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Stab-Profil umrahmtes Portal erhalten, das laut
Inschrift 1682 umgebaut wurde.
Zu dieser Gruppe gehören u.a. Burgstraße 24,
26; Schmiedestraße 13, Tanzwerderstraße 17,
Hinter der Stadtmauer 26 und Kirchstraße 1/
Lange Straße von 1477, die durch spätere
Überformungen und Aufstockungen verändert
wurden.
Um 1520 tritt bei einigen Bauten auf den Stock-
werkschwellen das Trapezfriesmotiv auf, ein
durchlaufendes Kehle-Stab-Profil, das ober-
halb der Balkenköpfe in mit der Spitze nach
unten gerichtete Dreiecke übergeht. Die ein-
fach gekehlten mit querprofiliertem Tauband
versehenen Knaggenbündel sitzen auf Konso-
len, die aus dem Holz der Eckständer heraus-
gearbeitet sind und unterhalb der Knaggen stu-
fenartig abgesetzte Kehle-Stab-Profilierung
aufweisen. Zu dieser Gruppe zählen das ur-
sprünglich dreigeschossige traufständige
Haus Lange Straße 36, der neben dem Küster-
haus gelegene viergeschossige Eckbau Lange
Straße 50 von 1552 und der an der Ecke Markt-
straße 1/Lange Straße erbaute dreigeschos-
sige Fachwerkbau von 1524, der schwach pro-
filierte Trapezfriese und symmetrisch angeord-
nete lange Fußstreben aufweist, die sich am
Eckständer erstmalig für Münden zu K-Streben
verbinden.
Eine Sonderform stellt das Haus „Zum Och-
senkopf” Sydekumstraße 8 dar, ein rekonstru-
ierter, dreigeschossiger, giebelständiger Bau
mit vorkragendem Oberstock auf gekehlten,
querprofilierten Knaggen. Der achtgebindige
Ständer-Geschoßbau ruht auf niedrigem Sand-
steinsockel und ist giebelständig zur Sydekum-
straße ausgerichtet. Der wohl weithin bekann-
teste Mündener Fachwerkbau galt lange Zeit
aufgrund seiner altertümlich anmutenden Ver-
zimmerung als das älteste Haus der Stadt.
Übereinstimmungen im konstruktiven Gefüge
und in der Raumgliederung wurden immer wie-
der zu den beiden Doppelhäusern in Alsfeld
(Hersfelder Straße) und zum sog. „Schäfer-
sehen Haus” in Marburg gesucht, das um 1320
erbaut und kurz vor dem Abbruch 1875 von
C. Schäfer aufgenommen wurde. C. Schäfer
war es auch, der Ende des 19. Jh. auf die Be-
deutung des Mündener „Ochsenkopfes” - er
bezeichnet den Bau als „Krämer- und Spei-
cherhaus” - aufmerksam machte. Obgleich
seine Erbauung nach der dendrochronologi-
schen Untersuchung erst für das Jahr 1528 ge-
sichert ist, zeigt er noch charakteristische spät-
gotische Konstruktionsmerkmale, die in der
1. Hälfte des 16. Jh. in Münden sonst nicht
mehr zur Anwendung gekommen sind. Die Be-
deutung des Hauses liegt unabhängig von sei-
ner Datierung vor allem in derTradierung früher
Zimmermannstechnik sowie in dem Versuch,
an die Raumdisposition eines gotischen Hau-
ses anzuknüpfen.
Verändert wurde die geschlossene südliche
Zeilenbebauung der Sydekumstraße durch den
Abtrag des an den Ochsenkopf angrenzenden
Nachbargebäudes im 19. Jh. Deutlich erkennt
man auf der freigelegten Seite wie vom Sockel
ausgehend, die Ständer ungebrochen bis zur
Traufe durchlaufen. Zur Sicherung des Wand-
gefüges sind hohe aufgeblattete Schwertun-

Mühlenstraße 10 / Ecke Kiesau, 1458, Ansicht und EG-Grundriß, Stadtarchiv Münden
(Bauaufnahme 0. Budde, um 1920)


Kirchplatz 8, 1457, Ansicht Schmiedestraße 13, wohl 2. Hälfte 15. Jh.


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