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Kämmerer, Christian [Editor]; Lufen, Peter Ferdinand [Editor]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 7,1): Landkreis Northeim: Südlicher Teil mit den Städten Hardegsen, Moringen, Northeim und Uslar, den Flecken Bodenfelde und Nörten-Hardenberg, der Gemeinde Katlenburg-Lindau und dem Gemeindefreien Gebiet Solling — Braunschweig, 2002

DOI Page / Citation link: 
https://doi.org/10.11588/diglit.44420#0358
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USLAR/VAH LE

Söhlingen, Bleichstraße, Brücke über den Mühlenbach (Ahle), Mitte 18.Jh.


Söhlingen, Bäckerstraße 2, Kapelle mit angebautem ehern. Schulhaus


Das Straßendorf, das als “Valede” bereits im
11. und 12.Jh. urkundlich erwähnt wird, liegt 2
km nördlich von Uslar im Quellgebiet des
Martinsbaches am nördlichen Rand des Uslarer
Beckens. Durch den Ort führte in alter Zeit die
Straße von Uslar nach Einbeck, die ihren Weg
nach Nordosten durch den Solling nahm,
während der moderne Verkehr die den Tälern
des Italbaches und der Urne folgende, um die
Mitte des 19.Jh. gebaute Landesstraße über
Dassel benutzen muss. Gegen Ende des 18.Jh.
besaß das Dorf 31 Feuerstellen. Die Vahler
Höfe reihen sich in der Mehrzahl oberhalb des
Baches an der Höhenlinie des Hanges, der die
Hauptstraße folgt, aneinander. Die Bausub-
stanz im Ort ist relativ jung und entstammt fast
ausschließlich dem 19. und 20.Jh., wobei im
Bereich um die Dorfkapelle beim Schnittpunkt
von Steinberg- und Unterstraße das historische
Ortsbild noch größere Geschlossenheit
aufweist.
Vahle ist Kapellengemeinde zur Uslarer Pfarrei
und besitzt eine schlichte Fachwerkkapelle von
1792, deren Walmdach ein sechseckiger Dach-
reiter bekrönt (Steinbergstraße 13). Eingebun-
den in den rechteckigen schmucklosen Bau-
körper, der gegenwärtig durch seine Fassaden-
verkleidung in seiner Erscheinung gestört ist,
ist in der Osthälfte die ehemalige Schule mit der
Lehrerwohnung.
Das ältere ortsübliche Bauernhaus war, wie in
den benachbarten Dörfern, ein quer erschlos-
senes Wohnwirtschaftsgebäude, in dessen
Raumordnung und Erscheinungsbild sich
Einflüsse des Oberwesergebiets mit mit-
teldeutscher Hausform überschneiden. Solcher
Art und Organisation ist Steinbergstraße 10, ein
1821 errichteter Fachwerkbau mit traufseitiger
hoher Einfahrt, die zwischen Wohn- und Wirt-
schaftsteil eingeschoben ist und deren Öffnung
in das Obergeschoss des Hauses eingreift.
Diese Bautradition klingt auch noch in den bei-
den erst nach der Jahrhundertmitte entstande-
nen großen Wohnwirtschaftsgebäuden der
Höfe Unterstraße 11, erbaut 1857, und Stein-
bergstraße 18, erbaut 1868, an, in ihrer Anlage
fast identische Fachwerkbauten mit einer an
die linke Hausseite verschobenen Wirtschafts-
einfahrt, die nur Geschosshöhe besitzt. Im
Gegensatz zu diesen stattlichen Wohnwirt-
schaftsgebäuden der großen Höfe des Dorfes
gehört das am Ortsrand liegende Wohnhaus
Oberstraße 1 - ein gut proportionierter Fach-
werkbau der 1. Hälfte des 19.Jh. - zu einem
kleineren Anwesen ohne nennenswerten land-
wirtschaftlichen Betrieb.
Die typischen älteren Hausformen der Region,
die noch bis in die 2. Hälfte des 19.Jh. fort-
leben, verlieren sich nach dem Anbruch der
industriell geprägten Zeit schnell. So zeigen die
Wohnhäuser der großen Höfe Steinbergstraße
11 und 15, beide 1896 erbaut, keinen Bezug
mehr zu der historischen Haustradition des
Uslarer Raumes. Die beiden Häuser, für sich
genommen anspruchslose Fachwerkbauten,
sind gleichwohl mit ihrer in der Tradition ste-
henden handwerklichen Ausführung und ihrer

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