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kenden Immenstraße sowie der Zehnt- und Alte
Marktstraße, die in ihrer Linienführung und an-
grenzenden Parzellierung weitgehend unver-
ändert in die Gesamtkonzeption eingebunden
wurden, entstand eine Grundrißfigur mit einer
klar gegliederten, radialen Straßenführung mit
nahezu trapezförmigen Baublöcken. Die Ver-
breiterung und Regulierung der Straßen mit ih-
ren maßgebenden „Zukunftsfluchtlinien” ver-
änderten das organisch gewachsene, charak-
teristische Stadtgebilde, das bestimmt war
durch eine vertrakte, abwechslungsreiche
Straßenführung, eingefaßt von kleinteiliger un-
regelmäßiger Parzellierung. Durch die Anlage
neuer Verbindungsstraßen wurde die Zahl der
Baublöcke vermehrt und die Siedlungsfläche
nördlich der Lange Straße aufgeteilt. Aus der
ungleichmäßigen Rasterung der Baublöcke
wurde der exponierte Bereich um die platzbe-
herrschende Martinikirche ausgespart. Wir-
kungsvoll hebt sich die leicht erhöht liegende,
baumbestandene Platzanlage mit der umgren-
zenden Fachwerkbebauung, die überragt wird
von der weithin sichtbaren Martinikirche aus
dem gesamten Stadtgrundriß heraus. Zugleich
wurde der Dransfelder Bach innerhalb des
Stadtgebietes kanalisiert; an ihm entlang zog

sich der Straßenzug der Unteren-, Mittleren-
und Oberen Bachstraße.
Noch klar zeichnen sich die wesentlichen Teile
des mittelalterlichen Stadtumrisses bis auf ver-
unklärende Überformungen im nordöstlichen
Siedlungsbereich ab, besonders gekennzeich-
net durch den Verlauf des Wallgrabens auf der
Westseite.
In den letzten Jahrzehnten wurde der Bereich
zwischen Hoher-Hagen-Straße und Heinrich-
Sohnrey-Straße südöstlich des historischen
Stadtkerns aufgesiedelt und zumeist mit Einfa-
milienhäusern bebaut. Auch westlich des
Stadtkerns kam es zu einer deutlich ablesbaren
Ortsranderweiterung, die insgesamt im Ver-
gleich zur Altsiedelfläche einen weitaus größe-
ren Raum einnahm.
Stadtbildprägend sind die weitgehend ge-
schlossenen traufenständigen Zeilenbebauun-
gen, die die breiten Straßenräume einfassen.
Es handelt sich um schmucklose Fachwerk-
bauten zumeist aus der Zeit um 1850. Die auf
niedrigem Sandsteinsockel gestellten doppel-
geschossigen, stockwerkweise abgezimmer-
ten Bürgerhäuser schließen mit Satteldächern

ab. Ihre äußere Erscheinung ist zumeist durch
nachträgliche Baumaßnahmen (großformatige
Fenstereinbrüche, Störung des Fachwerkgefü-
ges, Ladeneinbauten) und vor allem durch ent-
stellenden Fassadenbehang erheblich beein-
trächtigt. Vereinzelt haben sich neben kaum ge-
gliederten Ziegelbauten auch Fachwerkbauten
aus der Jahrhundertwende (Bahnhofstraße 7,
Lange Straße 4) erhalten, deren Fassaden
durch zeittypisches Zierfachwerk aufgelockert
sind.
Aus dem schlichten Baubestand heben sich
die Objekte Kirchstraße 1, 3, Bachstraße 24/
26, die einstige Synagoge Gerlandstraße 7, der
angrenzende Bau Gerlandstraße 9, die stattli-
chen Wohn- und Geschäftshäuser Lange
Straße 30/32 und Nr. 37, die beiden traufständi-
gen Bauten Lange Straße 41 und 67, der Eck-
bau Nordstraße 10, der am Westende der Jo-
hannes-Jeep-Straße gelegene langgestreckte
Fachwerkbau Nr. 2/4 sowie die im Kern wohl
Mitte des 18. Jh. errichteten Bauten Alte Markt-
straße 29 und Bachstraße 35 heraus.
Der älteste überkommene Fachwerkbau
Dransfelds entstand vermutlich um 1600 an der
Bachstraße 24/26, an dessen Südende im
19. Jh. das Armenhaus lag. Der Oberstock des
stockwerkweise abgezimmerten doppelstök-
kigen Fachwerkbaues kragt straßenseitig über
profilierte Volutenkonsolen vor, die den Bau
auszeichnen. Ebenfalls vor dem letzten großen
Statdbrand wurden die Bürgerhäuser Alte
Marktstraße 29, Zehntstraße 14 und Bach-
straße 35 aus der Mitte des 18. Jh. errichtet.
Prägenden Einfluß auf den Kirchplatz nehmen
die Fachwerkbauten Kirchstraße 1 (ehemalige
Pfarre St. Johannis) und 3 (ehemalige Pfarre
St. Martini). Die über tonnengewölbten Kellern
errichteten, gleichartig gestalteten und streng
symmetrisch aufgebauten Fachwerkbauten
aus der Mitte des 19. Jh. schließen mit hohem
Walmdach ab.
Besondere Bedeutung kommt der ehemaligen
Synagoge Gerlandstraße 7 zu, die neben der
Synagoge in Moringen als einziges Dokument
in Südniedersachsen der Reichskristallnacht
1938 nicht zum Opfer fiel. Der weit von der
Straßenflucht zurückspringende teilverputzte
Fachwerkbau von 1810 wurde 1951 in eine ka-
tholische Kapelle umgewandelt (innen stark
verbaut).
Auf der Höhe des Hohen Hagen, den die Stadt
im frühen 16. Jh. von Hilwartshausen erwarb,
errichtete man 1911 zur Erinnerung an C. F.
Gauß (1777-1855) einen Turm, der 1962 durch
rücksichtslosen Basaltabbau zum Einsturz ge-
bracht wurde. Den Berg nutzte Gauß als Trian-
gulationspunkt bei seinen geodätischen Mes-
sungen des Königreiches Hannover.
Ev. Kirche St. Martini
Das dominierende Bauwerk innerhalb der
Stadtlandschaft stellt der von Konsistorialbau-
meister L. Hellner 1835-38 errichtete Neubau
der St. Martinikirche dar, der nach dem letzten
großen Stadtbrand 1834 unter Verwendung go-
tischer Bausubstanz entstand. Der in zurück-
haltend spätklassizistischen Formen erbauten
Saalkirche ist im Westen ein quadratischer, mit
Spitzhelm abschließender Turm (der Turmkern


Dransfeld, Kirchstraße


Dransfeld, Kirche St. Martini, Innenraum, Blick nach Osten, 1835-38, Architekt L. Hellner

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