Die u.a. in Münden erstmals 1574 und in Werni-
gerode um 1580 auftretende Brüstungsplatte
ist völlig unkonstruktiv und wird als reines
Schmuckelement verwendet. Gegliedert wer-
den die Brüstungsplatten durch paarweise an-
geordnete Blendarkaden, die sich zu einer
durchlaufenden, friesartigen Arkadenreihe ver-
binden und zugleich die horizontalen Kräfte des
Baukörpers hervorkehren. Das Motiv be-
schränkte sich keineswegs nur auf die Fach-
werkbaukunst, sondern wurde ebenso an Em-
porenbrüstungen und Kanzelkörben vielfach
angewandt. Analoge Arkadenmotive an Truhen
und Schränken zeigen, wie sehr diese zeittypi-
sche Zierform bis ins Kunsthandwerkliche be-
liebt war. Eine Steigerung erfuhren die Brü-
stungsbohlen zwischen 1600 und 1640 verein-
zelt durch die Aufnahme figürlicher und
ornamentaler Darstellungen (Wappen, Lands-
knechte, beschlagwerkartige Flachschnitzerei-
en), wie die Beispiele Marktstraße 84 von
1620, Hinterstraße 73 von 1600, Westertor-
straße 21/23 von 1640 und Westertorstraße
22/24 von 1600 veranschaulichen - Darstellun-
gen wie sie u.a. in Hildesheim, Braunschweig
und Einbeck in der 2. Hälfte des 16.Jh. ihre ein-
drucksvollsten Ausprägungen gefunden haben.
Das Bemühen, stattliche Repräsentationfassa-
den zu schaffen, findet seine Fortsetzung in der
dekorativen Gestaltung der Gebälkzonen, in-
dem Oberstockschwelle, Rähm und Füllhölzer
zu Trägern von differenzierten Zierelementen
werden. Zahnschnitt, Eierstab, Perlschnüre,
Tau- und Inschriftenbänder überziehen und glie-
dern das Gebälk, deren Vorbilder in der Steinar-
chitektur zu suchen sind. Zu den aussagekräf-
tigsten Bauten gehören zweifellos die Bürger-
häuser Apothekenstraße 8 und 11 (um 1620),
die diese repräsentativen Gestaltungsprinzipien
beispielhaft zur Anschauung bringen.
Vergleichbares zeigt auch der exponiert gelege-
ne, dreizehngebindige Traufenbau Marktstraße
84, dessen Grundstein im Jahre 1620 gelegt
wurde. Akzentuiert wird die Fassade des Hes-
se’schen Hauses durch Figurenknaggen, die
den Überhang des 3. Obergeschosses abfan-
gen.
Wie sehr die Straßenfront als Repräsentations-
fassade beabsichtigt war, wird besonders sinn-
fällig am exponiert gelegenen Traufenbau
Marktstraße 20 von 1698, der zugleich den
Schlußpunkt besonders aufwendig gestalteter
Fassaden bildet. Das zu den vielbeachteten
Fachwerkbauten Duderstadts zählende ehema-
lige „Hotel zur Tanne“ ist übersät mit dekorativ
gesetzten, in mannigfaltigen Formen auftreten-
den Strebefiguren, die in Verbindung mit den
markanten Kopfknaggen und der aufwendig
gestalteten barocken Portaleinfassung den
Charakter des Baues bestimmen.
Der prächtige Fachwerkbau bietet den ganzen
Kanon bekannter Zierformen auf, dazu gehören
paarweise angeordnete Fußstreben, gefachfül-
lende Andreaskreuze, geschweifte Kreuzrauten,
netzartige Ausfachungen mit Viertelkreisstre-
ben, Buckelstreben und das besonders belieb-
te, in abgewandelten Formen auftretende Hän-
gezapfenmotiv. Darüber hinaus erscheinen be-
schlagwerkartige Flachschnitzereien auf den
gerundeten Füllhölzern der Gebälke. Dieser Bau
veranschaulicht in paradigmatischer Weise die
veränderten Gestaltungsprinzipien: So tritt an
die Stelle der zuvor üblichen gefachausfüllen-
den Großform der Brüstungsbohle die willkür-
lich gesetzte kleinteilige Einzelform, die, etwa
seit der 2. Hälfte des 17.Jh. in Duderstadt auf-
tretend, eine Rhythmisierung der Fassade be-
wirkt. Neben den vermehrt sich durchsetzen-
den Inschriftenbändern mit Bibelzitaten, Se-
genswünschen und Datierungen auf den
Oberstockschwellen erscheinen auf den Füllbal-
ken geometrische oder florale Flachschnitzerei-
en, stilistische oder naturgetreue Tierdarstellun-
gen sowie Fabelwesen von höchst unterschied-
licher handwerklicher Qualität.
