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Lufen, Peter Ferdinand [Oth.]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 5,3): Landkreis Göttingen, Teil 2: Altkreis Duderstadt mit den Gemeinden Friedland und Gleichen und den Samtgemeinden Gieboldehausen und Radolfshausen — Hameln: Verlag CW Niemeyer, 1997

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https://doi.org/10.11588/diglit.44173#0110
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Hinterstraße, Straßenaufnahme


Zusammenfassen lassen sich die auf der Nord-
seite der Hinterstraße gelegenen Bauten Nr. 7,
9, 11, 13, 15, 17, die das Ergebnis eines Wie-
deraufbaues des frühen 18.Jh. darstellen und
durch gleichartiges Formenrepertoire gekenn-
zeichnet sind.
Die dreigeschossigen, stockwerkweise abge-
zimmerten, traufständig ausgerichteten Fach-
werkbauten schließen mit Satteldächern ab.
Zur Wirkung der Fassade tragen die vorkragen-
den Oberstöcke mit ihren reich verzierten,
schmuckreichen Brüstungsfeldern bei. Heraus-
zustellen ist die Riegelinschrift oberhalb des
Portals Hinterstraße 15, die den „BAU HERR“
Henricus Andreas Nolte, den Baumeister Chri-
stop Rorman sowie das Baudatum 1721 an-
gibt.
Die Schmuckformen der letztgenannten Bauten
leiten über zum Fachwerkbau Hinterstraße 35
- ein fünfachsiger, traufständig ausgerichteter
Bau mit gleichartigem Schmuckapparat.
Besondere Beachtung verdient auf der oberen
Hinterstraße der doppelgeschossige Fachwerk-



Hinterstraße 73, von 1600

Hinterstraße, Blick nach Westen


bau Nr. 73, der inschriftlich 1600 datiert ist. Ne-
ben einer reichverzierten, plastisch durchgear-
beiteten Gebälkzone mit umlaufender Inschrift
auf der Oberstockschwelle sind besonders die
gefachfüllenden Brüstungsplatten mit ihren ma-
lerischen Flachschnitzereien akzentsetzend.
Straßenbildprägend sind ferner das ehemalige
Schulhaus Hinterstraße 66, das als „Königliche
höhere Bürgerschule“, als „Paritätische höhere
Töchterschule“ später als „Luisenschule“ be-
nannt wurde und heute als Wohnhaus dient.
Der wohl kurz nach 1850 errichtete dreige-
schossige Bau ist nahezu schmucklos. Auf-
gelockert wird der zeittypische Fassadenaufbau
nur durch ans Rähm geführte, wandhohe Eck-
streben.
Einfluß auf das Straßenbild nehmen ferner der
gut erhaltene dreigeschossige Bau Nr. 77 von
1734, der unmittelbar anschließende, im Jahre
1663 errichtete traufständige Bau Nr. 79, des-
sen Gebälkzonen von Volutenkonsolen abge-
fangen werden und der stattliche verputzte
Fachwerkbau Nr. 81, ein dreigeschossiger
traufständiger Bau unter Satteldach mit bemer-
kenswertem Barockportal. Ab 1872 diente der
Bau als bischöfliches Progymnasium, zwischen
1913 und 1919 als landwirtschaftliche Winter-
schule, die den Zweck hatte, „in organischer
Verbindung mit der Wanderlehrtätigkeit ihrer
Lehrer die landwirtschaftliche Bevölkerung des
Schulbezirks mit den naturwissenschaftlichen
und volkswirtschaftlichen Grundlagen aller
Zweige des landwirtschaftlichen Gewerbes, so-
wie mit den in Theorie und Praxis gemachten
Fortschritten bekannt zu machen und damit zur
Durchführung eines sachgemäßen Wirtschafts-
betriebes anzuregen. Zugleich soll die sittliche
und religiöse Erziehung der Schüler Gegen-
stand ihrer Fürsorge sein“.
Obertorstraße
Die Obertorstraße, kurz Obertor genannt, liegt
außerhalb des von der Stadtmauer umschlos-
senen Altstadtkerns und gehört zu den drei mit-
telalterlichen „Vorstädten“ Duderstadts. Nach
der Schoßliste von 1397 zählte die „Vorstadt“

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