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-em Fremdling die Beute zu entreißen. Dieser aber bat
schon den Wald VosaguS, (das alte Jagdrevier der fränki-
schen Könige WasaguS, imWasgau, von Trier, Metz
bis Straßburg hin, wie der Ardennenwald an der Mo-
sel und am Niederrhein, von Achen durch die Eyfel
bis zum Mayfeld und gegen Coblenz), und in ihm eine
Stelle, wo zwischen zweyen nahe stehenden Bergen, voir
dem Gipfel der Klippen selbst gebildet, eine enge Höhle
sich besindet. Dort ereilt ihn Günther mit den Seinen,
und weil er mit Trotz die Zumuthung verwirft, die
Schätze der Jungfrau herzugeben, beginnt nun der
Streit, so sehr auch Hagane sich bemüht, das Verder-
ben von dem König abzuwenden, von dem ihn ein Traum
telehrt, und die Wissenschaft, Sie er von der Macht und
Stärke des Helden hat. Wie aber Günther ihn des-
wegen der Feigheit bezüchtigen will, sagt er sich erbit-
tert von der Fehde los, und sicht von einem benach-
barten Hügel dem Kampfe zu. Der Streit erhebt sich
nun zwischen dem Aquitanier und den Uebrigen von
-en Zwölfen, die Günther mitgebracht; Mann vor
Mann tritt zum Kampf hervor, Kamelon von MeH
(MentcnfiS) Searamund, Wurharö, Eckefrid
der Sachse, Hadawart, Patafrid HageneS
Neffe, Gerwi.t, Randolf, alle werden sie der Reihe
«ach von Walther niedergelegt. Die übrigen, Eleu -
ter genannt Helmnod, Trogunt von Strass-
burg, Th auest von Speyer greifen nun zu der
Waffe, die Chronikschreiber der Zeit als den Fran-
ken eigenchümlich beschreiben; sie werfen einen Drey-
zack mit WiderhacLen und Stricken nach dem Aquita-
«ier, und wie er gefaßt, ziehen sie alle gemeinsam an
den Stricken, um ihn niederzuwerfen und dann zu töd-
kn. Dieser aber steht wie ein Baum den vieren, und
tödtet sie der Neihe nach, bis auf Günthern, der
die Flucht ergreift. Der König versöhnt sich nun mit
Hagane, der ohnehin über den Tod seines Neffen er-
bittert ist, und dieser giebt den Rath List zu brauchen,
zrnd durch verstellten Abzug Walthern aus seinem
Rückhalt hervorzulocken, und ihn im freyen Felde von
neuem dann anzugreifen. Günther billigt den Rath,
Walther übernachtet in der Höhle, und wie er am
Morgen weiter zieht, wird er vor, dsn Beyden überfal-
len. Es erhebt sich neuer Streit, der damit endet, daß
der Aauitanier Günthern in einem Schlage das
Schienbein nebst der Kniescheibe bis an die Hüfte spal-
tet; Hagane dann Walthern die rechte Faust ab-
haut, und dieser nun dem Franken mit dem Dolche
das rechte Auge ausstößt, und das Schlafbein bis zur
Lippe aufschlitzt und sechs Zähne ernstößt, alles wie eS
Hagancs früherer Traum ausgesagt. Nachdem sie

Has null aneinander auSgekbt, versöhnen sie sich wieder
miteinander, trinken auf der Wahlstätte scherzend über
ihre Unfälle mitten unter den umherliegenden verlornen
Gliedern, und die Franken reiten nach Worms zurück,
der Aquitanier aber nach seinem Vaterlande, und re-
giert noch dreyßig Jahre sein Volk. Fragen am zu-
nächst nach dem Zusammenhangs dieser Dichtung nm
den Nibelungen, dann finden wir auch ihn in der
merkwürdigen Wilkinasaga dargestellt. In jenem
Theile der Sage, den wir als die Paraphrase des drit-
ten Gesanges in jenem großen poetischen Kreise angege-
ben haben, kömmt auch S. "7 eine gleiche prosaische
Auflösung und Accomodation dieses Gedichtes episodisch vor.
WalthervonWaSkastein, (VaSconia hießauchAqui-
tanien) Dieterichs Neffe, ist hier gleichfals als Geisel
von Ermenrek an Attilas Hofe nebst Hildegund,
Tochter des JliaS Jarl, König von Griechenland,
nicht des Südlichen sondern jenes andern, das die nordischen
Sagen bald nach Rußland, Polen, bald nach Ost-
teutschland hin versehen, die Jungfrau daher aus dem
Geschlechte des Osantrix von Milkina land. Beyde
entfliehen auch hier mit Attilas Schätzen beladen, der
ihnen Hagane mit eilf Andern nachsendet, daß sie ihm
Walthers Kopf zurückbringen. Allo außer Hagane,
der sich flüchtet, werden im Gefecht erlegt; Walther er-
richtet dann eine Hütte im Walde, um darin zu über-
nachten, und zündet dabey ein gross Feuer an. Wie
Hagane von ferne das erblickt, schleicht er herbey und
zuckt eben sein Schwerdt gegen den Waskasteiner, wie
ihn Hildegund entdeckt und aufschreyt. Walther
wirft darauf einen Feuerbrand nach ihm, daß er nieder-
stürzt und das eine Auge in der Folge verliert; Er-
menrek versöhnt später die Liebenden wieder mit At-
tila, Walther aber wird weiterhin im Vorlaufe des
Gedichtes vonWildifer getödtet. Übermal also ha-
ben wir in diesem Gedichte eine Gliedmaße jenes großen
verschütteten poetischen OrganismS aufgefunden, der
nachdem das Leben aus ihm gewichen, nur in einzelnen
Fragmenten sich erhalten hat.
Sehen wir uns aber nach dem Alter VeS lateini-
schen Epos um, dann tritt es uns in ferne Jahrhunderte
zurück. Die Membrane, die von ihm in der großherzog-
lichen Bibliothek in Carlsruhe aufbewahrt wird, hat
dieselben Schriftzüge, wie das Fragment des ÄaSu-
bey Mabillon, gehört also dem
neunten Jahrhundert an. Ausserdem erwähnt ihrer die
Chronik deSKlosterSNovalcse, gestiftet am Anfänge des
achten Jahrhunderts am Fuße des bey
serchwi-. rer. Iwlic. lom. H, p. 2 6. 704
UNS ^mihuitates Ltalieae lom. HI Dito. 44 Lol.
 
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