Zeitung für Einsiedler — Heidelberg, 1808

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. alte wüste Kirche auf dem Hunos^ck, setzte
ikn nieder und sprach: Nächst^F sogst Lu gute Gesell»
schall haben, ich will ausschrerh^ alle Land, daß du
eine Gesellschaft angelegt, 'und daß bey dir sieben fteye
Künste da sitzen und een Hütchen auf haben, auch zeigte
er ihm einen Keller, darinn lag Commißbrod, Bier,
Brantwein, Tabak und Pfeifen, der gut Bernhäuter
war froh, und thät sich ein Gutes in solcher Buchkam-
nier. Es währte nicht lang, so erhielt er auch einen gu-
ten Zulanf, denn die aus dem Himmel vertriebenen
Thiere konnten LeS irdischen Lebens nicht mehr gewöh-
nen, und da damals die Welt voll Philister war, wel-
chen die Bestien die Nase zu hoch trugen, so kamen sie
nach und nach alle zu dem Bernhäuter, und hatten sie
da eine Gesellschaft zusammen, deren Spuren noch
ewigen Tagen anhängen werden; auch sind in jener
Zeit mancherlei) Ausdrücke und Mores aufgekom-
men, z. B. auf dem Hund seyn, ein ochsicher Kerl,
Kraß (von St. Oswald Naben) einem einen Esel boh-
ren, auch die Eselsohren in den Büchern, die ledernen
Hosen u.s. w. die Mäuse aber hüteten der Buchkammer.
Alle diese Lhicrlein hatten, wie oben gemeldet, den Gän-
sen bey ihrem Auszug einige Federn ausgerupft, und
brachten sie dadurch das Necensiren auf, weil sie münd-
lich nicht genug mit der Sprache fort konnten. Da sich
die Anstalt sehr erweiterte, wurden auch manche ordi-
naire Weltthiere zum Unterricht gelassen, und ist sehr
merkwürdig, daß dorten nicht allein die so verschiedenen
Lesearten, sondern sogar sehr viele Sprachen entstanden.
Hch erwähne! hier nur der Böhmischen, wie ich eS in einer
alten Fuhrmannstasche mit goldnen Buchstaben beschrie-
ben gelesen habe. Eine Gans, eine Ente, und eine
Taube hatten bey dem Bernhäuter absolvirt, und rei-
sten, ihre Testimonia in der Tasche, nach Böhmen,
allwo den Menschen dazumal die Sprache noch ein böh-
misches Dorf war, und winkten sie sich verständlich zu
machen, einander mit dem Scheuerthor. Als die drey
nach Hauß kamen, ließen sie ihr Lichtlein leuchten, und
singen mit dem Bierbrauen an. Sie schleppten an Ger-
sten und Waihen zusammen, was sie bekommen konn-
ten, und sotten es, da man aber kein Vertrauen zu ih-
nen hatte, singen sie an, ihren neuen Trank selbst aus-
Mufen, die Gans, wegen ihrem langen Kragen und
ihrer Hellen Stimme, übernahm dieses. Sie lief durch
alle Oerter und schrie laut, biba, biba, d. h. Bier, die
Ente wackelte eilends mit ihren kurzen Beinen nach und
sprach dacke dobersse, dackdack, dackdack, dacke dobersse
- h. das ist gut, das ist gut. Mit der Taube aber,
a s der schwächsten, die unterdessen zu Hauß geblieben
war, spielten sie der Untreue, und gaben ihr ihren

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Theil in einem enghalsigen Glase, -a sie aber nichts
herauskriegen konnte, ward sie zornig und lief um die Fla-
sche fluchend herum, Gepsphi corua matir, Gepsphi
corua matir, -. h. deine Mutter war eine Dirne. Und
also ist aus diesem und andern Gespräch in Handel
und Wandel dieser drey die böhmische Sprache entstan-
den. Auch ist noch zu bemerken, daß der AuSruf der
Schulmeister, wenn die Kinder im Geschmack der älte-
sten Urkunden schreiben, sie machten allerley Hüuerfüße,
von jenem Institute herrührt, denn die Hüner lehrten
dort die Kalligraphie. Da aber bey Mangel des Papiers
bloS auf den schönen weißen Schnee, und in die weiche
Erde geschrieben wurde, sind jene herrlichen Dokumente
für die Diplomatik verlohren gegangen, im Jahr als
man sang: Drey Wochen uach Ostern, da geht der
Schnee weg, da Heurat ich mein Schätzet, und du hast
den —.
fDie Fortsetzung künftig.)

DaS Lied von der Frau Grimhild.
Aus rcm Dänischen von Wilhelm Grimm.

Das war Vie stolze Frau Griemhild, die ließ mischen Meth
und Wein,
Sie lud die raschen Helden all, ans fremdem Lande ein.
Sie hat sie zu kommen ohn Weilen zum Kampf wohl und zum
Streit,
Das war der Held Hagen, der verlor feinen jungen Leib.
Das war der Held Hagen, der ging aus zum Strand,
Fand da den Fährmann, wohl an dem weißen Sand.
Hör du guter Fährmann, o fahr mich übe^ den Sund,
Ich geb dir meinen guten Goldriug, der wieget fünfzehn Pfund.
,! Ich fahre dich nicht übern Sund, all für dein Gold so roth
Kommst du in Hunnilds Land, da blerbst du, geschlagen zu todt."
Das war der Held Hagen, der sein Schwerdt auszog,
Das war der unscelige Fährmann, dem er das Haupt abschlug.
Er zog Len Goldring von seinem Arm, er gab ihn Fährmanns
Weib:
Das sollst du Haden zur Liebesgabe, für Fährmann's jungen Leib.
Da wandelt der Held Hagen auf und ad an dem Strand;
Fand da eine Meerfrau, die ruht auf dem weißen Sand.
Heil dir! Heil dir! liebe Mrersrau, du bist ein künstlich Weib:
Komm ich in Hunnilds Land, kann ich behalten meinen Leib?
„Burgen hast du mächtig, auch vieles Gold so roth.
Kommst du in Hunno's Land, dorr wirst du geschlagen zu tvdk.«
Das war der Held Hagen, der schnell sein Schwerdt auszog.
Das war die unseelige Meerftau, der er das Hanpt abschlug.

6^!
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