Zeitung für Einsiedler — Heidelberg, 1808

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eitung
1808.———

für
— 6

Einsiedler.
———20. April.

Rezensieren, kritisieren
Sott dir aus dem Kops wazieren,
Wenn ich sag es bleibt dabey,
Es leb die edle Jägerey.
Uhrmacher Bogs, S-80.

Malespini.
Nacherzählt von C. B.
Als die königliche und prächtige Hochzeit des Herzog Wilhelm
mit Eleonora von Oestreich ausgerichtet werden sollte, gab der
Gouverneur von Mailand, Marchese di Pescara, dem berühmten
Ritter Lione Aretino, Bildhauer des Königs von Spanien, den
Auftrag, sich nach Mantua zu begeben, uud dieses Fest mit irgend
einer ausserordentlichen Erfindung zu verherrlichen. Er reiste hin,
s chlug mancherlei vor, und endlich wählte man das Schloß der
treuen Liebenden, welches im Amadis von Gallien beschrieben
tft, auf einem Platze des Pallastes auszuführen, der La mostra
Hieß, und zu dergleichen geräumig und wohl gelegen war. Da
wurden über 200 Menschen an das Werk gestellt, überdieß 20
Hauptmeister, die Aretino von Mailand kommen ließ, ausneh-
mend erfahrne Leute in dergleichen Sachen. Ich will hier nicht
die ausserordentlichen Anstalten, noch die verschiedenen Statüen
von der eignen Hand des Ritters, noch die herrlichen Gemälde,
die unzähligen Kronleuchter, welche in der Luft hingen, ohne daß
man sah woran, noch alle die andern wunderbaren Einrichtungen
beschreiben, das hieße nie enden wollen, genug kein König der
Welt konnte sich dergleichen herrlicher träumen, vielweniger aus-
führen lassen. Verschiedene lateinische und italienische Verse zu
dichten, welche das wunderbare Gebäude zieren sollten, wurde
Lukka Conrile, ein geistreicher Kopf an Künsten und schönen Tu-
genden herrlich, erwählt, wo es noth that, half auch er dem Ars-
tino mit seinen Erfindungen. Da sie beyde den unzähligen Dingen
doch nicht gewachsen waren, schrieben sie dem Marchese nach Mai-
land, er möge ihnen den Ritter Malespini, einen Diener des
Königs Philipp, ihren vertrauten Freund, schicken. Malespini
eilre auf Begehren des Marcheses nach Mantua, und weil er nie
dorr gewesen, brachte man ihn dahin, wo ihn jene Herrlichen
erwarteten. Sie unterrichteten ihn von allen ihren Anstalten, und
baten ihn von seiner Seite das Fest auch mit irgend einer Erfim
düng zu verschönen, und da er ihnen seine Meynung gesagt, so
Pakten sie ihm nicht weniger als die Sorge und Last von der gan-
zen Hölle auf. Wahrhaftig einer der wichtigsten und gefährlichsten
Theile des Festes, weil da eine ungeheure Menge von Feuerwer-
ken zu veranstalten und zu letten war, wozu noch ein ganzer Teu-
fel voll andern Zeugs kam. Er mußte einmal den Kelch austritt-
ken, wenn gleich wider Willen; da er aber den Ritter mit seinen
Statüen und tausend andern Sachen sehr in der Klemme sah, so
rmterzpg er sich der Sacke mit Freuden. Alles qrbcttefe mis der

Denn schwer ist, zu tragen
Das Unglück, aber schwerer das Glück,
Ein Weiser aber vermocht es
Vom Mittag bis in die Mitternacht,
Und bis der Morgen erglänzte,
Beym Gastmahle Helle zu bleiben.
Hölderlin.
größten Schnelle, denn der Herzog trieb alle Stunden. Sie hatten
deswegen befohlen, keinen Menschen, er sey auch wer er wolle,
hereinzulassen; nichts destoweniger fanden sich alle Augenblicke
vornehme Herrn und Damen ein, die man nicht abweisen konnte.
Das war diesen zwey Edetteuten nun ganz fatal, denn sie wollten
nicht nur begleitet seyn, sondern man sollte ihnen auch noch alle-
ganz weitläufrig erklären. Arerino ward dessen endlich überdrüssig
und Pakte die ganze Last dem Malespini auf, der endlich auch
müde ward, und sich immer versteckte, wenn vornehme Leute ka<
wen, um die Geschichte nicht mittionenmal zu wiederholen. Sie
hatten in Venedig eine große Menge Gläser bestellt, das Ganze
zu erleuchten, weil es aber so schnell gehen sollte, begehrten sie
dort so viel Geld dafür, daß man sie beynahe dafür lsittte von
Silber machen können. Der Marchese kam nach Mantua, und
Aretino erzählte ihm diesen unangenehmen Zufall mit den Gläsern
und sagte ihm, wenn er den Malespini nach Mailand schicken
wolle, der habe einen großen Vorrath in seinem Haus, die übrige
könne er dort leicht machen lassen. Der Malespini eilre wie ein
Blitz auf der Post nach Mailand, ließ alle seine Gläser und die
des Ritters in Kisten einpacken, und war 2 Tage vor dem Fest
schon wieder in Mantua mit allem was nörhig war, was dem
Marchese sehr gefiel, denn diese gesegneten Gläser waren zu diesem
Feste sehr nöthig, und hätten leicht unterweges zerbrechen können.
Malespini ging also wieder an seine Höllenlast, und prügelte die
faulen Arbeiter so viel als möglich, denn wahrhaftig da waren
einige Schlingels, wenn man ihnen den Rücken drehte, legten
sie die Hände in den Sckooß oder spielten auf der Maultrommel.
War Malespini oder Aretino aber da, auf deren Schultern das
ungeheure Werk ruhte, so gaben sie den Kerls einige Hiebe und
diese arbeiteten. Contile harte alle seine Verse schon gemacht, da
er aber von der andern Arbeit nichts verstand , so war er immer
Himer dem Herzog her, und dieser hinter Aretino, und der wieder
hinter den faulen Bengels, die auch gar nicht aus der Stelle woll-
ten. Aretino kam in solche Wurh über einige derselben, daß er sie
umzubringen und zu entfliehen beschloß, und immer lag er seinem
Gehülfen in den Ohren, dieß teuflische Vorhaben zu unrerstützem
Dieser aber, der wohl sah, daß er Ursache, Muth und Gelegen-
heit dazu habe, sagte ihm, wie er mit der Hölle zu viel zu thun,
um iy solche Teufelsanschläge sich noch zü mischen. Sie beschlossen
also Tag und Nacht in ihrer Gegenwart arbeiten zu lassen, und
brachten in kurzer Zeit dir Sache der Vollendung nahe. Der Rit-
ter hatte eine große Menge Wasser aus dem Leich in den Kanal
vor der verzauberten Insel bringen lassen, über welche man nickt
ohne die Brücke konnte, an welcher alle die Ritter ankommen
mußten, nachdem sie mit aller Art von Waffen, mit Piken, Amen,
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