ist und sich in der Folgezeit zu einem Leitmotiv
der Fassadengestaltung entwickelt. Zunächst
nur beschränkt auf die Brüstungszone des vor-
kragenden Obergeschosses dehnt sich die
Fächerrosette, die in Duderstadt ausschließlich
als Reihenornament eingesetzt ist, auf alle
Oberstöcke aus. Sie hat die Gestalt eines Halb-
kreises, in dem, ausgehend von einem Zen-
trum, sich die Blüte mit ihren einzelnen Blattab-
schnitten ausbreitet. Umrahmt wird die Fächer-
rosette von einem dem griechischen Omega
ähnlichen Band. Ermöglicht wurde die Aus-
schmückung der Brüstungszonen mit dem
Flächenornament durch die Umwandlung der
Fußstreben zu Winkelhölzern, die mit dem kur-
zen Ständerfuß vergrößerte Grundflächen bie-
ten für eine zierende Ausgestaltung. In der Fol-
gezeit gewinnt die Schließung der gesamten
Brüstungsgefache durch schmucktragende,
flächenhafte Glieder in steigendem Maße an
Bedeutung.
Neben der friesartigen Reihung der Fächerro-
setten tritt auch vereinzelt das sogenannte
„Schiffchen-“ oder „Nachenmotiv“ in der Ge-
bälkzone Haberstraße 18 um 1570 auf - eine
Schiffskehlenverzierung, die in Göttingen bereits
1536, in Halberstadt 1532 und in Münden seit
der Mitte des 16.Jh. in unterschiedlichen Er-
scheinungsformen nachweisbar ist.
Eine einschneidende konstruktive Neuerung
setzt in der 2. Hälfte des 16.Jh. mit dem
zunächst nur zaghaft sich ankündigenden
Übergang vom Ständer-Geschoß zum Stock-
werkbau ein, obgleich zu jener Zeit auch ein
Bewahren spätgotischer Konstruktionsprinzipi-
en festzustellen ist. Das bislang mit dem Erdge-
schoß zu einer flächenmäßigen Einheit verbun-
dene, niedrigere Zwischengeschoß entwickelt
sich nicht nur zu normaler Stockwerkhöhe,
sondern nimmt fortan den Charakter eines
selbständigen Stockwerks an, ablesbar am
Außenbau durch die Vorkragung. Diese konse-
quent durchgeführte Trennung in einzelne
Stockwerkkompartimente führte zur Abkehr der
vertikalen Kräfte und zur uneingeschränkten
Vorherrschaft der Horizontalen. Einhergehend
mit der einschneidenden folgenreichen Kon-
struktionsänderung setzt eine grundlegende
Wandlung und Ausweitung des Schmuckappa-
rates ein. Konzentriert sich die Bauzier
zunächst im wesentlichen auf das vorkragende
Obergeschoß, das gleichsam den Auftakt des
Ganzen bildet und den frühen Bauten die kraft-
volle Ruhe verleiht, breiten sich in der Folgezeit
die Schmuckformen auf alle Stockwerke gleich-
mäßig aus.
Waren es die in der 2. Hälfte des 16.Jh. in Du-
derstadt auftretenden Fächerrosetten, die sich
vor allem an den gut erhaltenen Bauten der
Steintorstraße in bemerkenswerter Dichte erhal-
ten haben, tritt als dominierendes Signum des
ausgehenden 16. bzw. frühen 17,Jh. die deko-
rative Brüstungsplatte auf, die in Duderstadt
erstmals 1595 am Fachwerkbau Börsengasse
5 inschriftlich gesichert nachweisbar ist. Als
weitere Beispiele sind die Bürgerhäuser Apo-
thekenstraße 9/11, 16, Kurze Straße 16, 28,
Obertorstraße 22, 52, Westertorstraße 8, 26,
Steinstraße 24, Scharrenstraße 16, Steintor-
straße 21, 56, Marktstraße 48, 80 und Haber-
straße 20 zu nennen.
