Fliegende Blätter — 150.1919 (Nr. 3832-3857)

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And oljnr Landern schluckt er, still ergeben,

Den mohurntsprofl'nrn, wunderbaren Trank,
löald steht man ruhig seine Gruft sich heben.

Lr schlaft. Dir sstannr flüstert: „Gott sei Dank!"
Lang forscht noch in den eingrfall'nrn Lugen
Ihr Glich besorgt beim matten Lamprnglanj.

Dann darf auch sie des Schlummers Wacht sich fügen.
Der tzanü entgleitet sacht der Kosenkranz.

So ruhen beide, tief und traumurrlaren,

Der bleiche Wann, die fromme Himmelsbraut,

Gis, von des Worgens Gosrnschein geboren,

Der erste Sonnenstrahl ins Fenster schaut.

„Ach!" .. . Leise regen sich die matten Glieder.

Dir sSflrgrrin erwacht, fragt liebevoll:

„Wir grht's?" Der kranke schlicht dir Augen wieder.
„Schön war es! Wie ich das nur schildern soll?"
„Was?" fragt die Könne — und durch ihre Seele
Luckt der Gedanke: „Ist sein Geist verwirrt?".. .

„Ja, schön! Dah ich es nur geschwind erzähle,

Grvor Lrinnerung vrrblastt und irrt:

Lin Werr von Glitten sah ich vor mir wogen,

Auf lichtem Grün weist, rot und violett.

Tautropfen glitzerten. Die Gienen flogen
And wühlten wohlig sich ins üuft'ge Grtt.
Wohnblumrn waren es. Wie ich's vernommen,

Ich weist nicht. Aber plötzlich fühlt' ich's klar:

Der heiltrunk war von jenem Feld gekommen,

So blüht' es einst, so reich und wunderbar.

Aatur, Aatur, wie hüllst du deine Gaben
In Schönheit rin, vor der entzückt wir steh'n! . . ."
„jflicht so viel reden, lieber Herr! Wir haben
Aach Kühe nötig! Gald wird's besser grh'n.

Still, bitte, jetzt! Die Glocke ruft zum Grtrn." —

Doch eh' sie sich bekreuzt, denkt sie geschwind:

„Da sieht man'g einmal wieder: Dir Korten!

Was das für wunderliche Leute sind!" ...

Iffl. Holthausen.

Ein Unzufriedener.

„I' pfeif' auf den Achtstundentag, wennst die andere Zeit
verheiratet bist!"

was das Christkind seiner Mutter zu
Weihnachten schenkte?

(ALA^arum lief nur das Lhristkind gar so versonnen umher?
Morgen war weihnachtsfest und nun hatte es heute einem
armen Teufel, der mit zerrissenen Schuhen die Milchstraße
entlang pilgerte, seinen letzten Keller geschenkt und wußte jetzt
nicht, wovon dem Mütterlein etwas kaufen.

Da, gegen Abend, fiel ihm was ein. Rasch holte es sich aus
Großmutters Nähkasten einen kräftigen Faden, dazu eine derbe
silberne Stopfnadel, nahm sein Schmetterlingsnetz über die Schulter
und huschte mit hurtigen Flügelschlägen über den Zaun.

Zwei, drei Stündchen trieb es sich draußen herum; dann hatte
es, was es wollte: Ani nächsten Morgen da bracht' es der Mutter
ein gar prächtiges Angebinde, eine funkelnde Rette, eine Kalskette
aus großen glitzernden Kerlen. Du lieber Kimmel, was hatte das
Rind da aufgefädelt I

Sterne hatte es weggefangen, rote, grüne, blaue und goldene,
den Ai o n d dazu und viele Dutzend glimmende Meteore als
Füllsel, die wie Fenerrädchen sich um die Schnur drehten. — Das
alles hatte es mit seinem Netze erbeutet, mir nichts dir nichts mit
der Nadel durchstochen und vergnügt auf den Faden gezogen.

„Das ist ja eine nette Bescherung!" wehklagte die Mutter-
gottes ganz aufgeregt. „Flink, flink, daß mir's nur wieder in
Brdnung bringen!" Und schon hatte sie mit der Schere den Faden
zerschnitten. — Da rollte und purzelte alles durcheinander, daß
dem Rinde das Wasser ins Auge schoß.

„wie sollen wir bloß das alles wieder an seinen Klatz bringen!"
jammerte Maria und rang ihre schlanken Kände.

Aber so stark wirkte das Gesetz, das ein jedes Gestirn in sich
beschlossen trug — der gewaltigste Ball wie das winzigste Rügel-
chen — daß ein jedes von selbst dorthin rollte und schwebte, wohin
Gottes Wille es bei der Schöpfung gestellt hatte.

Uber ein Weilchen zog jedes wieder sicher und ruhevoll feine
Bahn. — Maria aber lächelte liebevoll und küßte dem Rnaben
die Tränlein von der Wange.

Reinhard Volker.

Man kann in Geld- lind auch in andern Sachen
Bei vielen Menschen die Erfahrung machen:

Als Schuldner sind sie zaudernd, zäh und flau,
Als Gläub'ger sind sie pünktlich tind genau.

°>8>b einer gebildet ist, lehrt uns erst ein längerer Verkehr; ob
einer bloß eingebildet ist, das merkt man gleich.

Kwar ist es häufig sehr nützlich,

Ztvci Eisen im Feuer haben zu können.

Doch manchmal ist es auch kitzlich:

Man kann sich nämlich an beiden verbrennen.

Ach lob' mir den offenen Grobian
Mit gleicher Münze kann man ihm an!
Gefährlicher stets sind mir die erschienen,
Die grob sind mit verbindlichen Mienen.

Aas Alter ist ein Übel,
Von dem kein Arzt kuriert,
Ist eine arge Krankheit,
Die täglich schlimmer wird.

Kein Mittel gibt's dagegen
Es gibt nur zwei Arznei'n,
Die dieses Leiden mildern:
Erinnerung und Wein.

Aimm, was du selber hältst von dir
Und was dein Nächster meint sodann —

Der Durchschnitt beider Werte gibt

Dir ganz genau den cig'nen an. «. e. w.

Werk/Gegenstand/Objekt

Titel

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"Spaene Splitter"
Weitere Titel/Paralleltitel
Serientitel Serientitel
Fliegende Blätter
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Inschrift/Wasserzeichen

Aufbewahrung/Standort

Aufbewahrungsort/Standort (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Inv. Nr./Signatur
G 5442-2 Folio RES

Objektbeschreibung

Objektbeschreibung
Verschlagwortung

Maß-/Formatangaben

Auflage/Druckzustand

Werktitel/Werkverzeichnis

Herstellung/Entstehung

Künstler/Urheber/Hersteller (GND)
Sattler, Joseph
Entstehungsdatum
um 1918
Entstehungsdatum (normiert)
1913 - 1923
Entstehungsort (GND)
München

Auftrag

Publikation

Fund/Ausgrabung

Provenienz

Restaurierung

Sammlung Eingang

Ausstellung

Bearbeitung/Umgestaltung

Thema/Bildinhalt

Thema/Bildinhalt (GND)
Karikatur
Satirische Zeitschrift

Literaturangabe

Rechte am Objekt

Aufnahmen/Reproduktionen

Künstler/Urheber (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Reproduktionstyp
Digitales Bild Digitales Bild
Rechtsstatus
CC BY-SA 4.0 CC BY-SA 4.0
Creditline
Fliegende Blätter, 150.1919, Nr. 3834, S. 22 Universitätsbibliothek Heidelberg
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