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Bibliothek des Kapuzinerkonvents in Klagenfurt.
Bibliothek des Kapuzinerkonvents in Klagenfurt.
22
Illustrierte Historienbibel1); deutsch, Folio, XV. Jahrh.
eh., 280X410, 366f. Gotische Kursive in zwei Kolumnen, rote und blaue Majuskeln am Anfang der Abschnitte, farbige und vergoldete
Initialen am Anfang der einzelnen Bücher, zahlreiche leicht angetuschte Illustrationen in Federzeichnung. Originaleinband, Holzdeckel, braunes,
gepreßtes Leder, getriebene, gravierte, durchbrochene Beschläge, zwei Schließen (abgerissen).
Wohl Österreichische Arbeit des XV. Jahrhs. Zur Geschichte dieses Stils vgl. H. Tietze, Jahrbuch der Zentralkommission, N. F. Bd. III, 2,
Sp. 61 ff. — f.l unten: »Loci Cappucinorum Villaci.«
f. 1: (Das puech der geschopff.) Große Initiale H, rosa,
Blätterwerk in den Schäften, Grund außen gepunztes Gold,
innen grün, rautenförmig gemustert.
f. 4: Miniatur: Gott erschafft die Engel. Federzeichnung,
nur die Schatten farbig angetuscht. Das Bild ist mit einem
karminroten Rand umzogen, auf einer Wiese vor Luftgrund
steht Gott (Christustypus), lilafarbig gekleidet, karminroter Mantel,
gelber, rotgekreuzter Nimbus, die Rechte im Befehlsgestus, die
Linke offen, winkend. Vor ihm schweben in einer rotbraunen
Glorie die Engel, Halbfiguren mit gefalteten Händen.
f. 4‘: Der Sturz der abgefallenen Engel. Links der Herr-
gott thronend, rechts der Höllenrachen, aus dem Feuer hervor-
sprüht und in den die abtrünnigen Engel, allen voran Luzifer mit
seinem Thron, hineinstürzen.
f. 7: a) Gott scheidet Licht und Finsternis, angedeutet
durch ein gelbes und ein schwarzes Viereck am Himmel,
zwischen denen der Herrgott steht.
b) Gott schafft die Sterne.
c) Gott teilt die Wasser. Man sieht ihn auf einer
grünen Insel im Meere stehen.
f. 7‘: a) Gott schafft die Pflanzen.
b) Gott schafft Sonne und Mond.
f. 8: Gott schafft zu Sonne und Mond noch die
kleinen Lichter.
f. 8': a) Gott schafft die Vögel und Fische.
b) Gott schafft die Tiere des Waldes. Man sieht Schlan-
gen, Kröten, Hasen, Hirsch, Einhorn, Löwen und Elefanten.
f. 9: Gott schafft den Menschen.
f. 9‘: Gott bildet die Eva aus der Rippe des Mannes.
f. 12': Der Sündenfall.
f. 14: Die Vertreibung aus dem Paradies. Links ist
durch Bäume das Paradies angedeutet. Rechts ein Tor, durch
das der gelbgekleidete, mit einem roten Mantel umhüllte, rot-
i) Der Band enthält eine Paraphrase
und fortgesetzt in einer Art Chronik
Mitteilung Prof. Dvoraks im Wiener
Verein, 100, 101).
grün beflügelte Erzengel mit dem Schwert die in härene Ge-
wänder gehüllten Menschen hinaustreibt.
f. 19: a) Das Opfer der Söhne Adams. An einem
Altar knien links Abel, blau gekleidet mit roten Hosen, bartlos,
in den Händen ein Lamm; rechts Kain, rot gekleidet, blaue
Hosen, bärtig, spitze Mütze, in den Händen ein Garbenbündel.
