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„Kommt nicht in Fragei Es ist ohnehin sehr großmütig von
mir, dir diesen leichten Verdienst zuzuwenden. Wenn du keine Lust
hast-pah, dann schicke ich einfach einen Dienstmann hin."

Darauf bekommt Benno Block denn doch Lust und erhebt sich
ächzend. Er befühlt sein Kinn. „Ich bin grauenhaft unrasiert. Ich
müßte mich erst rasieren, aber das bringe ich jetzt nicht fertig. O
mein Kopf!"

„Ist auch nicht nötig! Im Gegenteil, es ist viel besser, wenn du
dich bei Roller als Stachelschwein präsentierst; du siehst dann be-
dürftiger aus. Lalt — du wirst doch nicht deinen besten Anzug
nehmen! Die schäbigste Kluft paßt für dich als armen, aber ehrlichen
Kinder. Binde auch keine Krawatte um! Das muß ein dir ganz
unbekannter Luxus sein. So, und nun los! Ich bleibe hier und er-
warte dich und das Geld. Oder ehrlicher gesagt, denn diese Reihenfolge
entspricht meinen Gefühlen: das Geld und dich."

Benno Block geht ab, leicht taumelnd, denn seinem Kopfe fällt
es »och schwer, die Direktioil zu übernehmen. Kuno Kietz streckt sich
behaglich auf dem Diwan aus, ohne sich seiner schmutzigen Stiefel
zu entledigen, und das ist eine Schweinerei. Vorher hat er sich von
Benno Blocks Schreibtisch eine Schachtel mit Zigaretten ganz un-
bekümmert angeeignet, und das ist eine noch größere Schweinerei.

Kuno Kietz hat mit einer halben Stunde Wartens gerechnet.
Aber damit hat er sich verrechnet; erst nach ganzen zwei Stunden
kommt Benno Block zurück. Es scheint ihm besser zu gehen; er tritt
ganz forsch auf und hat nicht mehr eine so käsebleiche Gesichtsfarbe.
Aber er begrüßt Kuno Kietz in eigentümlicher Art; er wirft ihm
einen aus Groll und höhnender Aeberlegenheit gemischten Blick zu
und sagt: „Du bist ein Rindvieh!"

„Was ist denn los? Lat die Sache nicht geklappt? War es nicht
die richtige Perlenkette?"

„Es war die richtige, und die Sache hat geklappt."

„Also her mit dem Geldei Zieh' dir deine 100 Mark ab!"

„Läßt sich nicht machen. Ich habe zwar 500 Mark bekommen, aber
nicht in bar."

„Ach so — ein Scheck! Gib ihn her!"

„Es ist auch kein Scheck. Aber du wirst die Gewogenheit haben
müssen, dich etwas zu gedulden. Erst muß ich dir erkläre», warum
ich dich ein Rindvieh genannt habe. Sage mal: wo hast du die Kette
gefunden?"

„Laha, das war ein merkwürdiger Zufall. Ich kam gestern am
Schauspielhause vorbei, als die Vorstellung grade aus war; es hatte»
wohl schon alle Leute das Theater verlassen. Da fiel mir ein, daß
ich eigentlich auch mal wieder ins Theater gehen könnte, und so ging
ich denn in die Vorhalle, um mir den Wochenspielplan anzusehen.
And wie ich wieder hinausging, da sah ich dicht vor der mittelsten
Tür die Kette liegen. Erst wollte ich sie dem Pförtner geben, der
ja gleich kommen mußte, die Türen abzuschließen, aber dann dachte
ich an einen wohl zu erwartenden Finderlohn, und das war ja auch
ein richtiger, sehr vernünftiger Gedanke. Warum soll ich also ein
Rindvieh sein?"

„Weil du mich nicht instruiert hast, du Ochse 1 Ich habe nur wegen
meines vorhin noch höchst üblen Zustandes nicht daran gedacht, dich
zu fragen, wo du die Kette gefunden hast, aber du hättest daran
denken müsse». Löre zu! Ich komme also zu Rollers, die beide schon
des Erfolges der Anzeige harren. Frau Roller ist entzückt und fällt
mir beinahe um den Lals. Er, der Direktor Roller, freut sich auch,
aber andererseits sieht er mich bekümmert an. Er nötigt mich in einen
Sessel und fragt, ob mir nicht gut sei. Das bejahe ich, ohne mich
auf eine nähere Beschreibung einzulassen, und Roller fängt an, zu
seufzen.

