Ehrenberg, Hermann
Die Kunst am Hofe der Herzöge von Preußen — Leipzig , Berlin, 1899

Seite: 109
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mit gleichartigen, quergestreiften, vorwiegend grünen Gewändern, engen Miedern und prächtigen Aleinodicn.
s2. Ioachim Ligismund, erst ein Iahr alt, gleichfalls in ganzer Figur, mit gleichem Stoff bekleidet, wie seine
5chwestern. ksieran reiht sich ein Gelgemälde im Berliner 5chloß von s6l2, welches bei solider technischer Durch-
führung uns den bserzog Albrecht Friedrich in halber Figur, fast von vorn in prächtigem Aostüme zeigt.

Auch von Deckenmalereien haben sich aus dieser Zeit einige Reste erhalten. Zunächst rührt die Decke eines
östlich vom sogenannten Fliesensaale belegenen, mit schöner Aorduan-Tapete geschmückten Gemaches im Dstffügel vom
Gnde des s6. Iahrhunderts her. 5ie ist durch lholztäfelung geometrisch gegliedert, in den vertieften Feldern erblicken
wir teils Figurenbilder, z. B. in der Atttte Maria mit dem Zesusknaben an der Brust und mit denr jugendlichen
Iohannes, in den Gcken die vier Gvangelisten, dazwischen schwer erkennbare scenische Darstellungsn, durchweg hand-
werksmäßige Arbeit mit unvermittelten, groben (zinnoberroten) Fleischtönen und sehr schlechter Zeichnung, — teils
ornamentale Malereien, welche nicht ohne Reiz sind; sie sind groteskenartig und enthalten in bunten, leichten Ranken und
Blumen putten, Tiere, Füllhörner u. ä.; bei dem sich hier offenbarenden Trsindungsreichtume
und der sauberen Ausführung dürste sich eine genauere Untersuchung und Nachbildung dieser stark
nachgedunkelten Lpielereien wohl empfehlen.

Ferner ist in die Deckentäselung des s89^ als ein Lchlafzimmer sür hohe Gästs ein-
gerichteten früheren Durchgangsraumes eine Malerei eingelassen, welche sich in dem daneben
befindlichen Trkerzimmer vorgefunden hatte; das Bildchen stellt zwei weibliche Figuren, den Glauben
mit dem Areuz und die bsoffnung mit dem Anker dar, beide sitzen in grünender Landschaft, tieferes
seelisches Leben verraten sie nicht. Ursprünglich mögen die ,-sarben etwas weißlicher gewesen G°de»kmünze s». ?)

auf Georg Friedrich

sein, als heute erkennbar ist; großen A)ert dürfte das Bild nie gehabt haben. Und endlich wurden
neuerdings auf dem Boden dieses 5chloßteiles Brettchen gefunden mit Aöpfen und Grnamenten in kreidiger Aäalerei,
ganz dem um (600 herrschenden 5tile entsprechend, ohne künstlerische Bedeutung, aber ein Beweis, wie man damals
bestrebt war, möglichst häufig 5chmuck anzubringen und die nüchterne Alltagsform zu verbannen.

Die Aäalereien, die sonst in Ostpreußen aus dieser Aeit vorhanden sind, dürfen aus Nachruhni keinen Anspruch
erheben/"i> Ae finden sich vorzugswcise auf Altären und Lpitaphien in Airchen, besonders im Aönigsberger DomeDoo
bsier läßt der große Altar von säys ein Äreben nach höherer, besserer Leistung erkennen, ohne daß dem Wollen das
Aönnen irgendwie entspräche. Die Aomposition ist unselbständig, die Alodellierung der Figuren unzulänglich, die
Lharakterisierung mitunter geradezu thöricht."i blnd mit den übrigen Werken steht es eher schlimmer als besser, so
daß es nicht lohnt, bei ihnen zu verweilen.

Auf dem Gebiete des ksolzschnittes war bsieronymus Weigel thätig, welcher s!ö83 im Auftrage des bserzogs
das zwölfteilige preußische Wappen für das Titelblatt der Preußischen bsosgerichts-Drdnung schnitt; eine ganz achtbare,
künstlerisch aber nicht weiter bemerkenswerte Leistung.

c. Bildnerei und Aleinkünste

Es ist bezeichnend für den prachtliebenden Änn Georg Friedrichs, daß er, als er seine Gemahlin f578 auf der
Reise nach Aönigsberg durch den Tod verloren hatte, unmittelbar danach ihr ein Denkmal im Dome errichten ließ, welches
das für bserzog Albrecht an Umfang noch übertreffen sollte. Zu diesem Awecke gewann er einen niederländischen
Bildhauer, Namens Wilhelm (Wilm) von dem Bloche (Blocke) aus Alecheln. A)o und wie er ihn kennen lernte,
erfahren wir nicht. A)ir wissen bloß, daß er bereits f376 vorübergehend am preußischen bsofe Beschäftigung gesucht
zu haben scheint und daß ungefähr gleichzeitig mehrere Aünstler seines Namens in Danzig auftauchten."? Wilhelm
übernahm es, das Denkmal in anderthalb Iahren auszuführen; doch zögerte sich die Arbeit erheblich länger hin, zum

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