Besonders aufwendige Ausgestaltungen erfuh-
ren zu jener Zeit die Portale und ihre prächtigen
Einfassungen wie die überkommenen Beispiele
Marktstraße 20, Obertorstraße 7, Kurze
Straße 26, Hinterstraße 81, Bei der Oberkir-
che 3, Hinterstraße 33 und Jüdenstraße 29
belegen. Herauszuheben ist das vielbeachtete
Portal Jüdenstraße 29 von 1680, das prunkvoll
mit Puttenköpfen, Fruchtgehängen, Akanthus-
ranken und Wappen dekoriert ist. Dieses
Prunkportal forderte geradezu die dezente
Putzfassade, die leider nur noch in Bilddoku-
menten vorliegt, da inzwischen die Fassade im
Rahmen der Restaurierungsarbeiten vom Ver-
putz befreit wurde.
Eine klare Abkehr von den überladen wirkenden
Schmuckfassaden läßt sich bereits im 1. Drittel
des 18.Jh. feststellen - Fassaden, die aufgrund
ihres strengen Fachwerkrasters und ihrer be-
wußten Reduktion des Schmuckvokabulars
charakteristische Punkte im Straßenbild setzen.
Ablesbar sind diese Gestaltungsprinzipien ins-
besondere im Bereich der Hinterstraße, die das
Ergebnis eines Wiederaufbaues darstellt, nach-
dem 1720 eine Feuersbrunst auf der Hinter-
straße ausbrach und insgesamt 29 Häuser und
125 Scheunen vernichtete.
Hinterstraße 33 (ehemaliger Pöhlder Hof), von 1727
152
gerode um 1580 auftretende Brüstungsplatte
ist völlig unkonstruktiv und wird als reines
Schmuckelement verwendet. Gegliedert wer-
den die Brüstungsplatten durch paarweise an-
geordnete Blendarkaden, die sich zu einer
durchlaufenden, friesartigen Arkadenreihe ver-
binden und zugleich die horizontalen Kräfte des
Baukörpers hervorkehren. Das Motiv be-
schränkte sich keineswegs nur auf die Fach-
werkbaukunst, sondern wurde ebenso an Em-
porenbrüstungen und Kanzelkörben vielfach
angewandt. Analoge Arkadenmotive an Truhen
und Schränken zeigen, wie sehr diese zeittypi-
sche Zierform bis ins Kunsthandwerkliche be-
liebt war. Eine Steigerung erfuhren die Brü-
stungsbohlen zwischen 1600 und 1640 verein-
zelt durch die Aufnahme figürlicher und
ornamentaler Darstellungen (Wappen, Lands-
knechte, beschlagwerkartige Flachschnitzerei-
en), wie die Beispiele Marktstraße 84 von
1620, Hinterstraße 73 von 1600, Westertor-
straße 21/23 von 1640 und Westertorstraße
22/24 von 1600 veranschaulichen - Darstellun-
gen wie sie u.a. in Hildesheim, Braunschweig
und Einbeck in der 2. Hälfte des 16.Jh. ihre ein-
drucksvollsten Ausprägungen gefunden haben.
Das Bemühen, stattliche Repräsentationfassa-
den zu schaffen, findet seine Fortsetzung in der
dekorativen Gestaltung der Gebälkzonen, in-
dem Oberstockschwelle, Rähm und Füllhölzer
zu Trägern von differenzierten Zierelementen
werden. Zahnschnitt, Eierstab, Perlschnüre,
Tau- und Inschriftenbänder überziehen und glie-
dern das Gebälk, deren Vorbilder in der Steinar-
chitektur zu suchen sind. Zu den aussagekräf-
tigsten Bauten gehören zweifellos die Bürger-
häuser Apothekenstraße 8 und 11 (um 1620),
die diese repräsentativen Gestaltungsprinzipien
beispielhaft zur Anschauung bringen.
