Fliegende Blätter — 17.1853 (Nr. 385-408)

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Die beiden Seekrebse.

An einem schönen Maimorgen, das Meer war rnhig und
klar, fuhr ein Matrose, zerstreut und nachdenkend, langsam in
seiner Barke daher; es war Marcel, ein wackerer Bursche,
der nach mehreren Jahren, die er dem Staat gedient hatte,
zu seiner alten Mutter zurückgekehrt war, und an der Küste,
wo sein kleiner Garten lag, den Fischfang betrieb.

Während er so dahinruderte, träumte Marcel von vielen
Dingen. Er dachte an Katharine, ein junges Mädchen im
benachbarten Dorfe, die er liebte. Katharine belohnte ihn
mit einer zärtlichen Gegenliebe, und Marcel verdiente sie wohl,
denn er war eben so gut als brav. Mehr als ein Fahrzeug,
das dem Untergange nahe war, hatte ihm seine Rettung zu
verdanken; auch hätte der unerschrockene Matrose das Kreuz
der Tapfern erhalten, wenn man nicht schon eine allzngroße
Anzahl unter eine Menge Individuen, die es nicht verdient
hatten, vertheilt gehabt hätte.

Er träumte also von seiner theuern Katharine, die er, von !
Neuem zum Seedienste berufen, in dem Augenblicke verlassen
wollte, wo er zum Steuermann avanciren und seine Geliebte
zu heirathen gedachte. Auch wünschte er ans aufrichtigem
Herzen die Regierung mit sammt seiner Majestät zum Teufel,
in deren Namen er die Ordre zum Abmarsch erhielt, und j
verfluchte das Matrosenhandwerk, das ihn sein ganzes Leben
lang zur Verfügung des Königs stellte, während jeder andere !
sein Herr war, und durch die Dienstzeit von einigen Jahren
dem Vaterland seine Schuld abgetragen hatte.

Diesen traurigen Gedanken nachhängend, gelangte er an
eine Stelle, wo ihm schwimmende Korke anzeigten, daß seine
Fischreusen hier befindlich wären. Er strich die Segel seiner
Barke und begann das Weidcngeflecht in die Höhe zu ziehen,
in dem die Hoffnung seines täglichen Brodes beruhte.

Unter den Wassergästen, die sich gefangen hatten, befanden
sich auch zwei Seekrebse von so ungeheuerer Größe, wie sich
Marcel nie erinnerte, jemals welche gesehen zu haben.

Während er so diese beiden Riesen betrachtete, hatte er eine !
Idee, eine ganz vortreffliche Idee. „Parbleu!" sprach er bei sich,
„statt meine Seekrebse zu verkaufen, wofür ich gewiß einen guten
Preis bekäme, wenn ich sie dem Syndikus über die Seeleute
anböte, will ich sie ihm lieber zum Geschenk machen; ich werde

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Werk/Gegenstand/Objekt

Titel

Titel/Objekt
"Die beiden Seekrebse"
Weitere Titel/Paralleltitel
Serientitel Serientitel
Fliegende Blätter
Quelle des Titels
Sachbegriff/Objekttyp
Grafik

Inschrift/Wasserzeichen

Aufbewahrung/Standort

Aufbewahrungsort/Standort (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Inv. Nr./Signatur
G 5442-2 Folio RES

Objektbeschreibung

Maß-/Formatangaben

Auflage/Druckzustand

Werktitel/Werkverzeichnis

Herstellung/Entstehung

Künstler/Urheber/Hersteller (GND)
Muttenthaler, Anton
Entstehungsort (GND)
München

Auftrag

Publikation

Fund/Ausgrabung

Provenienz

Restaurierung

Sammlung Eingang

Ausstellung

Bearbeitung/Umgestaltung

Thema/Bildinhalt

Thema/Bildinhalt (GND)
Matrose <Motiv>
Nachdenklichkeit
Karikatur
Satirische Zeitschrift

Literaturangabe

Rechte am Objekt

Aufnahmen/Reproduktionen

Künstler/Urheber (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Reproduktionstyp
Digitales Bild Digitales Bild
Rechtsstatus
Public Domain Mark 1.0 Public Domain Mark 1.0
Creditline
Fliegende Blätter, 17.1853, Nr. 391, S. 49 Universitätsbibliothek Heidelberg
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