Fliegende Blätter — 24.1856 (Nr. 553-576)

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Z eitnngsexpeditioneu angenvmnien. 2 Ilthlr. Einzelne Nnininerll koste» 12 kr. od- 4 Sgr.
Herrn Graf's Tagebuch über eine Reise nach Prag und Wien
(Schluß.)

Die Fratschlerweiber haben auch ihr sehr schönes Kafe-
haus an die Freiung, wo sie frih gans zeitig ihre geschlossne
Gesellschaft haben. Auch muß man sich hüten, dahinein mit
zu reden, denn es giebt in die Welt keine so grobe Danien
weiter, wie diese grinen Gemiseweiber, zumal wenn man aus
Versehn an ihr Geschäftslokal stößt, welches gewöhnlich ein
Korb oder ein Tisch ist/-aber immer mit Grobheiten verknibft.
Unter die Wiener können nur die Fiackerkutscher eben so greblich
sich ausdricken, warum man es auch durch die Obrigkeit ver-
boten hat, daß kein Fiacker darf keine Fratschlerin heirathen,
weil sonst eine gar zu grobe Nazion aus diese Familichenkinder
entstehen Wirde. — Die tirkische Nazion hat gleichfalls ein
Kafehaus für sich gans allein, weil sie sich nicht gern unter
! andre vermischen wollen. Ich ging auch einmal hin und war
von diesen Anblick gans übergerascht. Denn man kannte an
! die krummgebogenen Nasenbeine und die rothen Mitzen darauf,
^ welches man Fetzen nennt, gleich die Ausländler. Sie sitzen
auch alle mit niedergeschlagenen Gesichtsziegen da und scheinen
einen heimlichen Kram zu haben, warum ich mich auch mit-
leidsvoll zu Einen hinsetzen that, der, wie ich schon bemerkt
halte, ein etwas gebrechliches Deutsch sbrechen konnte. Wie
ich mich zu ihn an den Tisch setzen that, rickte er um zwei
Stihle weiter, worauf ich ihm sagte: „Firchten Sie sich nicht,
mein Herr Tirke, ich thue Sie nichts ich bin Einer von die
Westmächter. Aber wie ich dieses sagte, da rickte der Tirke
noch um vier Stihle weiter und sah mich mit sehr bedroh-
lichte Blicke an. Dabei rauchte er eine lange tirkische Feife
mit Weickselrohr, was man Schiebock nennt. Aber wenn er
mich ansah, biß er allemal ein Stick von das Rohr mit ^
withenden Gebärden ab und verschluckte es mit Ingrimm. ^
Wie ich mit meiner Tasse fertig war, war er niit sein Rohr i
auch fertig. Ich wollte ihn noch einmal anreden und sagte:

„Aber, mein gntester Herr Tiirke, warum sein Sie denn so
böse, ich thue Sie ja nichts und da ich zu die Westmächter
gehöre, so bin ich doch auch ihr Freund." Da aber nahm
der Tirke seinen Feifenkopf, schmiß mir ihn vor die Fiße und
sagte: Hol der Teifel alle meine Freunde! Worauf ich auch
ecklicht wurde, ebenfalls aufstand und ihn mit Wuthigkcit blos
znrief: Gleichfalls! Herr Tirke! Wenn Sie nun einmal so ein
Grobsack sind! Worauf ich mich entfernen that.
Daß man auch in die neueste Zeit sich bemiht, merkwir-
digte Gebeide herzustellen, dieses beweist der neue Thurm an
die beriemte Augustinerkirche, welcher auch zu die godischen
Stielibungen gehört. Dieser Thurm war erst viel weitleifigter
und breiter, er ist aber durch das Regenwetter eingelaufen wie
ein Baar wollene Strimpfe und nun so enge geworden, daß
sie nicht einmal mehr die Glocken darin lenten können, sondern
sie mit einem Hammer darauf schlagen missen, weil die Glocke
sonst auf alle Seiten an die Wende anstosen thete. — Wenn
es noch oft darauf regnet, so wächst der Thurm gans zu,
warum auch Herr Stuwer wird keine Feierwerke mehr geben
dirfen, um dieses zu verhiten.

Wie schwer es in eine so große Stadt ist, Einen zu fin-
den, dieses glaubt man gar nicht, wenn man es nicht selbst
erlebt. — Tie Wiener Hausnummern sind nämlich sehr oft
in eine gans besondere Reihe und Glied gebracht; Nummer ^
Eins in diese Strafe, Nummer Zwei in jene und Nummer ^
drei wieder in eine andre. Welches grade eingerichtet ist wie
in das Schachsbiel wo es Röselsbringen heißt; erst allemal drei '
Schritt Vorwerts und dann einen auf die Seite; aber auf
welche Seite, dieses ist die Frage! — Auch mir ist es darin i
sehr sonderbar gegangen, wovon ich die angenehme Erinnerung !
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