Fliegende Blätter — 24.1856 (Nr. 553-576)

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Die Folgen einer telegraphischen Depesche.

Telegraphische Depesche.
Or. A. Müller — Leipzig — —straße 15.
Herzlichsten Glückwunsch — heutigen Geburtstag — möge
noch oft wiederkehren — Alle wohl — tausendmal grüßen —
liebe Frau auch. Inniger Freundschaft.
Mehlig.
Obige Depesche war Morgens früh sieben Uhr in Berlin
aufgegeben worden, gelangte durch den Draht nach Leipzig, und
wurde dem erst gestern angestellten Depeschenträger Lorenz als
erste Besorgung zur augenblicklichen Beförderung übergeben.
Lorenz lief was er laufen konnte, warf, am richtigen
Haus angelangt, noch einen flüchtigen Blick auf die Adresse,
zog dann die Klingel an der Hausthür, und wurde ohne wei-
teres eingelassen.

Wie er die Hausflur betrat, öffnete sich rechts eine Thür.
Ein ältliches Fräulein mit weißer Haube und Schürze kam
heraus und trug einen Präsentirteller in der Hand, auf dem
das, wahrscheinlich eben gebrauchte Kaffeeservice stand, Lorenz
trat auf sie zu.
„Telegraphische Depesche!" sagte er und hielt ihr das
Couvert mit dem rothen Streifen entgegen.
„Jesus Maria und Joseph!" schrie die Dame, schlug in
blankem Entsetzen die Hände über dem Kopf zusammen, und
ließ daß ganze Kaffeeservice aus die Erde fallen.
„Bitte tausendmal um Entschuldigung" sagte Lorenz, in-
dem er sich bückte und die halbe Kaffeekanne aufhob, den Prä-
sentirteller aber liegen ließ.
„Von wem ist sie denn?" schrie aber die Dame, ohne
selbst in dem Augenblick des gebrochenen Geschirrs zu achten.
„Ja das weeß ich Sie merklich nich" sagte Lorenz, „aber
^ sie is für den Herrn Doktor Müller."
„Doktor Müller? — Sie Ungeheuer Sie, was bringen
Sie mir denn da das entsetzliche Papier?" rief die Dame mit
vor Zorn gerötheten Wangen.
„Aber ich bitte Sie um tausend Gottes Willen mein >
bestes Mamsellchen!"
„Jetzt kann mir Ihr Telegraph mein Service bezahlen,"
zürnte aber die schöne Wüthende „das ist ja ärger wie Ein-
bruch und Diebstahl, oh, das herrliche Porcellan!"
Sie knieete neben den Scherben nieder und begann die
auseinander gesprengten Stücke, allerdings vergebens, wieder
zusammenzupaffen. Lorenz wurde es aber unheimlich, und wenn
er auch nicht recht begriff weshalb die Dame so erschreckt sei,
hielt er dieß doch für einen paffenden Moment sich aus dem
! Staube zu machen. Doktor Müller wohnte jedenfalls oben,
j In Gedanken behielt er auch die halbe Kaffeekanne bis zur

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Werk/Gegenstand/Objekt

Titel

Titel/Objekt
"Die Folgen einer telegraphischen Depesche"
Weitere Titel/Paralleltitel
Fliegende Blätter
Quelle des Titels
Sachbegriff/Objekttyp
Grafik

Inschrift/Wasserzeichen

Aufbewahrung/Standort

Aufbewahrungsort/Standort (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Inv. Nr./Signatur
G 5442-2 Folio RES

Objektbeschreibung

Maß-/Formatangaben

Auflage/Druckzustand

Werktitel/Werkverzeichnis

Herstellung/Entstehung

Künstler/Urheber/Hersteller (GND)
Stauber, Carl
Entstehungsort (GND)
München

Auftrag

Publikation

Fund/Ausgrabung

Provenienz

Restaurierung

Sammlung Eingang

Ausstellung

Bearbeitung/Umgestaltung

Thema/Bildinhalt

Thema/Bildinhalt (GND)
Fall
Schrecken <Motiv>
Tablett
Bote <Motiv>
Telegramm <Motiv>
Service <Hausrat>
Karikatur
Frau <Motiv>
Satirische Zeitschrift

Literaturangabe

Rechte am Objekt

Aufnahmen/Reproduktionen

Künstler/Urheber (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Creditline
Fliegende Blätter, 24.1856, Nr. 570, S. 137 Universitätsbibliothek Heidelberg
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