Dann aber fragt Frau Roller: „And wo haben Sie denn die
Kette gesunden?"

Was sollte ich sagen, du Rindvieh? Ich entsann mich, welcher
Weg in der Anzeige angegeben war, und erkläre also aufs Gerate-
wohl: „Ach, in der Koblenzer Straße."

„Also habe ich doch recht gehabt," sagt Frau Roller. „Mein Mann
behauptete nämlich, ich müßte die Kette schon im Theater verloren
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haben; der Verschluß müßte sich gelöst haben, als ich an der Garde-
robe meinen Fuchs umlegte."

Der Direktor Roller wundert sich, daß er nicht recht gehabt hat.
„Merkwürdig!" meint er. „In der dunklen Straße haben Sie die
Kette gefunden. Wie ging denn das zu?"

Ja, wie sollte das zugegangen sein. In der dunklen Straße konnte
ich die Kette freilich nicht gesehen haben. Ich stammele also: „O, ich
bin darauf getreten."

Frau Roller stößt einen Schreckensschrei aus und untersucht ihre
Kette. „Darauf getreten? Wenn nur keine Perle beschädigt ist!
Man sieht zwar nichts, aber ich verstehe mich nicht darauf; es mag
ja innere Sprünge geben, die sich dann bald bemerkbar machen."

Ich bin ein gutmütiger Mensch, Kuno, und um die Dame zu be-
ruhigen, suche ich nach einer beschwichtigenden Erklärung; ich stottere:
„Verzeihung, gnädige Frau-ich sagte: getreten. Aber eigent-

lich bin ich nur mit der Land auf die Kette geraten; ich war näm-
lich gerade hingefallen."

Frau Roller freut sich über diesen glücklichen Fall, aber er, der
Direktor, wird noch bekümmerter. „Sie müssen sich jetzt wirklich sehr
übel befinden; ich werde Ihnen helfen," sagt er und holt ein Glas
Wasser und eine Tablette, die zu schlucken er mich nötigt. Dann
muß ich mich auf seinen Diwan legen; er deckt mich sorglich zu,
verdunkelt das Zimmer und sagt, in einer Stunde werde er wieder-
kommen. Aber vorher schreibt er sich noch meinen Namen und meine
Adresse auf. —

Ich weiß nicht, was mir der Mann gegeben hat, aber geholfen
hat es; nach einer Stunde fühlte ich mich ganz wohl. Dann kam
Roller wieder und sprach ernste Worte zu mir. Er wollte mir keine

Ein zarter Wink

„Ich bin Mathematikprofessor, Fräulein Else."

„Na schön — aber mit mir brauchen Sie nicht zu rechnen!"
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Werk/Gegenstand/Objekt

Titel

Titel/Objekt
"Ein zarter Wink"
Weitere Titel/Paralleltitel
Serientitel
Fliegende Blätter
Sachbegriff/Objekttyp
Grafik

Inschrift/Wasserzeichen

Aufbewahrung/Standort

Aufbewahrungsort/Standort (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Inv. Nr./Signatur
G 5442-2 Folio RES

Objektbeschreibung

Maß-/Formatangaben

Auflage/Druckzustand

Werktitel/Werkverzeichnis

Herstellung/Entstehung

Künstler/Urheber/Hersteller (GND)
Geis, Josef
Entstehungsdatum
um 1943
Entstehungsdatum (normiert)
1938 - 1948
Entstehungsort (GND)
München

Auftrag

Publikation

Fund/Ausgrabung

Provenienz

Restaurierung

Sammlung Eingang

Ausstellung

Bearbeitung/Umgestaltung

Thema/Bildinhalt

Thema/Bildinhalt (GND)
Karikatur
Satirische Zeitschrift

Literaturangabe

Rechte am Objekt

Aufnahmen/Reproduktionen

Künstler/Urheber (GND)
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Reproduktionstyp
Digitales Bild
Rechtsstatus
In Copyright (InC) / Urheberrechtsschutz
Creditline
Fliegende Blätter, 198.1943, Nr. 5084, S. 6

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CC0 1.0 Public Domain Dedication
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