Eitelberger von Edelberg, Rudolf
Die Kunstbewegung in Oesterreich seit der Pariser Weltausstellung im Jahre 1867 — Wien, 1878

Page: 69
Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/eitelberger1878/0079
License: Creative Commons - Attribution - ShareAlike Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
STAATSDRUCKEREI.

69

Zieht man einen Schluss aus den verschiedenen Berichten, welche
über die Betheiligung der Staatsdruckerei an der zweiten Pariser Aus-
stellung erschienen sind , so werden wir den Charakter der Anstalt in
jener für sie wichtigen und bedeutenden Epoche kaum anders definiren
können als wie folgt: Sie war auf einer hohen Stufe der Kunstfertig-
keit und industriellen Thätigkeit angekommen, die wirkenden Kräfte
in ihr waren lebendig geblieben, trotzdem derjenige aus ihr geschieden
war, welcher so lange ihr spiritus agens et rector gewesen; aber die
von oben her vorgeschriebene stricte Oekonomie hatte einen erblei-
chenden Schimmer über die Strahlenkrone des Ruhmes gebreitet, von
der sie bis dahin umgeben gewesen war. Glanzvolles Auftreten ist
unverträglich mit nüchterner Sparsamkeit. Dasjenige, was man seither
mit Unrecht den Rückgang der Staatsdruckerei — in ungerecht-
fertigtem Vergleich mit der Glanzzeit der Vierziger- und Fünfziger-
Jahre — genannt hat, war schon als eine nothwendige Folge der theil-
weisen Unterbindung der wichtigsten Arterien in der letzten Zeit der
Leitung des Hofrathes Au er zu Tage getreten.

Es war keine geringe Aufgabe, nach dem Rücktritte Auer's die
Leitung der Staatsdruckerei zu übernehmen; aber sie wurde noch weit
schwieriger durch die streng vorgezeichnete Marschroute, die der neue
Vorstand mit auf den Weg bekam. Wenn er trotzdem es verstanden
hat, nicht nur in allem Wesentlichen das Institut auf der über-
kommenen Höhe zu erhalten, sondern trotz der weit geringeren Actions-
freiheit, die theils durch gesteigerte materielle Ansprüche des Staates
an die Leistungsfähigkeit der Anstalt, theils durch directe Beschränkung
der künstlerischen Aspirationen gebunden war, in einigen wichtigen
Zweigen Verbesserungen und Vervollkommnungen durch- und neue
Productionsarten einzuführen: so scheint uns dies in der That alles
Lobes werth.

Und Solches ist geschehen. Die Anstalt hat nicht nur, wie ihre
Publicationen seit der Pariser Ausstellung von 1867 für Jedermann,
der nicht voreingenommen auf ihre Leistungen sieht, erweisen, ihre
grossen Traditionen bewahrt und ihre Kunstfähigkeit ungeschmälert
erhalten, sie hat auch Neues, was sogar auf der Pariser Ausstellung
von 1867 vermisst worden war, seither geleistet. Nicht die Qualität
ihrer Arbeiten, sondern einzig deren Quantität hat sich seither ver-
ringert, wenngleich auch diese letztere fast Staunens werth ist in
Hinsicht auf die so wesentlich geänderten Verhältnisse. Auch heute
noch ist ihr „Erzeugniss imposant", wie der Pariser Bericht von
damals sagte, und wenn ihr _, Verlag" sich etwa in der That ver-
ringert hat, so kann dies nicht der Leitung des Institutes zur Last
gelegt werden.
loading ...