Universitätsbibliothek HeidelbergUniversitätsbibliothek Heidelberg
Overview
Facsimile
0.5
1 cm
facsimile
Scroll
OCR fulltext
Die von Westen nach Osten verlaufende, mehr-
fach geschwungene Lange Straße/Bovender
Straße und die nach Norden hin abzweigende
Mittelstraße begünstigten die Entwicklung
Lenglerns. Schon die Kurhannoversche Lan-
desaufnahme von 1784 zeigt die sich verdich-
tende Bebauung zu beiden Seiten der ortsbild-
prägenden Straßen. Westlich der Ortslage ent-
stand um 1740 der unmittelbar an der Harster
Heerstraße liegende Wellbrückenkrug. Grase-
weg und Angerstraße sowie die 1910 eingerich-
tete Bahnlinie Göttingen-Bodenfelde bilden
den nördlichen Ortsrand, an die sich am Har-
ster Berg und in der Lieth großflächige Ortser-
weiterungen anschließen. Auch der Ausbau der
Angerstraße und die Errichtung von 24 Neben-
erwerbssiedlungen führten zu einschneiden-
den Veränderungen Lenglerns.
Die Entwicklung des Ortes läßt sich auch an-
hand der steigenden Einwohnerzahlen able-
sen: im Jahre 1655 betrug sie ca. 255, verdop-
pelte sich fast bis zum Jahre 1780, um 1885
auf 657 und 1960 auf 1250 Einwohner anzustei-
gen.
Während an der Südseite der Lange Straße
kleine Hofstellen auf schmalen Streifenparzel-
len in lockerer Struktur angeordnet sind, be-
stimmen zwischen Mittelstraße und Tränke-
gasse Hofanlagen auf zumeist großzügig be-
messenen Parzellen das Ortsbild.
Parallel zur Lange Straße verläuft der Tränke-
Bach, der östlich der Hölderlinstraße seine
Quelle hat. Seit er 1967 innerhalb des Ortskerns
verrohrt wurde, büßte er seine einstige ortsbild-
prägende Bedeutung ein.
Die Architektur Lenglerns besteht aus zweige-
schossigen stockwerkweise abgezimmerten
Fachwerkbauten, die zumeist noch aus dem
Ende des 18. Jh. stammen. Zwischen Hotten-
ser Straße und Duderstädter Weg (Nr. 2) hat
sich ein stattliches Wohnwirtschaftsgebäude
erhalten, dessen mächtig ausladende Vorkra-
gung durch einen Zahnschnittfries betont ist
und wohl der 2. Hälfte des 17. Jh. angehört.
Insbesondere an der Mittelstraße und Lange
Straße prägen noch gut erhaltene, weitgehend
ungestörte Fachwerkbauten bestimmte Stra-
ßenabschnitte. Zu den herausragenden Objek-
ten Lenglerns zählen die Bauten Mittelstraße 2
und 4, die von einem Staketzaun umschlossen
sind. Die markanten Objekte weisen die nur
noch vereinzelt aufzufindenden Tuffsteinausfa-
chungen auf. Der Fachwerkbau Mittelstraße 4
zeigt eine hervorhebenswerte interessante Ge-
fügekonstruktion und dokumentiert gleichsam
den Übergang der älteren Geschoßbauweise
zum jüngeren Stockwerkbau. Der weithin sicht-
bare, auch baugeschichtlich wichtige Fach-
werkbau entstand vermutlich um 1700 und
zählt zu den ältesten Bauten Lenglerns.
Beachtenswert sind die Hofanlagen Lange
Straße 7 und 15 aus der 1. Hälfte des 19. Jh.
bzw. dem letzten Drittel des 18. Jh., Bovender
Straße 4, 4a (Wohnhaus letztes Drittel 19. Jh.)
sowie das streckhofartige Wohnwirtschaftsge-
bäude Tiestraße 17 aus der Mitte des 19. Jh.
Neben dem Dreiseithof Mittelstraße 5, dessen
Hauptgebäude aus dem frühen 19. Jh. stammt,
ist das noch gut erhaltene Wohnwirtschaftsge-
bäude Tiestraße 13 erwähnenwert.

Ev. St. Martinikirche im Unterdorf
Auf dem Areal des 1022 erstmals urkundlich
erwähnten und 1754 abgetragenen Vorgänger-
baues, der wohl als Hofkapelle errichtet wurde,
entstand zwischen 1780 und 1784 die Kirche
St. Martini als schlichter rechteckiger Saalraum
aus Bruchsteinmauerwerk mit Werksteinglie-
derung und giebelreiterartigem Turm. Die von
einer hohen Baumgruppe umgebene flachge-
deckte Saalkirche, die 1957/58 einer gründli-
chen Renovierung unterzogen wurde, birgt im
Inneren einen spätbarocken Kanzelaltar, der in
eine hölzerne Altarwand eingebunden ist und
von H. Ch. Schrader (Göttingen) gefertigt
wurde. Aus dem Ende des 18. Jh. stammt die
von St. Heeren (Gottsbühren) hergestellte Or-
gel.
Oberhalb des Eingangs, auf der Südseite der
Kirche, sind zwei Spolien eingemauert, die of-
fenbar aus der 1168 quellenmäßig belegten und
im 18. Jh. abgetragenen Pfarrkirche St. Lauren-
tius des Oberdorfes stammen.

BOVENDEN-REYERSHAUSEN

Reyershausen liegt im Nordosten des Fleckens
Bovenden unmittelbar an der Grenze zum
Landkreis Northeim, eingebunden zwischen
den Ausläufern des Pleßforstes im Süden und
dem Nörtener Wald im Norden. Der Ortskern
des 1229 erstmals in einer Schriftquelle er-
wähnten „Redinkyshusen” wird im wesentli-
chen geprägt von der mehrfach geschwunge-
nen Billingshäuser Straße und der nach Süden
abzweigenden Kirchstraße. Am Schnittpunkt
der sich platzartig erweiternden Straßen kon-
zentriert sich die Bebauung, wie die Gaußsche
Landesaufnahme von 1829/32, die für Reyers-
hausen 55 Hausstellen nennt, und die Feld-
markkarte von 1867 deutlich aufzeigen. Kartiert
ist die Lage des alten Friedhofs, der einst auf
der annähernd ellipsenförmigen Insel der
Kirchstraße in unmittelbarer Nähe der Kirche
lag.
Um die Jahrhundertwende erfolgte entlang der
Schulstraße eine Erweiterung des Ortes. Von
großer Bedeutung für die Entwicklung Reyers-
hausens war die Gründung des Kalibergwerkes
Königshall-Hindenburg, das 1910 ein zunächst


Lenglern, Mittelstraße 2 und 4


103
 
Annotationen