Eder, Josef Maria
Geschichte der Photographie (Band 1) — Halle (Saale), 1932

Seite: 487
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Anfänge der künstlerischen Photographie in der Daguerreotypie usw. 487

D i s d e r i galt als der führende Porträtphotograph in Paris. Er
wurde von Kaiser Napoleon III. durch Ernennung zum Hofphoto-
graphen ausgezeichnet. Er bildete auch im Aufträge des Kriegs-
ministers im Jahre 1861 u. ff. französische Offiziere in der Photo-
graphie ans. — Wie populär D i s d e r i war, geht daraus hervor, daß
man ihn im Jahre 1861 in einer Hauptrolle und gelungener Maske mit
kahlem Schädel und ungeheurem Barte (mit dem er seinen Kunden oft
über das Gesicht fuhr) auf die Bühne eines kleinen Pariser Vaude-
ville-Theaters brachte. — Abb. 125 zeigt das Porträt D i s d e r i s.

Die Einführung der Visitkarten-Photographie.

Die erste Notiz über die Einführung des Visitporträts findet man
in der französischen Zeitschrift „La Lumiere“ vom 28. Oktober 1854,
wo es nun heißt: Eine originelle
Idee hatten E. Delessert und
Graf Aguado bezüglich der
Verwendung kleiner Porträts. Bis
jetzt trugen die Visitenkarten Na-
men, Adresse und zuweilen den
Titel der Personen, welche sie vor-
stellten. Weshalb sollte man nicht
den Namen durch das Bildnis er-
setzen können? Diese Idee der Ge-
nannten fand vielen Anklang, um
so mehr als der spezielle Gebrauch
der Visitenkarte auch in dem Visit-
porträt zum Ausdruck kommen
sollte. Bei zeremoniellen Visiten
sollte der Besucher in Hand-
schuhen, den Kopf wie zum Gruße
geneigt usw. dargestellt sein, ge-
nau wie es die Etiquette verlangt;
bei schlechtem Wetter sollte er
einen Regenschirm unter dem
Arme haben, bei Abschiedsbe-
suchen wurde ein Porträt im Reise-
anzug abgegeben.“ Seit jener Zeit
hat sich der Ausdruck „Visitkarten-
Photographie“ für Porträtphoto-
graphien in diesem kleinen Formate erhalten.

Abb. 125. Andre Ado 1 ph e E ug ene
Di s deri.

Photographe de S. M. l’Empereur,
Boulevard des Italiens. Paris. (Auf-
genommen im Atelier Disderi’s. Aus
der Sammlung Cromer in Paris.)
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