaftlichen Villa
findet sich hier die Breite des Osnabrücker
Wohnhausbaus der Jahrzehnte zwischen
1870 und 1910/20 in enger zeitlicher und
räumlicher Abfolge.
Die lebhafte Bautätigkeit der siebziger Jahre
konzentrierte sich an der Arndtstraße zwi-
schen Lotter Straße und Arndtplatz, an der
östlichen Katharinenstraße zwischen Heger-
Tor-Wall und Herderstraße und vor dem ehe-
maligen Martinitor; vereinzelte Häuser ent-
standen aber bereits auch weiter stadtaus-
wärts an Herder-, Adolf- und Maschstraße.
ARNDTSTRASSE ZWISCHEN
LOTTER SRASSE UND ARNDTPLATZ
An dem alten Fahrweg, aus dem die Straße
hervorging, entstand bereits vor der Aufstel-
lung eines Bebauungsplans 1868 das erste
Haus. Für den Straßencharakter bestimmend
wurde die Bebauung der siebziger Jahre, in
denen die Gruppen und Reihen gleichartiger
zweigeschossiger Traufenhäuser des Spät-
klassizismus entstanden, die, voneinander
124



