Karl & Faber [Editor]
350 ausgewählte Manuskripte und Bücher (Katalog Nr. 42) — München, 1930

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Antiquariats-Katalog Nr. 42

235 SWEERT (EMANUEL). Florilegium, tractans de variis floribus et aliis
indicis plantis, ad vivum delineatum, in duabus partibus et quatuor lin-
guis concinnatum. Francofurti a./M., apud Antonium Kempner 1612.
(1615) Fol. M. hübsch. Kpfrttl., ganzseit. Portraitstich d. Verfassers u.
110 ganzs. Kupfertaf. Ldrbd. 180.—
Graesse VI, 534; Pritjel 9073.
Hauptwerk des berühmten holländischen Botanikers in einem sehr gut er-
haltenen, unkolor. Exemplar.
Die 110 sehr schön gestochenen blattgroßen Kupfertaf. bringen über 600
Pflanzendarstellungen.
236 THEOPHRASTUS. Dell’historia delle piante libri tre, trad. da Michelan¬
gelo B i o n d o Medico, essendo la sua dottrina molto necessaria ai Ret-
tori di corpi humani, et a quei ehe trattanro li rimedii. Vinegia, Biodo,
1549. Kl.-8°. M. hübsch. Holzschn.-Initialen. 24.—
Selten! Pritjel 9191. Choulant S. 59 u. Ebert 22849 Anm. führen als Italien.
Ausgabe nur diese an.
Manuscripte
237 AENEAS SILVIUS (PICCOLOMINI) .Libellus institutionum für den Kö¬
nig Ladislaus Posthumus. Abschrift im Auftrag des Johannes Hin-
d e n b a c h, Bischof von Trient, für die Kaiserin Leonore, Gemahlin
Friedrich III. P g t - M s. aus d. J. 1466. 4°. Frontisp. 8 Bll. Vorrede, 1
w. Bll. 64 Bll. Text. 2 w. Bll. M. reich. Miniaturenschmuck: Ganzseit.
Frontispice, 2 ganzseit. Bordüren u. 40 klein. Miniaturen (Initialen mit
Ausläufern). Ldr.-Einbd. d. Zt. mit hübsch. Fileten (teilw. beschädigt;
Schließen fehlen). 4800.—
Das „Libellus institutionum“ hat Aeneas Sylvius, der spätere Papst Pius II.,
in einem nicht angegebenen Jahr (er nennt sich Bischof von Trient, noch nicht
Bischof von Siena, also wohl um 1448) im Dienste Kaiser Friedrich III. stehend,
auf Bitten des Erziehers des jungen Königs Ladislaus Posthumus verfaßt und
diesem zum Weihnachtsfest geschenkt. Es enthält Ratschläge für körperliche,
religiös-kirchliche u. intellektuelle Erziehung, über Ausgestaltung des Unter-
richts, über die Wichtigkeit der „sieben freien Künste“ ect., sicherlich ein
H auptdokument für das Ausbildungsideal des Humanis-
mus.
Unser (Aulendorfer) Exemplar ist eine Abschrift nach dem im Besitj des
„Cardinalis Senensis“ befindlichen u. von Aeneas selbst corrigierten Originales,
welche Johannes Hindenbach, Freund des Autors u. sein Nachfolger
auf dem Bischofsstuhl von Trient, Zeuge d. Kaiserkrönung u. Hochzeit Fried-
rich III. (s. a. A. D. B. XII, 457) für den siebenjährigen Prinzen Maximi-
lian, den späteren Kaiser, anfertigen ließ u. am 14. Mai 1466 der Kaise-
rin Leonore verehrte.
Andere Abschriften sind uns nicht bekannt.
Es ist selbstverständlich, daß dieses Manuscript, das für die Kaiserin bestimmt
war, einen besonders schönen Miniaturenschmuck erhielt. Eine reiche
prachtvolle Bordüre rahmt das Frontispiz ein: Putten, in einer italienischen
Hofanlage, beim Pflücken u. Keltern der Trauben. Darüber Putten, die einen
mit der kaiserlichen Krone gezierten Lorbeerkranz halten, in dem sich die
kaiserl. königl. Wappen befinden.

Karl & Faber, Antiquariat, München NW 2, Max-Joseph-Straße 7
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