Vergleichbares zeigt auch der exponiert gelege-
ne, dreizehngebindige Traufenbau Marktstraße
84, dessen Grundstein im Jahre 1620 gelegt
wurde. Akzentuiert wird die Fassade des Hes-
se’schen Hauses durch Figurenknaggen, die
den Überhang des 3. Obergeschosses abfan-
gen.
Wie sehr die Straßenfront als Repräsentations-
fassade beabsichtigt war, wird besonders sinn-
fällig am exponiert gelegenen Traufenbau
Marktstraße 20 von 1698, der zugleich den
Schlußpunkt besonders aufwendig gestalteter
Fassaden bildet. Das zu den vielbeachteten
Fachwerkbauten Duderstadts zählende ehema-
lige „Hotel zur Tanne“ ist übersät mit dekorativ
gesetzten, in mannigfaltigen Formen auftreten-
den Strebefiguren, die in Verbindung mit den
markanten Kopfknaggen und der aufwendig
gestalteten barocken Portaleinfassung den
Charakter des Baues bestimmen.
Der prächtige Fachwerkbau bietet den ganzen
Kanon bekannter Zierformen auf, dazu gehören
paarweise angeordnete Fußstreben, gefachfül-
lende Andreaskreuze, geschweifte Kreuzrauten,
netzartige Ausfachungen mit Viertelkreisstre-
ben, Buckelstreben und das besonders belieb-
te, in abgewandelten Formen auftretende Hän-
gezapfenmotiv. Darüber hinaus erscheinen be-
schlagwerkartige Flachschnitzereien auf den
gerundeten Füllhölzern der Gebälke. Dieser Bau
veranschaulicht in paradigmatischer Weise die
veränderten Gestaltungsprinzipien: So tritt an
die Stelle der zuvor üblichen gefachausfüllen-
den Großform der Brüstungsbohle die willkür-
lich gesetzte kleinteilige Einzelform, die, etwa
seit der 2. Hälfte des 17.Jh. in Duderstadt auf-
tretend, eine Rhythmisierung der Fassade be-
wirkt. Neben den vermehrt sich durchsetzen-
den Inschriftenbändern mit Bibelzitaten, Se-
genswünschen und Datierungen auf den
Oberstockschwellen erscheinen auf den Füllbal-
ken geometrische oder florale Flachschnitzerei-
en, stilistische oder naturgetreue Tierdarstellun-
gen sowie Fabelwesen von höchst unterschied-
licher handwerklicher Qualität.
Besonders aufwendige Ausgestaltungen erfuh-
ren zu jener Zeit die Portale und ihre prächtigen
Einfassungen wie die überkommenen Beispiele
Marktstraße 20, Obertorstraße 7, Kurze
Straße 26, Hinterstraße 81, Bei der Oberkir-
che 3, Hinterstraße 33 und Jüdenstraße 29
belegen. Herauszuheben ist das vielbeachtete
Portal Jüdenstraße 29 von 1680, das prunkvoll
mit Puttenköpfen, Fruchtgehängen, Akanthus-
ranken und Wappen dekoriert ist. Dieses
Prunkportal forderte geradezu die dezente
Putzfassade, die leider nur noch in Bilddoku-
menten vorliegt, da inzwischen die Fassade im
Rahmen der Restaurierungsarbeiten vom Ver-
putz befreit wurde.
Eine klare Abkehr von den überladen wirkenden
Schmuckfassaden läßt sich bereits im 1. Drittel
des 18.Jh. feststellen - Fassaden, die aufgrund
ihres strengen Fachwerkrasters und ihrer be-
wußten Reduktion des Schmuckvokabulars
charakteristische Punkte im Straßenbild setzen.
Ablesbar sind diese Gestaltungsprinzipien ins-
besondere im Bereich der Hinterstraße, die das
Ergebnis eines Wiederaufbaues darstellt, nach-
dem 1720 eine Feuersbrunst auf der Hinter-
straße ausbrach und insgesamt 29 Häuser und
125 Scheunen vernichtete.
Hinterstraße 33 (ehemaliger Pöhlder Hof), von 1727
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