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Vom Kaiserreich über die Zeit der Weltkriege bis zur demokratischen Republik
konnte sie die Mitarbeit der Untermarchtaler Schwestern gewinnen; diese übernah-
men dann beide Einrichtungen. Der Frauenbund richtete auch einen Kinderhort ein.
Die Einrichtung des Säuglingsheims war für den Gmünder Bezirk eine dringende
Notwendigkeit, da hier die Säuglingssterblichkeit besonders hoch war. Der Landes-
ausschuß für Säuglings- und Kleinkinderschutz, dem Frau Keppler angehörte, trieb
1918 die Errichtung solcher Heime in verschiedenen Städten voran und leitete dafür
Geldsammlungen ein.59 König Wilhelm stellte aus den anläßlich seines 70. Geburts-
tags gesammelten Geldern 5000 Mark für das in Gmünd zu errichtende Säuglings-
heim zur Verfügung. Auch der oberschwäbische Adel beteiligte sich an der Spenden-
aktion, die Frau Keppler mit großem Nachdruck betrieb.60 Im November 1918
wurde dann die Zigarrenfabrik Endress an der Weißensteiner Straße für diesen
Zweck erworben.61 Da an der ehemaligen Fabrik Umbauten notwendig waren, ver-
zögerte sich die Eröffnung des Heims, das den Namen Margaritenheim und später
Margaritenhospital erhielt. In einer Eingabe an die Stadt teilte Frau Keppler am 10.
April 1918 mit, daß in Gmünd auf Initiative des Katholischen Frauenbunds ein Kin-
dergärtnerinnenseminar (System Froebel) eingerichtet werden solle, und zwar zur
Ausbildung von Kindergärtnerinnen, Kinderpflegerinnen und Jugendleiterinnen. Sie
trat an die Stadt heran mit der Bitte um Überlassung von Räumen für das Seminar, da
das dafür vorgesehene Haus St. Paul im Garten von St. Loreto noch für ein Lazarett
in Beschlag genommen war.62 Die Eröffnung fand am 16. Oktober 1918 im Marien-
heim statt.
Weltkriegsende und Revolution
Die Parteien machten während des Krieges wenig von sich reden. Sie hielten sich in
der Hauptsache an den 1914 geschlossenen Burgfrieden. Eine Ausnahme davon
machte der linke Flügel in der Sozialdemokratie, radikale Sozialisten und erbitterte
Kriegsgegner wie Rosa Luxemburg, Karl Liebknecht und andere. Sie brachten wie-
derholt Flugblätter heraus, die auch in Gmünd verbreitet wurden. Während des
Krieges kam es zur Spaltung der SPD; von der Partei trennten sich die »Unabhängi-
gen« (Unabhängige Sozialdemokratische Partei, USPD). Die der Partei treu geblie-
benen Genossen wurden »Mehrheitssozialisten« genannt. Im Lande waren es
Hoschka und Crispien, die auf der Linie der Linksradikalen agitierten. Auch in
Gmünd fand diese Gruppierung Anhänger; unter ihnen ist vor allem Gustav Lachen-
maier zu nennen. Lachenmaier war Ortsvorsitzender der USPD in Gmünd; er setzte
sich als Mitglied des Bürgerausschusses lebhaft für die Interessen der arbeitenden
Bevölkerung ein. Gegen Kriegsende trat dann der Spartakus-Bund als revolutionäre
Kampfgruppe in Erscheinung; aus ihm ging später die KPD hervor.
Vom Kaiserreich über die Zeit der Weltkriege bis zur demokratischen Republik
konnte sie die Mitarbeit der Untermarchtaler Schwestern gewinnen; diese übernah-
men dann beide Einrichtungen. Der Frauenbund richtete auch einen Kinderhort ein.
Die Einrichtung des Säuglingsheims war für den Gmünder Bezirk eine dringende
Notwendigkeit, da hier die Säuglingssterblichkeit besonders hoch war. Der Landes-
ausschuß für Säuglings- und Kleinkinderschutz, dem Frau Keppler angehörte, trieb
1918 die Errichtung solcher Heime in verschiedenen Städten voran und leitete dafür
Geldsammlungen ein.59 König Wilhelm stellte aus den anläßlich seines 70. Geburts-
tags gesammelten Geldern 5000 Mark für das in Gmünd zu errichtende Säuglings-
heim zur Verfügung. Auch der oberschwäbische Adel beteiligte sich an der Spenden-
aktion, die Frau Keppler mit großem Nachdruck betrieb.60 Im November 1918
wurde dann die Zigarrenfabrik Endress an der Weißensteiner Straße für diesen
Zweck erworben.61 Da an der ehemaligen Fabrik Umbauten notwendig waren, ver-
zögerte sich die Eröffnung des Heims, das den Namen Margaritenheim und später
Margaritenhospital erhielt. In einer Eingabe an die Stadt teilte Frau Keppler am 10.
April 1918 mit, daß in Gmünd auf Initiative des Katholischen Frauenbunds ein Kin-
dergärtnerinnenseminar (System Froebel) eingerichtet werden solle, und zwar zur
Ausbildung von Kindergärtnerinnen, Kinderpflegerinnen und Jugendleiterinnen. Sie
trat an die Stadt heran mit der Bitte um Überlassung von Räumen für das Seminar, da
das dafür vorgesehene Haus St. Paul im Garten von St. Loreto noch für ein Lazarett
in Beschlag genommen war.62 Die Eröffnung fand am 16. Oktober 1918 im Marien-
heim statt.
Weltkriegsende und Revolution
Die Parteien machten während des Krieges wenig von sich reden. Sie hielten sich in
der Hauptsache an den 1914 geschlossenen Burgfrieden. Eine Ausnahme davon
machte der linke Flügel in der Sozialdemokratie, radikale Sozialisten und erbitterte
Kriegsgegner wie Rosa Luxemburg, Karl Liebknecht und andere. Sie brachten wie-
derholt Flugblätter heraus, die auch in Gmünd verbreitet wurden. Während des
Krieges kam es zur Spaltung der SPD; von der Partei trennten sich die »Unabhängi-
gen« (Unabhängige Sozialdemokratische Partei, USPD). Die der Partei treu geblie-
benen Genossen wurden »Mehrheitssozialisten« genannt. Im Lande waren es
Hoschka und Crispien, die auf der Linie der Linksradikalen agitierten. Auch in
Gmünd fand diese Gruppierung Anhänger; unter ihnen ist vor allem Gustav Lachen-
maier zu nennen. Lachenmaier war Ortsvorsitzender der USPD in Gmünd; er setzte
sich als Mitglied des Bürgerausschusses lebhaft für die Interessen der arbeitenden
Bevölkerung ein. Gegen Kriegsende trat dann der Spartakus-Bund als revolutionäre
Kampfgruppe in Erscheinung; aus ihm ging später die KPD hervor.


