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Von besonderem baugeschichtlichem und
städtebaulichem Reiz ist die Einmündung
der Langen Geismar und Kurzen Straße in
die Groner Straße mit den Häusern Groner
Straße 35 aus dem späten 16. Jh., Lange
Geismar Straße 42 aus dem späten 18. Jh.,
Lange Geismar Straße 41 aus dem mittleren
17. Jh. und Weender Straße 2 aus dem 3.
Viertel des 19. Jh.: Hier greifen im alten
Wegesystem und der in vier Jahrhunderten
gewachsenen, qualitätvollen Bebauung in
sehr komplexer Weise unterschiedliche
Geschichtsebenen ineinander und führen
zu erlebbarer Verdichtung der historischen
Entwicklung und Situation der Stadt.
„JOHANNISVIERTEL”
Die historische Hauptachse der Marktsied-
lung, die vom Markt zum Leineübergang
führte, setzt sich aus der heutigen Johannis-
straße und dem Papendiek zusammen. Im
östlichen Teil ist diese Achse durch unmaß-
stäbliche Bebauung aus dem 20. Jh. weitge-
hend gestört. Dagegen haben sich im westli-
chen Abschnitt das Parzellenmuster und die
historische Straßenführung mit geringer
Wegbreite hinter dem Groner Tor (Papen-

Johanniskirchhof 2, 3


Johanniskirche von Osten


diek) und folgender platzartiger Erweiterung
an der Abzweigung der „platea Johannis”
vom „poppendyk” (der Verbindung zum
Dominikanerkloster) gut erhalten.
Johanniskirche und Johanniskirchhof
Die Johannisstraße erhielt ihren Namen
nach der größten Göttinger Kirche, der
Johanniskirche, die um etwa 1235 auf der
Nordseite hinter dem Rathaus als geistlicher
Mittelpunkt der expandierenden Marktsied-
lung entstand.
Der heutige Bau wurde eventuell um 1290 im
Westen und etwa 1300 am Chor begonnen.
Wohl 1350 waren der Westbau und zu
Beginn des15. Jh. Einwölbung und das Turm-
paar vollendet. Die Turmhelme, im Süden
eine Glocke mit Laterne, im Norden eine
gestufte Pyramide mit Aufschiebling, ent-
standen erst in der Barockzeit. Vom Vorgän-
gerbau haben sich das rundbogige, spätro-
manische Nordportal und möglicherweise
die Säulen des Westportals erhalten.
Die heutige Choreinwölbung entstand
1895 - 97 nach Plan von C. W. Hase. Von ihm
stammt das freistehende Pfeilerpaar am
Chorhaupt.


In den meisten Teilen handelt es sich um
einen Sandsteinquaderbau; lediglich an der
Chornordwand - an der Stelle der ehemals
vorhandenen Sakristei - und am massigen,
ungegliederten, ein Joch tiefen Westbau
wurden Kalksteinbossenquadern verwandt.
Es ist eine dreischiffige Halle mit vier fast
quadratischen Mittelschiffjochen und einem
einschiffigen, zwei Joche langen Chor mit
polygonalem Schluß. Die Kreuzrippenge-
wölbe fußen auf achtseitigen Pfeilern bzw.
birnstabförmigen Diensten. Die drei- und
vierbahnigen Fenster haben aus Vier- und
Dreipässen und Fischblasen gebildetes
Maßwerk. Die achtseitigen, zweigeschossi-
gen Türme wachsen aus giebelähnlichen Bil-
dungen der Fassade auf.
Die Bekrönung des Westportais, die Ausbil-
dung als Halle und der aufgrund der fast qua-
dratischen Mittelschiffjoche weite Raumein-
druck geben Hinweise auf Anregungen
durch westfälische Kirchenbauten.

Das zur Kirche gehörende Pfarrhaus aus
dem 18. Jh. und ein Fachwerkbau, der zu
einer Gruppe von Häusern aus derselben


Paulinerstraße (1), 2 ff


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