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So sott Wein die Welt verbinden/
Die getrennt in Licht und Nacht,
Wie die Lichter mir verschwinden
Scheinet licht, was ich gedacht,
Daß nun alle mir mir singen
Muß mir Herz und Mund aufspringend
Ja des Paradieses Baum
Har in diesem Kelleb Raum.
Setzt, es steigt aus mir hernieder
Lucifer, der lang verbannt,
Er und Bachus sind zwey Brüder,
Es erscheint ein neues Land,
Weingelaubr der Jünger Schaaren,
Flammen in des Waldes Haaren
Leuchten durch die Dämmerung
Alle in erhabnen Schwung.
Pan.er, Löw und blaue Schlangen
Liegen auf dem Rücken schon;
Faunenweibchen ohne Bangen
Säugst du Tieger ohne Lohn?
Können sie dich nicht mehr missen.
Einen hab ich abgerissen,
Der hing fest an deiner Brust, -
Nimm mein Söhnlein dran zur Lust.
Was erblick ich, die Gesellen
Hatten Kronen rings für mich,
Wollt ihr euch wie Menschen stellen,
Oder bin ein Gott auch ich?
Nun so kann ich euch beglücken,
Kann erschaffen mit Entzücken,
Heute schaff ich euch die Welt,
Wie ein jeder sie bestellt.
Tanzet munter, treret Leimen,
Tretet Rosinblätter drein,
und ich will schon tüchtig reimen
Feuchtet an den Stoff mit Wein,
Laßt den Honig aus den Zellen,
Seht wie schlägt der Wein nun Wellen,
Macht den Kopf zur Töpferscheib,
Menschen formt zum Zeitvertreib.
Lebe jeder, ders verlanget,
Sterbe, wer nicht leben mag,
Was der Brüder Herz erlanget
Und verlanget, reder sag,
Was der Wein jetzt offenbaret
Sinkt in Nacht, wenn Tag uns klaret.
Nur der Augenblick sey ganz
Offner Herzen Flammenkranz.
Ich, der Becher geh im Kreise,
Lausend Geister send ich euch,
Jeder bleib bey seiner Weise,
Bin ich doch für alle reich.
Wie ein Meer ich kann euch fassen
Und die Wett sie liegt im Nassen,
Jedem wird ein Schatz gezeigt,
Dcr sein Haupt recht tief mir neigt.
Kommt ihr meine lustgen Böcke
Auf die höchste Felsenspitz,
Pflanzt mir da die schönsten Stöcke,
Daß der Wein hochtronend sitz,
Unter lichten Rebenlauben
Stoßen Ziegen sich um Trauben,
Mir zum Munde spritzt der Saft,
Alle Welt ist voller Kraft.
Ludwig Achim von Arnim.
(Die Melodie von I. F. Reichardt künftig.)
Der König ohne Volk.
Ein König auf dem Throne
Mit seinem Scepter von Gold,
Den Rath oft schlug zum Hohne,
War keinem Menschen hold.
Den Hunden an dem Tische
Der Rath die Teller hält,
Er füttert gut die Füche,
Sein Volk in Hunger fällt.
Sein Völkchen war beritten,
Er ärgert sie so bas,
Daß alle sind fortgeritren.
Da ward der König blaß.
Er konnte sie nicht halten,
Sein ganzes Volk ritt fort,
Er könnt allein nun walten
An seinem Hundeort.
»Wenn mir die Hunde bleiben
»So bin ich dennoch reich,
»Die Zeit mir zu vertreiben,
„Das andre gilt mir gleich."
Die Hunde schleckt bedienet,
Die wurden falsch und wild,
Und als er sich erkühnet,
Zerrissen sie sein Schild.
Zerrissen seinen Mantel,
Da stand er nackt und bloß,
Da sah man bey dem Handel,
Er hätt einen Buckel groß.
Du must dir Lehre fassen
Mein edler Fürstensotzn,
Wen schon die Besten verlassen,
Der sitzt nicht fest auf dem Thron.
Ludwig Achim von Arninr.
