Lufen, Peter Ferdinand [Editor]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 5,3): Landkreis Göttingen, T. 2: , Altkreis Duderstadt mit den Gemeinden Friedland und Gleichen und den Samtgemeinden Gieboldehausen und Radolfshausen — Braunschweig, 1997

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In beispielhafter Weise verkörpert der ehemali-
ge Pöhlder Hof von 1727, Hinterstraße 33,
heute Sitz des Amtsgerichts, die zeitgemäße
Anknüpfung an ein strenges, konstruktiv be-
stimmtes Fachwerkgefüge. Als konstruktiv-ge-
stalterische Gliederungselemente sind die cha-
rakteristischen M-Figurationen der Fußbänder
in die Brüstungsgefache eingesetzt, die mit kur-
zen, geraden Stielen alternieren, die gemein-
sam ein ruhiges, dezentes Fachwerkgefüge bil-
den. Schmucklos sind auch die schlichten Füll-
hölzer der Vorkragung. Vergleichbaren Aufbau
zeigen die Bauten im Umkreis der Oberkirche
St. Cyriakus, die zudem erkennen lassen, daß
die ursprünglich weit ausladenden Vorkragun-
gen mehr und mehr reduziert werden.
Der offenbar um die Mitte des 18.Jh. entstan-
dene Fachwerkbau Jüdenstraße 29, der stell-
vertretend für zahlreiche andere innerstädtische
Bauten jener Zeit steht, wird geprägt durch M-
förmig angeordnete Fußbänder in den Brü-
stungsgefachen und durch markante Doppel-
ständer-Stellungen.
Mit dem ausklingenden 18.Jh. zeigen sich an
den Fassaden kaum noch Neuerungen in den
Schmuckformen - eine Entwicklung, die in Ver-
bindung mit dem Verzicht auf die geschoßweise
Auskragung der Oberstöcke das Individuelle
des Baukörpers im Stadtbild kaum noch in Er-
scheinung treten läßt. Den veränderten gestal-
terischen Vorstellungen der Zeit entsprach es,
die Fachwerkfassaden mit pastös aufgetra-
genem Schlämmaterial, mit Putz oder Holzver-
schalung zu versehen, da die sichtbare Holz-
konstruktion an der Straßenfassade als unedel
empfunden wurde. Häufig wurden dem Putz
Fugen eingeritzt, um den einst so geschätzten
Quaderbau vorzutäuschen. Dies geschah offen-
bar aus dem Wunsch, die modernen Gestal-
tungsmittel der städtischen Steinarchitektur auf
den Fachwerkbau zu übertragen. Die ästheti-
sche Wirkung der zahlreichen, inzwischen frei-
gelegten Putzbauten wurde durch die Ge-
schlossenheit der Häuserzeilen besonders her-
vorgehoben, wie die überlieferten Bilddoku-
mente veranschaulichen.
So entsprach auch das sogenannte „Steinerne
Haus“ Marktstraße 91 von 1752, das Stadt-
quartier der Äbtissin Eugenia Fritz des Klosters
Teistungenburg, das in der einheitlichen Fach-
werkzeile einen besonderen Akzent setzt, den
gestalterischen Vorstellungen seiner Zeit.
Einen entscheidenden Anteil am überkomme-
nen Bürgerhausbestand Duderstadts nehmen
die Bauten, die zwischen dem ausgehenden
Iß.Jh. bis etwa um 1870 errichtet wurden -
Bauten, die insbesondere im oberen Teil der
nördlichen Marktstraße, der Jüdenstraße und
der südlichen Hinterstraße die zeittypischen
konstruktiv-gestalterischen Prinzipien zur An-
schauung bringen. Sie stellen das Ergebnis
eines Wiederaufbaues dar, nachdem ein
Großbrand im Jahre 1852 zahlreiche Wohnhäu-
ser und Wirtschaftsgebäude vernichtete. Ge-
kennzeichnet sind die Bauten durch einen
strengen, geradlinigen Fassadenaufbau, einher-
gehend mit dem Verzicht auf geschoßweise
Vorkragung der Oberstöcke, so daß bündig
aufsteigende, relieflose Fachwerkwände entste-
hen, die gegliedert sind durch dicht gestellte
Doppelständer respektive Drillingsständer.

Westertorstraße 22/24, von 1600, Gebälk- und Brüstungszone



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Westertorstraße 22/24, von 1600

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