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Gebäudegruppe. An diesen Bauten fällt das
zu dieser Zeit ungewöhnliche Material auf:
Normalerweise benutzte man für öffentliche
Gebäude wie am schräg gegenüberliegen-
den Pflanzenphysiologischen Institut (Niko-
lausberger Weg 18,erbaut 1878/79, Archi-
tekt: Kortüm) Werkstein (Tuff- und Sand-
stein); die renaissancistischen/spätklassizi-
stischen Stileinflüsse waren allerdings allge-
mein.
Die östlich anschließenden Grundstücke am
Nikolausberger Weg bis einschließlich
Ostecke Waldweg (Nikolausberger Weg 49,
erbaut um 1890) und Hanssenstraße wurden
Ende der siebzigerJahre parzelliert und mit
wenigen Ausnahmen (Nr. 27/29 und 38/40,
beide von 1903/04) von 1880 bis 1895
bebaut, so daß um die Jahrhundertwende
eine einheitlich durchlaufende Wohnstraße
mit differenzierten Mietwohnhäusern und
einigen Einfamilienhäusern mit Vorgärten
und Einfriedungen vorhanden war, in die
sich auch der weite Bezirk des Botanischen
Gartens mit seiner Einfriedung und der Sil-
houette des Walles einpaßte. Bereits 1912
ergab sich durch den neuen Putzbau des
Seminargebäudes Nikolausberger Weg 15

eine Dominante, die den Straßencharakter
in gewisser Weise modizifierte.
In den letzten Jahren verursachte die Stra-
ßen- und Parkplatzplanung am unteren Niko-
lausberger Weg eine Zäsur, die den westli-
chen Abschnitt deutlich abtrennt. Zum
einen folgte daraus die isolierte Lage des vil-
lenähnlichen Hauses Nr. 17 (heute mit Nut-
zung durch die Universität), eines Natur-
steinbaus spätklassizistisch/renaissancisti-
schen Stils aus den achtziger Jahren. Zum
anderen erhielten die beiden Eckhäuser
Goßlerstraße 2 und Wilhelm-Weber-Straße 1
(1 '/2-geschossig, Klinker bzw. Fachwerk,
erbaut ca. 1874) zusätzlich zu ihrem archi-
tektonischen Reiz einen städtebaulichen
Wert als Eingangsbauten in den folgenden
Teil des Nikolausberger Weges, der erst
nach ihrer Erbauungszeit angelegt wurde
(s. o.).
Dieser Bereich ist partiell intakt erhalten.
Das Gros der Bauten wurde bis auf wenige
verputze Ausnahmen (z. B. Nr. 24, 25) in Klin-
ker mit Naturstein ausgeführt. Mehrheitlich
sind hier traufständige Häuser mit Sattel-
dach und giebelständigem Seiten- oder Mit-

telrisalit gebaut worden (z. B. Nikolausber-
ger Weg 39, erbaut 1888), es gibt aber auch
geschlossenere Formen mit Walmdach (z. B.
Nr. 21, 23, erbaut 1889/90; Nr. 32, ebenfalls
erbaut um 1890, Architekt: Freise); fast alle
haben auf der Süd- oder Ostseite altanähn-
liche Freisitze und Veranden. Zwischen die-
sen Mietwohnhäusern fallen durch die Wahl
des Materials (Tuff- und Sandstein) und
besonders anspruchsvolle Architektur die
Villa Nr. 20 (erbaut ca. 1880) und das opu-
lente Zweifamilienhaus Nr. 22/24 (erbaut
1895, Bauherr: Otto Damsch, heute Hölty-
Schule) auf, letzteres vom Architekten Wil-
helm Rathkamp, der ebenfalls das gegenü-
berliegende „Landhaus Oertel” (heute Ver-
bindungshaus Nr. 25, 1896) und vermutlich
auch das benachbarte Doppelhaus Nr.
27/29 um 1903 entwarf. Der gleiche Archi-
tekt baute das Haus für das Corp „Hercynia”
(Nr. 38/40) im „Burgenstil” (vgl. die Verbin-
dungshäuser an der Bürgerstraße).
Der östliche Teil des Nikolausberger Weges
hat eine Bebauung mitz. T. anspruchsvollen,
mehrgeschossigen Mietwohnhäusern, die
bis zum Ersten Weltkrieg fertiggestellt

Nikolausberger Weg 22,
Architekt Rathkamp, 1895


Nikolausberger Weg 22, Gartenseite


Nikolausberger Weg 22, Gartenhaus an der
Wilhelm-Weber-Straße


Nikolausberger Weg 25,
Architekt Rathkamp, 1896



Nikolausberger Weg 23, 25 ff


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