Fliegende Blätter — 24.1856 (Nr. 553-576)

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Herrn Graf's Tagebuch über eine Neise nach Prag und Wien.
(Fortsetzung.)

Wir machen also auch mit Vergingen einige von die
Ardalleriebewegungen mit. Aber oh weh! Nun hieß es auf
einmal: „Ganse Batterie, schiefen Sie los!" Bautz, Buff,
Bumbs! Das war ein Geknalle, als ob sich die Erde wollte
aufmachen. Mein Fuchs machte einen Satz in die Luft und
— bätsch! war ich mit dem Herrn Mahlermeister Kohle hinten
hinuntergerutscht, wo ich nun mit mein ganses Körpergewichte
auf ihn darauf fas, daß er schrie und seifzte. > In dieser Zeit
waren aber auch die sämmtlichtcn Herren Offizierer in Galobf
mit die Kanohnen und meinen Fuchs davon gemacht, nur wir
zwei Beide sasen noch an die Erde und fihlten, ob wir keine
Ribbe nicht gebrochen hatten. Da aber Alles noch so leidlich
abgelaufen war, so hielten wir es vor das Beste, uns nicht
weiter an das Mannehfer Antheil zu nehmen, warum wir uns
auch gans in die Stille aus den Staube machten und mit
einige Verrenkungen herschen endlich zu Hause kamen.
Von diese Zeit an habe ich auch die Birgerschitzenhaubt-
mannsliefereh nicht wieder in Wien angezogen, weil ich mich
doch in meine Ziehviclkleider viel leichter bewege und auch nicht
viel Neigung zu das Svldatenwesen habe.

Am meisten haben mir immer von die Soldaten die
Herrn Ungarn gefallen, welche ungeheier sbitzigte Schnauzbärte
haben, indem sie sich die Sbitzen davon mit Schleifsteine schleifen
so daß sie können Einen gleich mit den Barte an die Wand
sbiesen.
Aber deutsch sbrechen sie gar nicht, dafür fluchen sie hin-
gegen dichtig und wenn sie einmal recht wilde sind, so schreien
sie. so etwas wie: „LuZssrinunn äurumtätü!" Welches aber
schon sehr schlimm sein soll, denn hier darauf setzt es gnvvhnlich
auch balde Hiebe, wovon ich bet meine friedlichheislichte Erziehung

kein Fremd bi», denn Fritzen haue ich blos manchmal so ein
bischen zu meine eichene Erhohlung und Zerstreiung.

Heute haben wir auch einen vergeblichen Versuch gemacht,
den weltbekannten Wiener Brater anzusehen. Aber ach, wir
find blos bis an das sogenannte Rothethurmthor gekommen.
Dieses ist nämlich eine sehr enge Baßasche und im Sommer
wird es zur Bratcrfahrt benutzt. Das heißt nämlich, es fahren
da so viel Wagen hinaus und so viele herein, das man nicht
hindurch kann. Wir haben an die rothe Thurmecke gewis drei
Stunden gestanden, um damit wir hinüber wollten auf die
andre Seite von diese enge Straße, aber wie wir ansetzen
wollten, so kam allemal wieder ein anderer Wagen, daß man
nie dahindurchkam, welches freilich eine sehr gute Leibesibung
ist aber doch dabei etwas cinfermlicht und schwcistreibend.
Wir haben wenigstens dabei etwas von die vielen Ecki-
baschen gesehen, die alle uns g'rade vor die Nasensbitzen vorbei
fahren thaten und wo wir uns mußten allemal an die Wand
drillen, daß wir nur nicht zu Tode gefahren wurden, welches
doch wenigstens ein bischen Abwechslung war. Es kamen da
alle meglichen Sorten Wagen vorbei, viersbennigte Bankgehs
und einsbennigte Baarohns, sowie auch, wo hinten darauf ver-
kleidete Ungarn und Polen als Bediente sasen, welches sehr
bitteresk ausfieht. Auch giebt es Wagen mit gans kleine
Pferde und wo doch große Versöhnen darin fitzen, welches
wahrscheinlich blos wegen die billigen Futterkasten geschieht.
Nachdem wir mehrere hundert verunglicklichte Versuche
gemacht hatten, über die Straße durch die Wagen hindurch zu
kommen, so drillten wir uns sanfte an dk Heiser fort bis wir
wieder nach Hause kommen thaten..
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