Fliegende Blätter — 31.1859 (Nr. 731-756)

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LOttl» Dollars für einen Ehemann.

(Schluß.)

Numero Zwei.

Abermals einige Monate später trat eine andere Person
in das Comptoir unseres Freundes, cs war ein schöner Mann
mit einschmeichelnden Manieren und vollen sechs Fuß Höhe
und vcrhältnißmäßigcr Breite, aber cs war einer jener Herrn,
von denen Tallcyrand sagte: Sic gleichen großen Häusern,
deren,oberste Etage gemeiniglich am schlechtesten meublirt ist.
Außerdem war jene, etwas bleiche Farbe an ihm zu bemerken,
welche Don Juan zugeschrieben wird. Mr. Nellis glaubte jedoch
nun das Bcdürsniß seiner Clientin befriedigen zu können,
zeigte sich außerordentlich geschmeidig, instruirte den Gentle-
man, welcher den wohlklingenden Titel Major Frceman trug,
auf das umständlichste, auch forderte er diesmal keine Ge-
bühren.

Man machte sich. indessen auf die Pilgerfahrt, während
welcher sich Mr. Nellis inwendig gratulirtc.

Die Wittwe empfing den Major außerordentlich artig
und höflich und Nellis schwamm in Entzücken, da ein dank-
barer Blick der Dame ihn für diese Zuführung zu beloben
schien.

Während eines Monates rieb sich unser Held vergnügt
die Hände und zerbrach sich stundenlang den Kopf, wie und
wo er die 1000 Dollars anlcgen wolle, sein Entschluß ltand
endlich fest und jetzt bestürmte er den Major, doch ja den
Vermählungstag zu beschleunigen; den Grund, warum er cs
sich so angelegen sein ließ, gab freilich der Würdige nicht
an, aber das konnte ja doch de» Major auch nicht intcreffircn,
wozu also ihm erst den Mund aufspcrren.

Eines schönen Tages, nach Mr. Nellis Berechnung der
ungefähre Vermählungstag, saß er, eine Cigarre schmau-

chend, einen Genuß, welchem er sich jedoch nur in Fällen der
ungetrübtesten Freude hingab, in dem Rockingchaire (Wicgestuhl)
und die Augen halb geschlossen ließ er jene Luftschlösser vom
Stapel, deren wir schon gedachten und deren Basis die sicheren
1000 Dollars bildeten.

Plötzlich trat unangemeldet Mrs. Crousc tief verschleiert
ein und ließ sich auf das mit dem pompösen Namen Sopha
getaufte Roßhaargcstell nieder.

Nellis jauchzte laut auf: „Beste Mrs. Crousc! Sehr er- !
freut." —

„Lügner! Schamloser! Betrüger!" schallte cs donnernd
zurück, >o, daß Mr. Nellis, der liebe Gentleman, erschreckt,
aus allen seinen Himmeln und in den Rockingchaire zurück-
fiel: „Aber — Mylady — was," stammelte er entsetzt.

„Was?" rief diese, indem sic die Arme nach der allen
glücklichen Ehemännern bekannten Manier und Geberdc in die 1
Seite stemmte: „Sic Nichtswürdiger! Sollten Sie vielleicht [
leugnen, daß Sie mir unbewußt diese Schmach angethan.
Oh! Oh!"

„Aber — ich weiß" —

„Ah! also Sic wissen? Sehen Sie, Sic wissen? Oh! Sic
— Ungeheuer!" und eine neue Fluth ähnlicher Ehrentitel von
mehr oder minder gehaltreichem oder kräftigem Inhalte, drohten
den immer noch nicht begreifenden Ehrenmann zu ertränken.
Endlich machte Mylady eine Pause und warf sich lchluchzend
auf das Sopha. Nellis näherte sich ihr, in der Meinung, sie
habe Wcinkrämpfe, aber er fuhr entsetzt zurück, als die Lady
rief: „Kommen Sie mir nicht zu nahe! Ich stehe nicht für
mich! Ich kratze Ihnen Ihre Blinzcl-Augen aus!" - Aber
Alles nimmt ein Ende auf der Welt, daher auch die Wuth von
Mylady, sic kam auf den Gedanken, daß am Ende der etwas

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