Über dem Abel ragt die Hand Gottes aus den Wolken, Kains
Garbenbündel ergreift ein aus der Luft herabfahrender, katzen-
förmiger Teufel.
b) Kain (rechts stehend) mit einem hochgeschwungenen
Knüttel erschlägt den Abel, der auf dem Boden liegt, die
rechte Hand unter dem Kopf, aus einer Kopfwunde blutend.
f. 20‘: Kains Tod. Der schwachsichtige Lamech er-
schießt ihn aus Irrtum auf der Jagd. Rechts, halb verdeckt im
Gebüsch steht Kain, in seiner Brust steckt Lamechs Pfeil.
Links erschlägt Lamech, rot gekleidet, seinen blaugekleideten
Knecht mit dem Bogen, aus Zorn darüber, daß er ihn nicht
rechtzeitig gewarnt habe.
f. 26': Man sieht auf der Flut die Arche schwimmen.
Durch ein Fenster blickt Noah der Taube entgegen, die mit
einem Zweig im Schnabel zurückkehrt.
f. 27': Initiale D, blau, mit Blätterwerk, Grund rosa,
goldfloriert.
f. 29: Noahs Trunkenheit. Links liegt Noah mit ent-
blößter Scham, rechts seine drei Söhne. Sem hebt den Mantel,
um den Vater zu bedecken.
f 31‘: Der Turmbau zu Babel. Rechts das Gebäude.
Ein Arbeiter behaut Steine, einer trägt ein Mörtelschaff über
eine Leiter, einer mauert.
f. 33: Die Ermordung der Semiramis durch ihren Sohn
Ninus. Links liegt die Königin im Bett, sie versucht ihren
Sohn am Mantel zu sich ins Bett zu ziehen, Ninus macht sich
los und ersticht die Königin mit dem Schwert (Fig. 21).
aus der heidnischen Sage und Geschichte
Ein ähnlicher Kodex befindet sich nach freundlicher
Hss. sind gedruckt bei Merzdorf, Historienbibeln (Stuttgart, Lit.
der biblischen Erzählung, unterbrochen durch »Incidentia«
Kaiser
und Päpste bis
auf Kaiser Konstantinus
Schottenkloster. Zwei entfernt ähnliche
Bibliothek des Kapuzinerkonvents in Klagenfurt.
Bibliothek des Kapuzinerkonvents in Klagenfurt.
22
Illustrierte Historienbibel1); deutsch, Folio, XV. Jahrh.
eh., 280X410, 366f. Gotische Kursive in zwei Kolumnen, rote und blaue Majuskeln am Anfang der Abschnitte, farbige und vergoldete
Initialen am Anfang der einzelnen Bücher, zahlreiche leicht angetuschte Illustrationen in Federzeichnung. Originaleinband, Holzdeckel, braunes,
gepreßtes Leder, getriebene, gravierte, durchbrochene Beschläge, zwei Schließen (abgerissen).
Wohl Österreichische Arbeit des XV. Jahrhs. Zur Geschichte dieses Stils vgl. H. Tietze, Jahrbuch der Zentralkommission, N. F. Bd. III, 2,
Sp. 61 ff. — f.l unten: »Loci Cappucinorum Villaci.«
f. 1: (Das puech der geschopff.) Große Initiale H, rosa,
Blätterwerk in den Schäften, Grund außen gepunztes Gold,
innen grün, rautenförmig gemustert.
f. 4: Miniatur: Gott erschafft die Engel. Federzeichnung,
nur die Schatten farbig angetuscht. Das Bild ist mit einem
karminroten Rand umzogen, auf einer Wiese vor Luftgrund
steht Gott (Christustypus), lilafarbig gekleidet, karminroter Mantel,
gelber, rotgekreuzter Nimbus, die Rechte im Befehlsgestus, die
Linke offen, winkend. Vor ihm schweben in einer rotbraunen
Glorie die Engel, Halbfiguren mit gefalteten Händen.
f. 4‘: Der Sturz der abgefallenen Engel. Links der Herr-
gott thronend, rechts der Höllenrachen, aus dem Feuer hervor-
sprüht und in den die abtrünnigen Engel, allen voran Luzifer mit
seinem Thron, hineinstürzen.