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So sott Wein die Welt verbinden/
Die getrennt in Licht und Nacht,
Wie die Lichter mir verschwinden
Scheinet licht, was ich gedacht,
Daß nun alle mir mir singen
Muß mir Herz und Mund aufspringend
Ja des Paradieses Baum
Har in diesem Kelleb Raum.
Setzt, es steigt aus mir hernieder
Lucifer, der lang verbannt,
Er und Bachus sind zwey Brüder,
Es erscheint ein neues Land,
Weingelaubr der Jünger Schaaren,
Flammen in des Waldes Haaren
Leuchten durch die Dämmerung
Alle in erhabnen Schwung.
Pan.er, Löw und blaue Schlangen
Liegen auf dem Rücken schon;
Faunenweibchen ohne Bangen
Säugst du Tieger ohne Lohn?
Können sie dich nicht mehr missen.
Einen hab ich abgerissen,
Der hing fest an deiner Brust, -
Nimm mein Söhnlein dran zur Lust.
Was erblick ich, die Gesellen
Hatten Kronen rings für mich,
Wollt ihr euch wie Menschen stellen,
Oder bin ein Gott auch ich?
Nun so kann ich euch beglücken,
Kann erschaffen mit Entzücken,
Heute schaff ich euch die Welt,
Wie ein jeder sie bestellt.
Tanzet munter, treret Leimen,
Tretet Rosinblätter drein,
und ich will schon tüchtig reimen
Feuchtet an den Stoff mit Wein,
Laßt den Honig aus den Zellen,
Seht wie schlägt der Wein nun Wellen,
Macht den Kopf zur Töpferscheib,
Menschen formt zum Zeitvertreib.
Lebe jeder, ders verlanget,
Sterbe, wer nicht leben mag,
Was der Brüder Herz erlanget
Und verlanget, reder sag,
Was der Wein jetzt offenbaret
Sinkt in Nacht, wenn Tag uns klaret.
Nur der Augenblick sey ganz
Offner Herzen Flammenkranz.
Ich, der Becher geh im Kreise,
Lausend Geister send ich euch,
Jeder bleib bey seiner Weise,
Bin ich doch für alle reich.
Wie ein Meer ich kann euch fassen
Und die Wett sie liegt im Nassen,
Jedem wird ein Schatz gezeigt,
Dcr sein Haupt recht tief mir neigt.
Kommt ihr meine lustgen Böcke
Auf die höchste Felsenspitz,
Pflanzt mir da die schönsten Stöcke,
Daß der Wein hochtronend sitz,
Unter lichten Rebenlauben
Stoßen Ziegen sich um Trauben,
Mir zum Munde spritzt der Saft,
Alle Welt ist voller Kraft.
Ludwig Achim von Arnim.
(Die Melodie von I. F. Reichardt künftig.)
Der König ohne Volk.
Ein König auf dem Throne
Mit seinem Scepter von Gold,
Den Rath oft schlug zum Hohne,
War keinem Menschen hold.
Den Hunden an dem Tische
Der Rath die Teller hält,
Er füttert gut die Füche,
Sein Volk in Hunger fällt.
Sein Völkchen war beritten,
Er ärgert sie so bas,
Daß alle sind fortgeritren.
Da ward der König blaß.
Er konnte sie nicht halten,
Sein ganzes Volk ritt fort,
Er könnt allein nun walten
An seinem Hundeort.
»Wenn mir die Hunde bleiben
»So bin ich dennoch reich,
»Die Zeit mir zu vertreiben,
„Das andre gilt mir gleich."
Die Hunde schleckt bedienet,
Die wurden falsch und wild,
Und als er sich erkühnet,
Zerrissen sie sein Schild.
Zerrissen seinen Mantel,
Da stand er nackt und bloß,
Da sah man bey dem Handel,
Er hätt einen Buckel groß.
Du must dir Lehre fassen
Mein edler Fürstensotzn,
Wen schon die Besten verlassen,
Der sitzt nicht fest auf dem Thron.
Ludwig Achim von Arninr.



