Fliegende Blätter — 30.1859 (Nr. 705-730)

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110 Zärtlichkeit.

Mann (vorwurfsvoll): „Ob ich Dich liebe, Thekla?
Wie kannst Du nur fragen. Ich liebe Dich, wie meinLeben!"
(Nach einer Pause):

„Wenn ich an die schlechten Geschäfte denke, kannst Du
gar nicht glauben, wie zuwider mir mein Leben ist!"

Eine Nachtgeschichte.

Vor einiger Zeit kehrte spät Abends im- goldenen Löwen !
zu Cassel ein elegant aber nachlässig gekleideter Fremder ein, der !
augenscheinlich eine längere Fußtour gemacht hatte. Aus sei-
nen schmerzlichen Zügen sprach eine stille Verzweiflung, ein
heimlicher Kummer mußte seine Seele belasten. Er aß nur
äußerst wenig und ließ sich bald sein Schlafzimmer anwcisen.
ES mochte wohl eine Viertelstunde später und nahezu Mitter-
nacht sein, als der Kellner an Nro. 6, dem Zimmer des
Fremden, vorüber kam. Ein lautes, herzzerreißendes Aechzcn
und Stöhnen drang daraus hervor. Dem erschrockenen Kell-
ner erstarrte das Blut in den Adern. Irgend etwas Ent-
setzliches mußte da Vorgehen. Schleunige Hilfe that noth;
der Kellner stürzt zur Polizei. Unterdessen hat die Regier-
ungsräthin v. Z., welche in Nr. 7 schläft, dieselbe schreckliche
Entdeckung gemacht und bereits das ganze Wirthshaus in
Allarm gebracht, als der Kellner mit der Polizei zurückkommt.
Man dringt nun sofort in das Zimmer des Fremden. Aber
leider kam die Hilfe zu spät, denn derselbe hatte bereits in
Ermanglung eines anderen Instrumentes mit eigener Hand
unter Schmerzen und Wehklagen seine — engen Stiefel aus-
gezogen.

Trostreiches Kopfweh.

Kanzel!st Gerstmahr: „Ach Gott, ich habe schreck-
liche Kopfschmerzen!"

Aktuar Habevbusch: „Sei froh deswegen!"

Gerstmayw: „Wie so?"

Haberbusch: „So wcißtDu doch, daß Du einen Kopf

hast!

Der vermögliche Mann.

Praktikant: „Ich nehme mir die Freiheit, aus Anlaß
der demnächst stattfindcnden Besetzung mir dir Stimme des
Herrn Rathes zu erbitten, deren ich theils durch meine Leist- '
ungen, theils durch meine in Folge sechsjähriger Praxis sich
sehr mißlich gestalteten Verhältnisse würdig zu sein glaube."

Rath: „Mißliche Verhältnisse?" Ich lasse mir nichts
weiß machen! Sie sind ein vermöglicher Mann. Sie haben
einen modernen Frack, ich habe einen altiuodischen — Sie !
haben sechs volle Jahre ohne Besoldung gelebt; ich gebe
Ihnen mein Wort, nicht einen einzigen Monat könnte ich
ohne Besoldung leben."

Zwei Pfund.

Polizeidicner: „Was lacht Ihr da? Ich dächte, co -
wäre Euch so lächerlich nicht, wenn Andern Butter wcggc-
nommen wird, da ich vor acht Tagen erst Euch selbst zwei
Pfund wcggenommen habe."

Bauer: „Allen Respekt vor dem Herrn Polizeisergean-
ten, aber zwei Pfund Butter haben Sic mir nicht wegge-
nommen."

Polizeidicner: „Allerdings!"

Bauer: „Ich wette, Sic haben cs nicht."

Polizeid.: „Gut, wir wetten ; hier ist einKronenthaler!"

Bauer: „Hier ist der andere dagegen."

Polizei di euer: „Ich habe Zeugen, daß ich Euch die
zwei Pfund wcggenommen habe."

Bauer: „Herr Polizei-Sergeant, bedenken Sie doch
nur, wenn die Butter wirklich zwei Pfund gewogen hätte, so
hätten Sic sie ja nicht wegnchmen dürfen. Ihr Kronenthalcr
ist mein!"

Werk/Gegenstand/Objekt

Titel

Titel/Objekt
"Eine Nachtgeschichte" "Zwei Pfund"
Weitere Titel/Paralleltitel
Fliegende Blätter
Quelle des Titels
Sachbegriff/Objekttyp
Grafik

Inschrift/Wasserzeichen

Aufbewahrung/Standort

Aufbewahrungsort/Standort (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Inv. Nr./Signatur
G 5442-2 Folio RES

Objektbeschreibung

Maß-/Formatangaben

Auflage/Druckzustand

Werktitel/Werkverzeichnis

Herstellung/Entstehung

Künstler/Urheber/Hersteller (GND)
Busch, Wilhelm
Entstehungsort (GND)
München

Auftrag

Publikation

Fund/Ausgrabung

Provenienz

Restaurierung

Sammlung Eingang

Ausstellung

Bearbeitung/Umgestaltung

Thema/Bildinhalt

Thema/Bildinhalt (GND)
Laterne
Polizeibeamter
Sorge
Verkauf <Motiv>
Hotelzimmer
Geräusch
Butter
Karikatur
Bauer <Motiv>
Satirische Zeitschrift

Literaturangabe

Rechte am Objekt

Aufnahmen/Reproduktionen

Künstler/Urheber (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Creditline
Fliegende Blätter, 30.1859, Nr. 718, S. 110 Universitätsbibliothek Heidelberg
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