f. 7: a) Gott scheidet Licht und Finsternis, angedeutet
durch ein gelbes und ein schwarzes Viereck am Himmel,
zwischen denen der Herrgott steht.
b) Gott schafft die Sterne.
c) Gott teilt die Wasser. Man sieht ihn auf einer
grünen Insel im Meere stehen.
f. 7‘: a) Gott schafft die Pflanzen.
b) Gott schafft Sonne und Mond.
f. 8: Gott schafft zu Sonne und Mond noch die
kleinen Lichter.
f. 8': a) Gott schafft die Vögel und Fische.
b) Gott schafft die Tiere des Waldes. Man sieht Schlan-
gen, Kröten, Hasen, Hirsch, Einhorn, Löwen und Elefanten.
f. 9: Gott schafft den Menschen.
f. 9‘: Gott bildet die Eva aus der Rippe des Mannes.
f. 12': Der Sündenfall.
f. 14: Die Vertreibung aus dem Paradies. Links ist
durch Bäume das Paradies angedeutet. Rechts ein Tor, durch
das der gelbgekleidete, mit einem roten Mantel umhüllte, rot-
i) Der Band enthält eine Paraphrase
und fortgesetzt in einer Art Chronik
Mitteilung Prof. Dvoraks im Wiener
Verein, 100, 101).
grün beflügelte Erzengel mit dem Schwert die in härene Ge-
wänder gehüllten Menschen hinaustreibt.
f. 19: a) Das Opfer der Söhne Adams. An einem
Altar knien links Abel, blau gekleidet mit roten Hosen, bartlos,
in den Händen ein Lamm; rechts Kain, rot gekleidet, blaue
Hosen, bärtig, spitze Mütze, in den Händen ein Garbenbündel.
Über dem Abel ragt die Hand Gottes aus den Wolken, Kains
Garbenbündel ergreift ein aus der Luft herabfahrender, katzen-
förmiger Teufel.
b) Kain (rechts stehend) mit einem hochgeschwungenen
Knüttel erschlägt den Abel, der auf dem Boden liegt, die
rechte Hand unter dem Kopf, aus einer Kopfwunde blutend.
f. 20‘: Kains Tod. Der schwachsichtige Lamech er-
schießt ihn aus Irrtum auf der Jagd. Rechts, halb verdeckt im
Gebüsch steht Kain, in seiner Brust steckt Lamechs Pfeil.
Links erschlägt Lamech, rot gekleidet, seinen blaugekleideten
Knecht mit dem Bogen, aus Zorn darüber, daß er ihn nicht
rechtzeitig gewarnt habe.
f. 26': Man sieht auf der Flut die Arche schwimmen.
Durch ein Fenster blickt Noah der Taube entgegen, die mit
einem Zweig im Schnabel zurückkehrt.
f. 27': Initiale D, blau, mit Blätterwerk, Grund rosa,
goldfloriert.
f. 29: Noahs Trunkenheit. Links liegt Noah mit ent-
blößter Scham, rechts seine drei Söhne. Sem hebt den Mantel,
um den Vater zu bedecken.
f 31‘: Der Turmbau zu Babel. Rechts das Gebäude.
Ein Arbeiter behaut Steine, einer trägt ein Mörtelschaff über
eine Leiter, einer mauert.
f. 33: Die Ermordung der Semiramis durch ihren Sohn
Ninus. Links liegt die Königin im Bett, sie versucht ihren
Sohn am Mantel zu sich ins Bett zu ziehen, Ninus macht sich
los und ersticht die Königin mit dem Schwert (Fig. 21).
aus der heidnischen Sage und Geschichte
Ein ähnlicher Kodex befindet sich nach freundlicher
Hss. sind gedruckt bei Merzdorf, Historienbibeln (Stuttgart, Lit.
der biblischen Erzählung, unterbrochen durch »Incidentia«
Kaiser
und Päpste bis
auf Kaiser Konstantinus
Schottenkloster. Zwei entfernt ähnliche



