Fliegende Blätter — 31.1859 (Nr. 731-756)

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oder

Die Nache des Postsekretairs.

Eine unerhörte Mordgcschichtc a»S der neuesten Zeit in sechs Kapiteln mit ganz neuen Effekten und noch nie dagcwcscnen TodeSartcn.

Warnung!

Halt Leser! Ein schreckliches Bild sind wir imBegriffe,
vor Dir zu entrollen. Unsere Feder ist mit dem Messer des
Henkers gespitzt und in daS Blut eines gerichteten Mörders
getaucht. Wenn uns, die wir Besitzer des „neuen Pitaval,
ältere und neue Folge" sind, bcimNicdcrschrcibcn der fol-
gcnden Schaucrmomcntc fortwährend Gänsehaut übcrlicf, —
wenn wir dabei oft nur mit abgcwendctcn oder geschlossenen
Augen wcitcrschrcibcu konnten — wie viel mehr wirst Du
zittern und beben müssen bei Todcsarten, wie sic noch kein
deutscher Bänkelsänger erfand!

Darum, ihr Zartncrvigcn, leset nicht weiter, die Erfahr-
ung unserer Geschichte könnte Euch die Liebe verleiten. Nur
ihr starken Geister, die ihr bei einer Mordthat in der gericht-
lichen Entscheidung daö meiste Interesse findet — nur Ihr
vermögt mir ohne Bangen zu folgen. Ihr Andern aber kehret
hier um, denn noch ist cs Zeit, da wir jetzt erst beginnen das
Erste Kapitel.

In L. bei B. und an der Straße gelegen, die von F.
nach D. führt, zwei Stunden von der \)*** Grenze, lebte
eine Familie, die nur aus drei Personen bestand, nämlich aus
einer reizenden Tochter, Namens Anna und den dazu gehöri-
gen beiden Eltern.

Anna war das liebenswürdigste Gcschöps unter der Sonne.
Eine Beschreibung ihrer Reize muß man uns, beliebter Kürze
! halber, erlasse». Nur so viel sei uns zu sagen gestattet, daß die
; ganze Natur ihr zu huldigen schien. Die Linde vor ihrem Fenster
j beugte sich unter der Last der Haus- und Singvögel, die sich

auf den Aesten drängten, um des Morgens zuerst das schöne
Kind zu sehen. Die Sonne und der Mond, von physiognomischcr
Seite betrachtet, lächelten im eigentlichen Sinne, wenn sic
unsere Anna zu sehen bekamen und konnte zumal 'die Sonne
sich nicht versagen, beim kkutergehen sich noch oft einige Mi-
nuten an den Erdrand fcstzuhaltcn, um die letzten Blicke ihres
Lieblings mit auf die lange Reise über die andere Hemisphäre
zu nehmen. Wenn Anna einen Besen ergriff, um die Stube
zu fegen, so schlugen unter ihrer Hand die dürren Birkcnreißcr
frisch aus und wölbten sich zur Laube , über die Liebliche.

Aber nicht blos die unvernünftigen Geschöpfe liebten Anna,
sondern auch die, je nachdem man will, die vernünftigsten oder
unvernünftigsten Geschöpfe, nämlich die Menschen. Anna war

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Werk/Gegenstand/Objekt

Titel

Titel/Objekt
"R♥A oder Die Rache des Postsekretairs"
Weitere Titel/Paralleltitel
Fliegende Blätter
Quelle des Titels
Sachbegriff/Objekttyp
Grafik

Inschrift/Wasserzeichen

Aufbewahrung/Standort

Aufbewahrungsort/Standort (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Inv. Nr./Signatur
G 5442-2 Folio RES

Objektbeschreibung

Maß-/Formatangaben

Auflage/Druckzustand

Werktitel/Werkverzeichnis

Herstellung/Entstehung

Entstehungsort (GND)
München

Auftrag

Publikation

Fund/Ausgrabung

Provenienz

Restaurierung

Sammlung Eingang

Ausstellung

Bearbeitung/Umgestaltung

Thema/Bildinhalt

Thema/Bildinhalt (GND)
Sonne <Motiv>
Blick <Motiv>
Tür <Motiv>
Karikatur
Junge Frau <Motiv>
Satirische Zeitschrift

Literaturangabe

Rechte am Objekt

Aufnahmen/Reproduktionen

Künstler/Urheber (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Creditline
Fliegende Blätter, 31.1859, Nr. 753, S. 177 Universitätsbibliothek Heidelberg
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