Zeitung für Einsiedler — Heidelberg, 1808

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Räumen wir Euch das Gebiet; — doch wo die Geister
regieren
Still ihr Bestien da! Da lastet uns das Geschäft!

Herausforderung.
Ha warum / warum verachtest du mich
Du kalte Mut/ du der anderen Zone;
Heraus du kalte/ heraus will ich dich
Auf den Sand hier 'des bayerschen Bodens.
Ich schlage dich nieder bei allen Göttern!
Dich nieder in röthlichen Sand!
Da liegst du schon ha! von meinen Wettern
Gestürzet, da liegst du im Sand l
Wer will die Fehde „och mit mir wagen?
Heraus nur! Tausend an Wissenschaft
Schlag ich; werd alle alle euch schlagen
Mit des Willens allmächtiger Kraft!
Nun krönet mich Freunde mit grünendem Laub,
So wie es dem Sieger gehört;
Und also schlage ich jeden in Staub,
Der Bayerns Söhne nicht ehrt l
Nepom. RingSeis.

Die vier Jünglinge.
Die Sonne gehet auf mit Pracht
In königlicher Majestät/
ES steiget thürmend aus der Nacht/
Das stolze Schloß am Berg erhöht.
Und klirrend sprang auf das eherne Thor /
Die schimmernden Flügel beide zugleich;
Vier hohe Jünglinge halten davor
Auf schwarzen Rossen/ geschmücket reich.
Wie glänzet ihr silbernes Panzergeschmeide/
Wie prangen hoch oben die Helme von Gold!
Die Jünglinge glühen von muthiger Faeude /
Die Locke schwarz zu dem Harnisch rollt.
Und von des Thurms metallnem Gitter/
Das Schwcrdt zur tiefen Erd' herab /
Der altergraue ernste Ritter/
Den-Jünglingen das Zeichen gab.

Da sprengten sie auf geflügeltem Rosse
Mit Kampfes Begierde hinaus zum Thor /
Sie flogen hinfort wie schnelle Geschosse;
Doch keiner cs that den andern zuvor.
Wie der blendende Schwan durch Fluten gezogen/
Die Furche im Lichtschein lasset zurück:
So zeichnete im hellleuchtenden Bogen
Ihre Bahn ein strahlender Sonnenblick.
Und wie verlischen glimmende Funken/
Und Sternlcin verschwindend untergehn/
Die Jünglinge so hinunter funken/
Das trunkene Äug' möcht' lange sie sehn.
Sebastian Ringseis.

D e r F l u ß.
In der Felsen Tiefen bin ich erzogen /
An dem Gewalt'gen hab ich lang gesogen:
Sah/ wie dem Himmel göttliche Mächte entsteigen.
In der heiligen Nacht/
In den tiefesten Schacht
Und der Erd in Liebe sich neigen.
Drum aus der Felsen kräftigen SchooS,
Rist ich mich jugendlich los/
Die Wunder der Welt zu verkünden /
Die ich sah in der Erden untersten Gründen.
Auf den crystallen leuchtenden Wellen
Schon die Lichtgeister spielen/
Scherzend die Fluchen durchwühlen /
In heißer Liebe sich kühlen;
Sich gatten und mischen/
Und wie glimmende Funken erlöschen.
Aber auS blauer/ tief sich wölbender Ferne
Schauen herauf/ wie Geister/ die ewigen Sterne:
Und cs ziehet den Geist ein inniges Sehnen hinab,
Wie zur Geliebten ins heilige Grab:
Doch aus dunkelem Grunde
Vernimmt er die göttliche Kunde;
Im Wasser/ im Wasser wohnet die Liebe,
Gesättigt sind hier alle irdischen Triebe /
Was entbrannt im verzehrenden Hassen,
Muß glühend und beiß sich umfassen,
Und der Liebenden brennende Wuth
Schmilzt in der heiligen Fluth. —
Da erhebt sich der Schwan mit Hellem Gesiedet,
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