Fliegende Blätter — 24.1856 (Nr. 553-576)

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Herrn Grass Tagebuch über eine Reise nach Prag und Wien.

Der beriemte deutsche alte Volksdichtcr Jda von Hahahn
^ (welches sogar ein wciblichtes Frauenzimmer und noch dazu eine
I Gräfin aus das Althinderpommersche Land sein soll!) hat nach
! die Mehlodie von das alte wunderschöne Volkslied:
Ich bin liederlicht, du bist licdcrlicht,
Wir sein liederlichte Leite,
ein anderes Lied gedichtet, welches allemal in die letzte» Zeilen
den sogenannten Rcferentarius hat:
'S giebt nur a Kaiserstadt,
'S giebt nur a Wien!
Ei da muß prächtich sein,
Da möcht i hin!
Diese einfache wenn auch unohrdiegrafische Boehsie hatte
mich immer sehr ergriffen, wenn ich sie hatte gehört, so daß !
ich endlich dachte: Selbst ist der Mann, zuinal wenn die Frau
nicht mit dabei ist! Also warum sollte ich nicht? Bin ich
doch vorigtes Jahr bei das Haubtschießen sogar Schitzenkönig ;
geworden und nun auch Haubtmann von unsre ganse Komm-
bahnie, welches in Grin mit goldnen Knebfen und goldne
Ehpoletse nebst Federhut besteht. Kohle hat mich in den vollen
Ohrnahte abgemalt, wie ich grade komanthicre: bei Fuß Gwerrr!
Abtreten! Rihrt Euch! (Welches letzte Komantho meine Schitzcn
anfangs immer gar nicht begreifen konnten und sich gegenseitigt
! abschittelten, weil sie dachten, daß hierdarin die milcthcerische
! Rihrung bestehen thete.)
Also in diese imbosande Stellung hat mich grade mein
lieber Mahlermeister Kohle abgebohrdrehthiert und hinten, weil j
es ein Familichenstick soll sein, meinen Fritze auch mit ange-
bracht, welcher mir eine Borzion Butterbämmechen mit Zerr-
fehlatwurst auf den Ecksehrzicrblatz hinausbringt. Meine Frau
wollte auch mit auf das Bild angebracht sein, aber Kohle sagte,
das ginge nicht, weil auf die alten Ritterbilder immer auch

nur der männliche Stammbaum sich befindet und das weibliche Fa- !
milichenbersohnal auf die Rickseite oder auf ein gans andres Bild. !
Aber ich komme immer mehr in meine heislichen Fami-
lichenangelegcnheiten, welches ich nicht beabsichtige, sondern nur
eine Reisebeschreibung. Also ich ließ mir einen Reisebaß geben,
worauf ich als Gefolge meinen Sohn Fritze und den Mahlcr-
meifter Kohle mit hineinbringen that, um nach die beriemte Haubt-
und Weltstadt Wien zu reisen, wobei man auf den Wege auch !
die alte Seestadt Prag mit konnte umstoßen, welche ja auch in !
die Weltgeschichte immer eine große Rolle gespielt hat.
Damit ich aber mit Wirde kennte überall auftretcn, so ^


Werk/Gegenstand/Objekt

Titel

Titel/Objekt
"Herrn Graf's Tagebuch über eine Reise nach Prag und Wien"
Weitere Titel/Paralleltitel
Fliegende Blätter
Quelle des Titels
Sachbegriff/Objekttyp
Grafik

Inschrift/Wasserzeichen

Aufbewahrung/Standort

Aufbewahrungsort/Standort (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Inv. Nr./Signatur
G 5442-2 Folio RES

Objektbeschreibung

Maß-/Formatangaben

Auflage/Druckzustand

Werktitel/Werkverzeichnis

Herstellung/Entstehung

Künstler/Urheber/Hersteller (GND)
Stauber, Carl
Entstehungsort (GND)
München

Auftrag

Publikation

Fund/Ausgrabung

Provenienz

Restaurierung

Sammlung Eingang

Ausstellung

Bearbeitung/Umgestaltung

Thema/Bildinhalt

Thema/Bildinhalt (GND)
Militär <Motiv>
Bildnis <Motiv>
Sohn <Motiv>
Offizier <Motiv>
Karikatur
Uniform <Motiv>
Vater <Motiv>
Satirische Zeitschrift

Literaturangabe

Rechte am Objekt

Aufnahmen/Reproduktionen

Künstler/Urheber (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Creditline
Fliegende Blätter, 24.1856, Nr. 566, S. 105 Universitätsbibliothek Heidelberg
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