Fliegende Blätter — 17.1853 (Nr. 385-408)

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Halboffizieller Bericht der Feierlichkeiten rc.
Vom Herzen kommt der Wunsch heraus.

Herr Ludewig, Herr Ludewig
Von Quarkfeld-Adelshausen.

Scbon während des ersten Verses waren der gnädige Herr
Baron nebst hoher Frau Gemahlin am Fenster erschienen und
sprachen nach Schluß des Gesanges den Sängern in kurzen aber
gnädigen Worten hochihren gefühlten Dank aus.

Sei es nun, daß der Voigt den Moment glücklich gewählt
hatte oder war es ein Spiel des Zufalls; genug, in demselben
Augenblicke als die feierliche Hymne angcstimmk wurde, durchbra-
chen die ersten Strahlen der Sonne die graue Decke des östlichen
Himmels und vergoldeten mit lieblichem Scheine die malerische
Gruppe.

Um 9 Uhr Morgens begaben sich sodann die gnädige
Herrschaft unter ehrerbietiger Nachfolge deS nach ihren Char-
gen geordneten Dienstpersonals in die Schloßkapelle, wo die je-
desmalige kirchliche Feier des Geburtstages von jeher began-
gen zu werden pflegt und verließen dieselbe endlich um 11 Uhr
in derselben Ordnung wieder. Ein Gesang der Schuljugend
von ihrem w ürdigen Lehrer, Herrn Hungersberg geleitet, begrüßte
den hoben Herrn Jubilar, nebst hoher Frau Gemahlin beim
Austtitt aus der Kapelle, wogegen die früher üblichen 51
Festschüssc aus Schlüsselbüchsen diesmal durch Peitschenknallen
von mehrere» darin sehr geübten Jungen des Orts präcis und
kräftig effectuirt wurden, da der gnädige Herr seine Befürch-
tungen, Schießgewehre in den Händen des hierin unbeholfenen
Publikums zu wissen, an der Feier des vorigen Geburtstages
nicht undeutlich hatten laut werden lassen, gleichwohl aber auch

diese die Feier erhebende Episode aus dem Festarrangement
nicht ausgelassen zu sehen wünschten.

Nachdem dieser Theil des Festes ungestört und würdig
vorüber gegangen war, rief endlich die Glocke die Theilhaber
des Festes zum Mahle, welches der gnädige Herr nebst hoher
Familie in ihren Gemächern einnahmen, während für sämmt-
liches Dienstpersonal im Wirthschaftshause gedeckt war. Er-
freulich war es übrigens, daß bei der allgemeinen Freude die
Ortsarmen sowohl als auch die harmlose Schuljugend, nebst
ihrem würdigen Lehrer Herrn Hungersberg, nicht vergessen
wurden, indem jeder Arme einen Laib Brod und zwei Quark-
käse erhielt, während die Schuljugend nebst ihrem würdigen
Lehrer Herrn Hungersberg aus entsprechende Art gespeist wur-
den. Wie wir übrigens hören, ist das Verabreichen eines Lai-
bes Brod und zweier Ouärge an jeden Armen schon von alters-
grauen Zeiten her gebräuchlich und die Zeit des Ursprungs
scheint mit der Zeit der Entstehung derer von Quarkfeld-
Adelshausen zusammenzufallen, zu welcher Annahme auch das
Wappen des Hauses selbst zu berechtigen scheint, indem sich
rechts im oberen Felde desselben zwei Quarkkäse und unmittel-
bar darunter ein Laib Brod beflnden. Zu wünschen wäre übri-
gens, daß ein Heraldiker dem Ursprünge dieses Symbols seine
Aufmerksamkeit schenkte, indem uns dadurch jedenfalls die in-
teressantesten Aufschlüsse über das Geschlecht derer von
Quarkfeld rc. würden.

Doch dieß nur im Vorbeigehen. Wir kommen jetzt zur
erhebendsten Feierlichkeit des Festes selbst.

Gegen 2 Uhr des Nachmittags ertönte nämlich die Glocke
zum 3ten Male. Es war dies dem gesammten Haus- und
Wirthschaftspersonale das wohl bekannte und längst erwartete
Zeichen, fich nach dem Ahnen-, Waffen- und Wappensaale des
Schlosses selbst zu begeben; Erwartung, Spannung, Beklem-
mung war der gemeinsame Ausdruck aller Gefichter und ein
erregter, froher, ehrerbietiger Gruß und Glückwunsch der ge-
meinsame Laut aus jedem Munde beim Einkitt des hohen Herrn
Jubilars in den Saal, welcher, nachdem Hochderselbe an der
Seite seiner hohen Frau Gemablin einen erhöhten Sitz einge-
nommen hatten, unter tiefstem Schweigen der Versammlung, zu
welcher sich konori« causa der Ortsschulze und die Gemeinderäthe ge-
sellt hatten, durch Ablesen folgende Ansprache an die Dienstleute hielt.

Liebe getteue Diener unseres Hauses!

„Der Geburtstag der Herren von Quarkfeld-Adelshau-
„ sen rc. war in alter Zeit schon ein Tag, der da Freude
„und Glück brachte über Alle, so in Diensten dieses ho-
„hen Hauses standen. Dieweil Wir nun ein abgesagter
„Feind find aller und jeder Neuerungen, so das Bö>e
„erzeugen und das Gute vernichten, so wollen euch Wir
„immerdar archangen und getteu sein der Sitte Unserer
„hochseligen Urahnen und Altvodern und von euch 3e-
„dem männiglich gerecht und gnädig werden nach eurem

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Titel

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"Halboffizieller Bericht der Feierlichkeiten am Geburtsfeste des Barons Ludwig von Quarkfeld-Adleshausen auf und zu Quarkfeld"
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Fliegende Blätter, 17.1853, Nr. 400, S. 122 Universitätsbibliothek Heidelberg
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