Obertorstraße 38, 1. Drittel 17.Jh., Gebälk- und Brüstungszone
Westertorstraße 22/24, von 1600, Gebälk- und Brüstungszone
Marktstraße 20, von 1698, Gebälk- und Brüstungszone
151
der Fassadengestaltung entwickelt. Zunächst
nur beschränkt auf die Brüstungszone des vor-
kragenden Obergeschosses dehnt sich die
Fächerrosette, die in Duderstadt ausschließlich
als Reihenornament eingesetzt ist, auf alle
Oberstöcke aus. Sie hat die Gestalt eines Halb-
kreises, in dem, ausgehend von einem Zen-
trum, sich die Blüte mit ihren einzelnen Blattab-
schnitten ausbreitet. Umrahmt wird die Fächer-
rosette von einem dem griechischen Omega
ähnlichen Band. Ermöglicht wurde die Aus-
schmückung der Brüstungszonen mit dem
Flächenornament durch die Umwandlung der
Fußstreben zu Winkelhölzern, die mit dem kur-
zen Ständerfuß vergrößerte Grundflächen bie-
ten für eine zierende Ausgestaltung. In der Fol-
gezeit gewinnt die Schließung der gesamten
Brüstungsgefache durch schmucktragende,
flächenhafte Glieder in steigendem Maße an
Bedeutung.
Neben der friesartigen Reihung der Fächerro-
setten tritt auch vereinzelt das sogenannte
„Schiffchen-“ oder „Nachenmotiv“ in der Ge-
bälkzone Haberstraße 18 um 1570 auf - eine
Schiffskehlenverzierung, die in Göttingen bereits
1536, in Halberstadt 1532 und in Münden seit
der Mitte des 16.Jh. in unterschiedlichen Er-
scheinungsformen nachweisbar ist.
Eine einschneidende konstruktive Neuerung
setzt in der 2. Hälfte des 16.Jh. mit dem
zunächst nur zaghaft sich ankündigenden
Übergang vom Ständer-Geschoß zum Stock-
werkbau ein, obgleich zu jener Zeit auch ein
Bewahren spätgotischer Konstruktionsprinzipi-
en festzustellen ist. Das bislang mit dem Erdge-
schoß zu einer flächenmäßigen Einheit verbun-
dene, niedrigere Zwischengeschoß entwickelt
sich nicht nur zu normaler Stockwerkhöhe,
sondern nimmt fortan den Charakter eines
selbständigen Stockwerks an, ablesbar am
Außenbau durch die Vorkragung. Diese konse-
quent durchgeführte Trennung in einzelne
Stockwerkkompartimente führte zur Abkehr der
vertikalen Kräfte und zur uneingeschränkten
Vorherrschaft der Horizontalen. Einhergehend
mit der einschneidenden folgenreichen Kon-
struktionsänderung setzt eine grundlegende
Wandlung und Ausweitung des Schmuckappa-
rates ein. Konzentriert sich die Bauzier
zunächst im wesentlichen auf das vorkragende
Obergeschoß, das gleichsam den Auftakt des
Ganzen bildet und den frühen Bauten die kraft-
volle Ruhe verleiht, breiten sich in der Folgezeit
die Schmuckformen auf alle Stockwerke gleich-
mäßig aus.
Waren es die in der 2. Hälfte des 16.Jh. in Du-
derstadt auftretenden Fächerrosetten, die sich
vor allem an den gut erhaltenen Bauten der
Steintorstraße in bemerkenswerter Dichte erhal-
ten haben, tritt als dominierendes Signum des
ausgehenden 16. bzw. frühen 17,Jh. die deko-
rative Brüstungsplatte auf, die in Duderstadt
erstmals 1595 am Fachwerkbau Börsengasse
5 inschriftlich gesichert nachweisbar ist. Als
weitere Beispiele sind die Bürgerhäuser Apo-
thekenstraße 9/11, 16, Kurze Straße 16, 28,
Obertorstraße 22, 52, Westertorstraße 8, 26,
Steinstraße 24, Scharrenstraße 16, Steintor-
straße 21, 56, Marktstraße 48, 80 und Haber-
straße 20 zu nennen.
Obertorstraße 38, 1. Drittel 17.Jh., Gebälk- und Brüstungszone
Westertorstraße 22/24, von 1600, Gebälk- und Brüstungszone
Marktstraße 20, von 1698, Gebälk- und Brüstungszone
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