Eitelberger von Edelberg, Rudolf
Die Kunstbewegung in Oesterreich seit der Pariser Weltausstellung im Jahre 1867 — Wien, 1878

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i SAMMLUNGEN DES ALLERHÖCHSTEN KAISERHAUSES.

„vnnser Truhen mit allerley Allten Münntzen vnd Antiquitäten, welche
wir auch vnnseren geliebten Sun Khünig Maximilian zue ordnen mit
diser beschaidenhait. das Sein Lieb dieselben vntzertrennt bei ainander
behallten vnd verwaren soll. Dann ob woll solche Münntzen dem
Goldt, Silber vnd anndern Metallen nachzuraitten aines gar schlechten
geringen Werdts seinn. So achten wir Sy doch Ihrer Elite vnd man-
cherlav Sorten auch Ordnung halb . woll wirdig das Sy an aines
Schatz stat behallten werden." Deutlicher spricht das aus dem Jahre
1594 stammende Codicill des Erzherzogs Ferdinand von Tirol, des
Stifters der Ambraser Sammlung: „alles und jedes soll in guten Würden,
ohne Schmälerung, sauber und fleissig zusammengehalten, wohl ver-
wahrt, gemehrt und gebessert werden, und also stätig, von guten
Gedächtniss und Zier wegen, verbleiben."

Durch die Worte: „von Gedächtniss und Zier wegen" ist sattsam
ausgedrückt, wie sehr der Erzherzog durch seine Kunstsammlung für
den Nachruhm seines Hauses zu sorgen bestrebt war. Aehnliche Ver-
fügungen rinden sich im Testamente der Erzherzogin Maria von
Steyermark ddo. 1. August 091 und Ferdinand's II. ddo. 10. Mai 1621.

Dem entsprechend liegt es auch in der Bestimmung dieser kaiser-
lichen Privat-Museen, nur solche Objecte zur Anschauung zu bringen,
welche von hervorragendem historischen oder künstlerischen Werthe
sind, ohne dass ausschliesslich Rücksicht darauf zu nehmen wäre,
dass die ganze Entwicklungsgeschichte einer Kunstperiode durch mög-
lichst zahlreiche Objecte repräsentirt sei, oder gar vorhandene Lücken
des instructiven Zweckes halber durch mittelmässige Gegenstände, oder
auch zum Zwecke der Vergleichung gar durch Gypsabgüsse ausgefüllt
werden. Die kaiserlichen Kunstsammlungen sind keine Anstalten,
welche dem elementarisch - kunstgeschichtlichen oder archaeologischen
Anschauungsunterrichte oder der Kunstübung zu dienen haben —
eine solche rein didaktische Bestimmung ausschliesslich zu verfolgen,
ist Aufgabe des dazu verpflichteten Staates — sondern sie sollen , vom
wissenschaftlichen Gesichtspunkte verwerthet, durch ihre hervorragenden
Kunstwerke hauptsächlich für die Kunstforschung eine reiche und un-
getrübte Quelle sein. Für den Fachmann genügt ohnehin die oft ein-
seitige Anschauung eines Museumsdirectors über das Mass der Voll-
ständigkeit nicht — für ihn bilden erst alle Museen der Welt die
möglichst complete Sammlung, das Ziel des für die Wissenschaft
Erreichbaren.

Die neue Organisation zielt dahin, durch eine aus dem Wesen
der Sammlungen folgerichtig sich ergebende systematische Gliederung
für die fernere, nur durch Specialstudien erreichbare intensive wissen-
schaftliche Entwicklung freie Bahn zu schaffen.
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