Fliegende Blätter — 17.1853 (Nr. 385-408)

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Aus junge« Jahren.
I. Ter Spielklas.

Was klingt so lockend und lieblich herüber aus der fernen
Jugendzeit? Lustige Klänge, schwirrende Geigentöne! TerAbend
dämmert; vor seinem Häuschen sitzt der Spielklas, die Geige
am Kinn und der Fidelbogen zittert über die Saiten. Zu
seinen Füßen aber lagert der Bube und lehnt den Kopf an

die Kniee des Alten und trinkt die süßen Melodien.-

Nicht weit vom Hause stand die prächtiggroße Dorflinde;
eine Holzbank zog sich rings um den dicken Baum. Dort saß
der Alte an lauen sternhellen Sommersonntagsabenden, lvenn
eben nirgend Kirmes war: dort saß er an den Baum gelehnt;
die Hände ruhten lässig in den iveiten Taschen des Sonntags-
wamses und im Munde baumelte die kurze Pfeife, deren Rauch-
wolken sich mit dem Duft der Lindenblüthcn mischten. —

Doch niemals blieb er lange Zeit so allein — allerseits strömten
die Bursche und Mädchen des Dorfes herbei, man bittet ihn
um einen Tanz, nur einen einzigen soll erspielen; ver-
weigernd schüttelt er den Kopf. Aber dort kommt Schulzens
Peter; „Spielklas!" ruft er, „rathet, was ich Euch mitge-
bracht aus der Stadt! Seht, ein Viertel vom besten Tabak I
Eure Pfeife ist ausgebrannt, gebt, daß ich sie frisch stopfe!"
Derweilen ist schon eins der Mädchen nach des Alten Hause
geeilt, um die Geige zu holen. Flehend drückt sie das In-
strument dem Spielklas in die Hände; — ach und der Peter
wird gar nicht fertig mit dem Stopfen der Pfeife; — prüfend
läßt der Alte den Fidelbogen über die Saiten hüpfen; er
zieht ihn wieder zurück, noch einmal, noch wieder, und nun
ist er in vollem Gange. Der Peter denkt nicht mehr daran,
die Pfeife zu stopfen, sie ruht benebst dem Tabak auf der
Bank, lustig wirbeln die Paare um den Lindenbaum, Tanz
folget auf Tanz. Endlich mit einem grellen gellenden Ton
verklingt die Musik. Mädchen und Bursche verlieren sich all-
gemach; sie wissen, alles Bitten, noch weiter zu spielen, ist
vergeblich, wenn der Spielklas einmal „ünis gestrichen hat,
wie sie jenen gellenden Ton heißen. — Manchmal blieb der
Alte noch länger unter der Linde und man hörte zuweilen
tief in der Nacht wunderbarträumerische Melodien. „Ich Hab'
den lieben Sternlein was vorgegeigt," sagt' er dann am Morgen,
wenn man ihn fragte, für tuen er so spät noch gespielt.

Seine Geige hielt der Spielklas gar hoch, hatte sie ihm doch
sein Weib erobern helfen? Das ist eine seltsame Geschichte und
es machte den Alten sehr glücklich wenn er sie Jemanden
erzählen konnte. Dann lächelte er schelmisch behaglich, schnalzte j
freudig mit den Fingern und ließ manchmal mitten im Er- !
zählen den Bogen über die Saiten tanzen. Er begann aber also:

„Es ist nun wohl lange her, ich war dazumal noch jung,
diese Haare waren noch nicht weiß, dies Gesicht hatte »och keine
häßlichen Falten, sondern war recht glatt und hübsch, >vie euch

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Werk/Gegenstand/Objekt

Titel

Titel/Objekt
"Aus jungen Jahren. I. Der Spielklas"
Weitere Titel/Paralleltitel
Serientitel Serientitel
Fliegende Blätter
Quelle des Titels
Sachbegriff/Objekttyp
Grafik

Inschrift/Wasserzeichen

Aufbewahrung/Standort

Aufbewahrungsort/Standort (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Inv. Nr./Signatur
G 5442-2 Folio RES

Objektbeschreibung

Maß-/Formatangaben

Auflage/Druckzustand

Werktitel/Werkverzeichnis

Herstellung/Entstehung

Künstler/Urheber/Hersteller (GND)
Stauber, Carl
Entstehungsort (GND)
München

Auftrag

Publikation

Fund/Ausgrabung

Provenienz

Restaurierung

Sammlung Eingang

Ausstellung

Bearbeitung/Umgestaltung

Thema/Bildinhalt

Thema/Bildinhalt (GND)
Fenster <Motiv>
Geiger
Haus <Motiv>
Violinspiel
Nacht <Motiv>
Ruhestörung
Ärger <Motiv>
Karikatur
Frau <Motiv>
Dach <Motiv>
Satirische Zeitschrift

Literaturangabe

Rechte am Objekt

Aufnahmen/Reproduktionen

Künstler/Urheber (GND)
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Reproduktionstyp
Digitales Bild Digitales Bild
Rechtsstatus
Public Domain Mark 1.0 Public Domain Mark 1.0
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Fliegende Blätter, 17.1853, Nr. 395, S. 81 Universitätsbibliothek Heidelberg
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