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förmigen Areal ein neugotischer Sandsteinqua-
derbau von 1867, den der hannoversche Konsi-
storialbaumeister C. W. Hase um 1865 plante.
Der auf einen hohen Sockel gestellte Bau
schließt mit einem schmalen Giebelreiter ab.
Der kreuzrippengewölbte Innenraum birgt
einen kelchförmigen Taufstein von 1559, der
offenbar aus der alten Kapelle stammt.
STAUFENBERG-SICHELNSTEIN

Am Westrand des Waldes „Buchonia”, des spä-
teren Kaufunger Waldes, liegt zu Füßen des
Großen Staufenberges das Dorf Sichelnstein
mit der eindrucksvollen gleichnamigen Burg-
ruine. Eine alte, von Spiekershausen nach He-
demünden führende Verbindungsstraße durch-
quert hier das Waldgebiet.
Nach Ausweis der Kopfsteuerbeschreibung
von 1689 war der überwiegende Teil der ge-
nannten 82 Personen „Brinksitzer”.
Die Staufenbergstraße mit ihren schmalen Er-
schließungsstraßen und den locker gruppier-
ten kleinteiligen Hofstellen bestimmen den
Charakter des Altdorfes, an das sich im Norden
eine Ortsranderweiterung anschließt, die sich

auch in ihrer Parzellenstruktur deutlich von der
Altsiedelfläche abhebt. Ersatzbauten, massiv
erneuerte Erdgeschoßzonen, moderne Fassa-
denbehänge und neuere Anbauten in Verbin-
dung mit den ortsuntypischen Hofeinfriedun-
gen lassen eine heterogenes Dorfbild entste-
hen, dessen Fachwerkbauten vereinzelt bis in
die 2. Hälfte des 18. Jh. zurückreichen.
Burgruine
Von der südlich des Dorfes gelegenen Burgan-
lage haben sich nur die etwa 10 m hohen Um-
fangsmauern erhalten, die größtenteils aus
dem hier anstehenden blauschwarzen Säulen-
basalt bestehen. Den Hauptschutz des am Ab-
hang des Kaufunger Waldes errichteten hufei-
senförmigen Burgbezirkes bildete einst ein
breiter, tiefer Halsgraben mit einem einzigen
Zugang von Südosten, der heute kaum noch
zu erkennen ist. Offenbar ließ sie Herzog Otto
der Quade um 1370 als Grenzfeste gegen die
hessischen Landgrafen errichten, die mit dem
Ausbau der Burg Sensenstein südlich des Nie-
stetales ein Gegengewicht bildeten.
Als „Obergericht”, zu dem die Orte Benterode,
Dahlheim, Escherode, Landwehrhagen, Lutter-

berg, Nienhagen, Oberode, Sichelnstein,
Speele, Spiekershausen, Uschlag und Wahn-
hausen gehörten, wurde es zusammen mit dem
„Untergericht” Münden von einem Amtmann
verwaltet. Der Wegzug der Amtleute nach Mün-
den und die damit verbundene Aufgabe als
Wohnstätte leiteten den allmählichen Verfall der
einstmals stattlichen Burganlage ein. Zudem
soll das Baumaterial zum Kirchenneubau in
Benterode sowie zur Ausfachung von Fach-
werkbauten im Orte gedient haben. Die impo-
sante Burgruine setzt noch heute als einzige
Burg im niedersächsischen Teil des Kaufunger
Waldes einen markanten, historisch bedeutsa-
men Akzent.

STAUFENBERG-SPEELE

Abseits der von Münden über Lutterberg und
Landwehrhagen nach Kassel führenden Nord-
Süd-Handelsstraße liegt eingebettet in dem tief
eingeschnittenen Fuldatal der Ort Speele, der
im Süden bis zu den Ausläufern des Ickelsber-
ges reicht. Erstmals urkundlich bezeugt wird
„Speie” in einer Schriftquelle des Klosters Ah-
naberg (Kassel) von 1264.1329 erwirbt das Klo-


Nienhagen, Kirche, 1895/96, Konsistorialbaumeister C. W. Hase Nienhagen, Kirche, 1895/96


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